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Blogs Chrischis Crossfire Der zweite Mann am Mikro oder: Mehr Backing Vocals braucht das Land!

Der zweite Mann am Mikro oder: Mehr Backing Vocals braucht das Land!

Beitrag bewerten: 4 Votes | Ø 3.50

Crossfire

Geschrieben von: Chrischi   
Mittwoch, den 21. Juli 2010 um 21:17 Uhr
Jeder hat ja das ein oder andere, was er besonders gerne an der Musik mag. Manche finden generell eine mörderfette Produktion cool, andere lieben es, wenn der Bass, ein traditionell eher in der zweiten Reihe stehendes Instrument, richtig deutlich zur Geltung kommt, wieder andere lieben es, wenn man ihren Lieblingssänger bei jedem Atmen und Seufzen deutlich vernehmen kann. Das sind so kleine Dinge, auf die man beim Musik hören achtet und denen man vielleicht nicht primär die größte Aufmerksamkeit schenkt, die aber doch irgendwie wichtig sind. Ich persönlich stehe auf Backing Vocals. Wieso und warum? Keine Ahnung, aber der zweite (oder auch dritte und vierte) Mann, der den Leadsänger unterstützt, hat seit jeher meine vollste Sympathie.

Als klassisches Beispiel sind natürlich AC/DC zu nennen. Was wären die alten (und neuen) Songs ohne Malcolm Youngs kranke Vocals? Kann man sichfür ein fieses Grinsen sorgende "Night Prowler" ohne den Backinggesang im Chorus vorstellen? Wäre das mit einem der besten Soli aller Zeiten gesegnete "Ride On" immer noch solch ein Meisterstück, wenn kein "Ride on, Ride o-o-on" von Malcolm und Cliff Williams zu hören wäre? Klängen Klassiker wie "Dirty Deeds Done Dirt Cheap" und "For Those About To Rock" oder neues Material wie die besten "Black Ice"-Songs "Rock N' Roll Train" und "War Machine" ähnlich gut, wenn man keinen kauzigen Background-Gesang vernehmen würde? Ich glaube nicht. Auch, wenn das Ergebnis live manchmal schief klingt: Malcolm und Cliff MÜSSEN an bestimmten Stellen ans Mikro, um mitzusingen.

Ein weiterer prominenter Fall sind METALLICA. Obwohl sich Robert Trujillo in den letzten sieben Jahren wunderbar in die Band integriert hat und die Amerikaner mit "Death Magnetic" und ihren Liveauftritten einen neuen Frühling erlebt haben, vermisse ich ein wenig die kräftigen Hintergrundgesänge aus der Jason Newsted-Ära. Denn auch, wenn der ehemalige METALLICA-Bassist kein wirklich begnadeter Sänger war und eher brüllte als gut zu singen: Die stimmliche Unterstützung im Chorus von "Nothing Else Matters" oder "Enter Sandman", bei "Fuel", "Bleeding Me" und weiteren Songs war erstklassig. Hetfield ließ Newsted Anfang der Neunziger sogar "Seek And Destroy" komplett und "Whiplash" teilweise singen, was trotz der hörbaren stimmlichen Diskrepanz für gelungene Abwechslung sorgte. Trujillo und Hammett haben sich in den letzten Jahren zwar immer mehr unterstützende Vocals drauf gepackt, an die Klasse von Newsteds kräftigen Gesängen kommen die beiden jedoch auch mit geballter Kraft nicht ran.

Wahrscheinlich bedingt die Komplexität vieler BLIND GUARDIAN-Nummern vielstimmige Gesänge und verstärkten gesanglichen Einsatz der Herren Olbrich, Siepen und Holzwarth, jedenfalls kann man sich ein Konzert mit einem einsamen Hansi Kürsch ohne Backing Vocals kaum vorstellen. Das Schöne daran ist, dass die Gesänge zum großen Teil auch noch punktgenau sitzen und die Songs bereichern, wie auf der grandiosen "Live"-CD nachzuhören ist. Beim ersten Chorus von "Nightfall", in dem Kürschs Gesang, die Backing Vocals und der Zuschauerchor aufeinander treffen, überkommt mich immer noch die gleiche Gänsehaut wie Jahre zuvor, als ich die Version zum ersten Mal gehört habe.

Sehr angetan war und bin ich auch von NICKELBACK-Gitarrist Ryan Peake, dessen Vocals ich live zum ersten Mal auf der "Live At Home"-DVD gesehen/gehört habe. Ich habe mir gewünscht, dass Chad Kroeger doch einmal ein ganzes Lied an Peake abgeben würde, damit man seine Stimme mal längere Zeit alleine genießen könnte. Klar, es kann (meistens) nur einen Leadsänger geben, aber in solchen Fällen muss man schon beinahe von verschenktem Potenzial reden. FOO FIGHTERS-Boss Dave Grohl hat immerhin erkannt, dass sein Drummer Taylor Hawkins über eine Vollblut-Rockstimme verfügt, und lässt ihn auch mal für komplette Songs hinters Mikro. Genial ist beispielsweise seine Performance des LED ZEPPELIN-Klassikers "Rock N' Roll" auf der "Live At Wembley Stadium"-DVD, bei der selbst Robert Plant anerkennend nicken würde.

Die Liste an Bands, die ohne Backing Vocals nur halb so gut wären, lässt sich lange weiter führen. Spontan fallen mir z.B. noch SPOCK'S BEARD ein, für die mehrstimmige Gesänge lange Zeit ein Markenzeichen waren. Deshalb mein Wunsch an viele Bands dort draußen: Verlasst euch nicht nur auf euren Sänger, sondern lasst auch den Rest mal ran, wenn der denn zumindest einigermaßen singen kann. Ihr glaubt gar nicht, wie schön es ist, wenn auch mal Adrian Smith im Chorus von "Wasted Years" zu hören ist und sein Gesangsbeitrag von Bruce Dickinson mit einem "Beautiful!" kommentiert wird.

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Kommentare (4)add comment

chris:

chris
...
Cooler Beitrag, ich steh auch drauf - zusammen mit Gangshouts beim Hardcore oder generell aus der XY-Core-Richtung ("Wake -- Up -- The -- Dead!")
 
21. Juli 2010
Stimmen: +0

Fabien:

Fabien
...
Ich stimme dir grundsätzlich zu, obgleich ich deine Beispiele etwas kurios finde. Gerade AC/DC und METALLICA heben sich auf Platte (und das zählt für die meisten Musikkonsumenten) nicht gerade durch konsequente Backgroundvocals hervor.
Meiner Meinung nach ist das klassischste aller klassischen Beispiele in diesem Fach ALICE IN CHAINS, bei denen Jerry Cantrell fast durchweg die Hauptstimme (Staley bzw. Duvall) hinterlegt. Großartige und in musikgeschichtlicher Hinsicht fast einzigartige Gänsehautmomente sind dadurch entstanden.
Will man noch weiter zurück gehen, sollte man sich auf jeden Fall die BEATLES als Vorbild nehmen, bei denen Backgroundgesang bis zur Perfektion zelebriert wurde - auch in der Hinsicht, dass jeder der Musiker mal die Hauptrolle übernehmen und die anderen hinter sich wissen konnte.

Gangshouts fallen m. E. in eine andere Kategorie, haben aber auch eine große Bedeutung für die Stimmung und das Stimmungmachen der jeweiligen Bands. Positives Beispiel hier wären ZEBRAHEAD.

Dennoch: Guter und relevanter Beitrag!
 
22. Juli 2010
Stimmen: +0

Thorsten:

Thorsten
...
Ich oute mich hier auch mal als Fan von mehrstimmigem Gesang, allerdings halt wirklich mehrstimmigen Arrangements und da treffen die Beispiele hier nicht so ins Schwarze.

KISS zum Beispiel hatten in ihrer Originalbesetzung vier Sänger und haben das auch auch oft genutzt. Blues-basierte Bands haben oft mit mehrstimmigen Passagen gearbeitet. Die alten WHITESNAKE wären hier ein Beispiel.
Die BEATLES sind natürlich einer DER Klassiker in diesem Segment, wobei bis Ende der 60er allgemein noch sehr viel mehr mit Gesangsarrangements gearbeitet wurde und erst mit dem Trend zum Frontmann die Einstimmigkeit zunahm.
 
22. Juli 2010
Stimmen: +0

Chrischi:

Chrischi
...
Stimmt, Alice In Chains habe ich - warum auch immer - gar nicht als erste im Kopf gehabt. Natürlich müssen auch die aufgezählt werden, und damit ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Die mehrstimmigen Gesänge bei Kiss und den Beatles sind ohne Frage ebenfalls toll.
Mir ging es neben den genannten Studiobeispielen vor allem um die Livesituation, denn auf CD ist es ja meistens so, dass der Leadsänger mal eben jedes Flüstern und jede Harmonie mit einsingt, was er eben live nicht kann zwecks drei fehlender Stimmbänder :-) Deswegen finde ich die Backings gerade live so wichtig.
 
22. Juli 2010
Stimmen: +0

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