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Metal ist nicht cool

Beitrag bewerten: 13 Votes | Ø 3.23

Mein Senf

Geschrieben von: Thorsten   
Mittwoch, den 25. November 2009 um 21:40 Uhr
Es tut mir ja leid, Freunde, aber machen wir uns nichts vor, Metal ist nicht cool und war es auch eigentlich nie. Mancher wird jetzt einwerfen wollen, dass Metal auch nie cool sein wollte. Stimmt, so weit es cool im Sinne von in Mode und gesellschaftlich Akzeptiert betrifft. Aber genau darum geht es nicht bzw. vielleicht ist sogar hier der Ursprung des Problems zu suchen.

Vielleicht sollte ich am Ursprung der Überlegung anfangen. Am vergangenen Samstag trafen sich Ex-BurnYourEars Schreiber Thomas (unter anderem vor den Löwenanteil der tollen Galerie zum diesjährigen Sweden Rock Festivalbericht verantwortlich) in einer Metal Kneipe in Freiburg, wo er mir ein verspätetes Geburtstagsgeschenk mitbrachte: Die aktuelle DVD von JOE BONAMASSA...also feinsten Blues Rock.
Irgendwann enterte dann eine Gruppe Schwarzkittel die Bar. Nein, ich meine keine Wildschweine, auch wenn das Benehmen zeitweise nur geringfügig besser war. Ich hab ja nichts dagegen, das eine oder andere Klischee zu erfüllen, aber einen so verzweifelten Versuch, böse zu wirken, habe ich selten erlebt. Nachdem er uns auf die DVD angesprochen hatte, kam einer der Typen (übrigens kein fünfzehnjähriger Pubertierender, wie man vielleicht denken könnte) irgendwie auf das Thema Horrorfilme und versuchte uns zu vermitteln, dass er da so ziemlich die härteste Sau auf dem Planeten wäre, sich Sachen anschauen würde, die andere gar nicht ertragen könnten...nur das satanische Lachen müsste er bei Gelegenheit noch mal üben.
Zehn Minuten in diesem Gespräch später, das nur durch gelegentliches genervtes Grunzen nicht zu einem Monolog wurde, während Thomas und ich uns wortlos mit einem Blick auf die Uhr einigten, dass es langsam Zeit für einen Ortwechsel wäre, waren wir, oh Wunder, bei Nietzsche und der Ablehnung des christlichen Werte angelangt. Wie Individuell, welcher Möchtegern-Misanthrop könnte darauf verzichten Nietzsche zu zitieren?

Auch wenn man mal davon absieht, dass der Versuch den Harten und Bösen zu mimen schon etwas albern aussieht, wenn man einen Kopf kleiner und je 40 Kilo leichter als sein Gegenüber ist, da hilft auch der tätowierte Baphomet nicht mehr: In dieser Szene zeigt sich aber das Dilemma, dass der Metal verfolgt, seit er sich als Metal definiert hat. Er will unpassend sein. Er will böse sein. Er will anecken. Um jeden preis, krampfhaft.
Rock N'Roll war cool. Eine junge Generation brach mit den Konventionen, aber nicht um mit ihnen zu brechen, sondern weil sie sich endlich so verhalten wollten, wie es ihnen gefiel. Nicht selten dürften Musiker, Fans, Tänzer und auch die sich gerade wirklich konstituierende Industrie reichlich überrascht gewesen sein, an was die Sittenwächter so alles Anstoß nahmen.
Selbst das Hippie-Ding war irgendwie cool, so lange die Jugendlichen einfach nur psychedelische Musik hörten und sich mit allen möglichen Substanzen aus der Realität schossen und mit allem vögelten, was nicht bei Drei auf den Bäumen war, weil sie einfach Bock darauf hatten. Als dann tausende Jugendliche auf diese Weise den Generationenkonflikt austrugen, Sich tagsüber im Bunderwehrparka als Gammler gerierten, um Abends wieder in sichere heimische Federbett zu schlüpfen, da litt die Lässigkeit schon etwas.

Dabei hatte Metal durchaus mal eine Chance cool zu sein. Die Metal-Urväter wie BLACK SABBATH, IRON BUTTERFLY oder auch LED ZEPPELIN entsprangen eigentlich mehr der Hippie-Bewegung, und auch wenn ihre Musik sich verstärkt mit den weniger schönen Seiten des Lebens beschäftigte, verherrlichten sie diese Seite nicht. Auch die Bands der NWoBHM waren durch die Bank eigentlich ganz nette Kerle, die halt Bock hatten zu rocken.
Davon ist heute nur wenig geblieben, zumindest, wenn man danach geht, was nach Außen kommuniziert wird. Kaum eine Band, die sich nicht darum bemüht, auf ihren Bandfotos so grimmig wie möglich in die Kamera zu schauen. So entsteht bei mancher ach so satanistischen Bands schon mal der Eindruck, die Musiker hätten eher mit einer teuflischen Verstopfung zu kämpfen.
Wenn man sich bei anderen Vertretern wie etwa dagegen den antikosmischen Durchfall zu Gemüte führt, mit dem ein mystisches Image aufgebaut werden soll, kann man sich eigentlich nur noch mitleidig abwenden. Und Viele kennen das Interview mit Gaahl, wo er auf eine Frage nach gefühlten fünf Minuten Bedenkzeit antwortet „Satan"...was bleibt einem da noch, außer einem Schulterzucken und der Erkenntnis, dass man da gerade einer ziemlich armen Wurst dabei zusieht, wie sie sich lächerlich macht.

Doch das Problem endet nicht bei den Bands, und damit wäre ich wieder bei meiner Geschichte vom Anfang. Denn nicht nur viele Musiker versuchen verzweifelt auf hart oder böse zu machen, die Fans machen mit. Das fängt beim Dresscode an, dem sich, wie in jeder Szene, tausende von Menschen unterwerfen, um ihre Individualität zu betonen und geht gerade bei selbst ernannten Metallern oft mit einer Scheuklappenhaltung einher, denn alles, was nicht „metal" ist, kann nichts sein und entsprechend niedergemacht wird. Wer das nicht so sieht, ist zumindest nicht „true". (Einen ähnlichen Vorwurf beantwortete der Rapper SAMMY DELÜXE mal mit den wunderbar ironischen Zeilen: „...Ich hab gehört, dass ich nicht real gekeept hab. Ich hab gehört, mit dem Untergrund hätte ich's mir verscherzt. Jetzt mal ganz unter uns Jungs, es bricht mir das Herz.")

Nein, Metal ist nicht cool. Da bedeutet nicht, dass nicht einzelne, die sich als Metaller betrachten, cool sein können, weil sie einfach ihr Ding machen, sich nicht darum kümmern, was andere denken, aber jedem anderen genauso sein Ding gönnen. Auch einige Bands aus dem metallischen Universum sind cool, teilweise vielleicht auch nur einzelne Musiker. Die Szene an sich aber ist es schon deshalb nicht, weil sie in dem was sie sein will auf die Reaktion, in diesem Fall Ablehnung, Ekel, Schock, der Anderen angewiesen ist und diesem Effekt seit Jahrzehnten mal mehr, mal weniger erfolgreich hinterherläuft, aber mittlerweile immer öfter resigniert feststellen muss, dass man heute eigentlich niemanden mehr wirklich schocken kann.

Metal ist nicht cool und ich persönlich habe mich irgendwann um mein zwanzigstes Lebensjahr entschieden, nicht mehr „Metal" sein zu wollen. Ich bin lieber Rock N'Roll, denn Rock N'Roll bedeutet, sein Ding zu machen, egal was die anderen davon halten, nicht das zu tun, was die anderen Ablehnen.
So trage ich auch weiter meine Cord-Schlaghosen, auch wenn einem befreundeten Redakteur eines anderen Magazins schon bei dem Gedanken das Grauen kommt. So brauche ich keine Nietenarmbänder und Patronengurte mehr (auch wenn letzteres mal ein cooles Accessoire zu meiner Melone mit der Rabenfeder in dem Hundehalsband, das ich Hutband benutzt habe, war). So habe ich Spaß an Dutzenden von Bands aus verschiedenen Jahrzehnten, aus verschiedenen Genres, viele davon vollkommen unmetallisch, nicht einmal im Ansatz hart.

Ob ich damit nicht auch wieder Klischees beschwöre? Möglich...ist mir aber egal, weil das mein Ding ist und das ist Rock N'Roll...das ist cool. Und jetzt legt irgendein Album, nach dem euch gerade ist, in den Player und dreht die Regler auf Elf...oder lasst es halt, wenn das gerade nicht so euer Ding ist.

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Kommentare (8)add comment

Metal:

15. Januar 2010
Stimmen: +1

Thorsten:

Thorsten
...
Beeindruckend eloquenter Kommentar. Das zwingt meine Argumentation in die Knie smilies/cheesy.gif
 
15. Januar 2010
Stimmen: +0

Metal:

0
...
Tja, das hatte ich damit auch beabsichtigt. Metal ist eben Geschmackssache, und auch, wenn es dir nicht cool erscheint, für echte Metalheads ist es das mit Sicherheit. Die Coolheit einer ganzen Szene an einzelnen Personen festzumachen erscheint mir ziemlich sinnlos. Und wer sich mit 20 entscheidet, nicht mehr Metal sein zu wollen, der WAR auch nie richtig Metal. Metal ist eine Lebensteinstellung, die man nicht einfach ändert. Anders als bei anderen Subkulturen bleiben echte Metalfans ihrer Szene treu, und das oft ihr Leben lang.
 
16. Januar 2010
Stimmen: +0

Thorsten:

Thorsten
...
Dann zäumen die das Pferd doch mal von der anderen Seite auf: Was ist denn für dich Metal? Das wäre dann ja jetzt die Möglichkeit mit zu zeigen, daß ich falsch liege.
Denn auch wenn eine Person der Anlass für die Überlegung war, sind mir in den letzten Jahren viele Exemplare dieser Sorte über den Weg gelaufen, die einfach nur krampfhaft versucht haben, etwas darzustellen und genau da liegt ja die Kritik.

In einem Punkt hast du allerdings Recht. Vermutlich war ich im strengen Sinn nie wirklich Metal, auch wenn ich mich einige Jahre so gesehen habe. Ich war schon immer etwas zu bunt und zu schillernd...also war, bin und bleibe ich wohl Rocker smilies/cool.gif
 
16. Januar 2010
Stimmen: +0

Metal:

0
...
Als Metal wird einerseits die Musik und andererseits die Szene bezeichnet. Über die Musik lässt sich sicherlich streiten, mir gefällt sie, ich finde sie cool. Derart komplexe Songs hört man im Radio eher selten. Kommen wir nun zu den Leuten: Natürlich versuchen einige mit allen Mitteln "böse" zu wirken, sei es durch schwarze Kleidung, Nietenschmuck oder Patronengurte. Du musst aber bedenken, dass solche Subjekte auch oft nur Poser sind, die sich nie richtig in die Szene integrieren werden, sondern sich nur so kleiden, um aufzufallen. Wem etwas an der Musik liegt, der kann auch mit kurzen Haaren und in Cord-Schlaghosen Metal sein. Es ist nur eben innerhalb der Szene Gang und Gebe, sich so zu kleiden, dass ein anderer Szeneangehöriger erkennt: "Aha, der hört auch Metal." Einige übertreiben es nur eben etwas... Inwiefern man dieses Spielchen mitspielt, bleibt jedem selbst überlassen. Ich zum Beispiel trage gerne schwarze Band-T-Shirts und lange Haare. Das mache ich nicht, um aufzufallen, sondern weil mir etwas an der Szene liegt und ich es irgendwie verlogen fände, nur zu Festivals und Konzerten schwarz zu tragen und mir dann eine Langhaarperrücke aufzusetzen. Einmal Metal, immer Metal. Für mich ist es eine Lebenseinstellung. Und sowas finde ich durchaus cool.
 
17. Januar 2010
Stimmen: +0

Thorsten:

Thorsten
...
Damit wären wir doch schon wieder einen guten Schritt von einfach nur "Trottel" entfernt, oder? smilies/wink.gif

OK, also haben wir die Musik...die höre ich auch, zumindest einige Subgenres, die Anderen haben mir aber auch noch nie zugesagt. Aber daneben höre ich Hard Rock, Rock, Rock N'Roll, Blues, Folk, in letzter Zeit öfter alten Soul, verschiedene Unter-Genres von Jazz und Prog Rock (und vermutlich habe ich einiges vergessen). Bin ich dann immer nich Metaller? Und wenn ja, was noch alles?
Zur Szene gehöre ich ja eigentlich schon in dem Moment, in dem ich hier schreibe...ob ich nun Platten bespreche, Interviews führe, von Konzerten berichte oder mir einfach Gedanken zur Szene mache und sie an dieser Stelle aufschreibe.
Äußerlich sollte es eigentlich auch passen. Lange Haare habe ich auch, trage eigentlich jeden Tag irghendwelche Bandshirts und besitze sogar eine in langjähriger Handarbeit zusammengestellte Kutte (auch wenn darauf mehr Hard Rock Bands Platz gefunden haben, als Metalcombos), die ich aber nur noch zu Festivals aus dem Ruhestand hole.

Also hätten wir an sich schon drei Punkte erfüllt und trotzdem kann ich mich mit dem Image, das die Szene über weite Teile von sich vermitteln, und mit den Inhalten, die große Teile der Bands vermitteln, überhaupt nicht identifizieren.
Jetzt wären wir wieder bei der Frage der Werte, die zu dieser Lebenseinstellung Metal wiederfinden sollen und wo sich diese Werte in der Szene und ihren Medien widerfinden.

In einem Punkt hast du aber sicher Recht: Es sind sicher überwiegend die Jüngeren, die dazu neigen, über die Stränge zu schlagen. Das liegt vermutlich daran, daß sie glauben, etwas beweisen zu müssen.
Bei älteren Szeneanhängern gibt es eigentlich nur drei Möglichkeiten. Die einen (vermutlich die Mehrheit) passt sich (mindestens äußerlich) an und hört eventuelle die Musik weiter. Eine andere Gruppe versucht weiter so zu tun, als wäre sie zwischen 15 und 25 und wirkt dabei meistens recht albern. Und die (vielleicht kleinste?) Gruppe merkt irgendwann, daß man nicht 365 Tage Karnevall braucht, sich aber aber nicht anpassen muss und zieht die Sache mit Würde durch...die sind mit Sicherheit cool.

Und das will ich dir auch nicht absprechen, ich kenne dich ja auch nicht. Möglich, daß du in dir ruhst und wirklich dein Ding durchziehst. Aber bei großen Teilen der Szene, und das ja nicht nur bei den Fans, sondern mindestens genau so, wenn nicht mehr, bei den Bands, wird angestrengt versucht etwas darzustellen.
 
21. Januar 2010
Stimmen: +0

Metal:

0
...
Sich auf einige Subgenres zu beschränken ist auch vollkommen in Ordnung, das macht wohl jeder so. Und neben Metal auch noch andere Musik zu hören ist sicher auch keine schlechte Einstellung (sollte ich vielleicht auch mal machen). Verlogen wäre es höchstens zu sagen "Ich höre alle Arten von Musik". Das umfasst nämlich auch Metal-feindliche Subkulturen mit anderen Wertvorstellungen und angepasste Pop-Musik aus dem Radio. Für mich klang dieser Beitrag so, als hättest du dich vollkommen von der Metal-Szene abgewendet. Im Vordergrund steht mit Sicherheit der Spaß an der Musik. Man muss keine Nihilistischen Weltvorstellungen teilen, um Metal zu sein. Man darf sich nur nicht anpassen, sondern sollte das machen, was einem gefällt.
Und mit den Inhalten der Band identifizierst du dich ja gewissermaßen schon, in dem du ihre Musik hörst.

Den Bands kann ich es nicht verübeln, dass sie etwas darstellen möchten und sich folglich im Metal-Stil kleiden. Denn sie leben schließlich von dieser Musik und sind den Fans vielleicht auch eine Art Vorbild. Wer möchte denn schon in Regenbogenfarben gekleidete Musiker auf der Bühne sehen? Das passt einfach nicht. Metal-Musiker müssen true sein. Der Musiker passen sich folglich einfach der Szene an und tut genau das, was von ihm erwartet wird. Ein bisschen Show ist bei sowas immer dabei. Und die Fans eifern ihren Vorbildern nach. Ein Teufelskreis smilies/cheesy.gif

P.S.: Das mit dem Trottel tut mir Leid smilies/wink.gif
 
22. Januar 2010
Stimmen: +0

Thorsten:

Thorsten
...
Ich finde zumindest schon mal besser, keine Musikrichtung kategorisch abzulehnen. Natürlich treffe ich immer aufgrund meines Geschmacks eine Auswahl und kann zu dem Schluss kommen, daß mir Band A nicht gefällt, Band B aber schon (eventuell auch nur Album C und Lied D von Band B). Vielleicht sind auch ganze Genres subjektiv nichts für mich, deshalb müssen sie ja aber objektiv nicht schlecht sein.
Ich kenne zum Beispiel erstaunlich viele Metal-Hörer, die sich auch für ABBA begeistern können. Bis auf sehr wenige Songs gibt mir deren Musik nichts, aber als Mensch mit einer relativ soliden musikalischen Ausbildung muss ich zugeben, daß ihre Stücke durch die Bank intelligent arrangiert und technisch ansprechend produziert, gespielt und gesungen wurden. Ich zum Beispiel mag viele Stücke der Bee Gees (abgesehen von der eigentlich nur recht kurzen Disco-Phase) und habe allgemein eine Schwäche für guten mehrstimmigen Gesang, aber das ist nichts anderes als intelligent arrangierter Radio-Pop, mit meistens recht hochwertigen Texten.

Was sind denn zum Beispiel metalfeindliche Subkulturen? Hip Hop? Also ich kenne relativ viele (traditionelle) Hip Hopper und hatte da, auch in voller Montur, noch nie Probleme. Überhaupt war de deutsche Mainstream-Hip Hop bis vor wenigen Jahren ja noch eine Angelegenheit von Abiturienten und Studenten, so weit es die Bands betraf. Und auch da: Ich konnte zwar musikalisch zu weiter Teilen nichts damit anfangen, aber der Umgang mit Sprache und Texten war über weite Strecken ziemlich intelligent (das gilt für die meisten frühen Rapper in den USA übrigens auch), davon könnte sich manche Rock- oder Metalband ein paar Scheiben abschneiden.

Ich hab allerdings auch ein Bißchen gebraucht, um zu diese Einstellung zu kommen. Angefangen hat es so mit 18 Jahren, als sich meine Interesse von den Standard-Metalbands wieder mehr zum Hard Rock verschoben hat und um Lauf der Jahre immer mehr nicht szenerelevante Musik dazu gekommen ist, die mir mit Scheuklappen einfach entgangen wäre.
Geholfen haben sicher auch die Jahre, in denen ich im Sicherheitsdienst viele Konzerte unterschiedlichster Genres erlebt habe und mit der Zeit einen recht guten objektiven Blick für eine gute Leistung bekommen habe, auch wenn mir die Musik oft nicht gefallen hat.

In einem Punkt gebe ich dir auf jeden Fall Recht: Wenn ich eine Band höre, indentifiziere ich mich auch mit ihren Inhalten. Das finde ich vor allem deshalb wichtig, weil es für mich da keine Trennung geben kann, die viele Hörer inhaltlich fragwürdiger Bands für sich in Anspruch nehmen.
Die Bands aus dem Metal-Sektor, die ich wirklich höre, gehören dann aber auch eher zur NWoBHM oder anderen Genres, die vielleicht irgendwo ein Image, aber keine Ideologie mit sich bringen und bei denen die Musik im Vordergrund steht.
Gleichzeitig verweigere ich aber Bands, bei denen mich der Hintergrund abstößt. Ein Beispiel wären die im Moment extrem gehypten The Devil's Blood, die ich dermaßen unsympathisch finde, daß ich mich weigere, auch nur einen Song anzuhören, obwohl mir die Musik vermutlich sogar gefallen könnte. Aber das wäre schon wieder ein Thema für einen neuen Blogeintrag.

Zu den Bands: Das erste Problem ist doch, daß die meisten etwa darstellen, was sie in Wirklichkeit nicht sind. Wenn du zum Beispiel das Stichwort "True" lieferst: Die wenigsten dieser Musiker sind tatsächlich axtschwingende Krieger, oder? Bei vielen fragt man sich sogar eher nicht "Wo will der Typ mit dem Schwert hin?" sondern "Wo will das Schwert mit dem Typen hin?". Wo ist das also besser oder ehrlicher als, um ein Lieblingsfeindbild auszugraben, der Hip Hopper, der Tagsüber brav in der Schule sitzt und danach in das Reihenhaus seiner Eltern geht, aber am Wochenende den Gangster aus dem Ghetto miemt?
Abgesehen davon bin ich ziemlich überzeugt, daß so mancher der truesten der Truen sich zuhause über die Fans totlacht, die ihm für den Mummenschanz reichlich Geld in den Rachen werfen (ich hab da vor allem auch einen Szenevorreiter im Blick, der gerade seine Preise dezent erhöht hat).
Dabei habe ich auch gar nichts gegen Bühnencharaktere, so lange klar ist, daß man das nicht ernst meint und es nur zur Aufführung gehört.

Zu bunter Bühnenkleidung: Als Fan vieler Bands aus den 70ern und die Hippie-Ära, könnte ich damit leben smilies/wink.gif Die Glam- Hair- und Sleaze-Szene in den 80ern war ja auch noch ziemlich farbenfroh (schau dir zum Beispiel mal richtig alte Slayer-Fotos an smilies/cheesy.gif)

Und: Ist schon verziehen. Die Kommentare sind beim Umzug vor einem Jahr verloren gegangen, aber ich wurde nach Verrissen schon sehr viel Unfreundlicheres genannt smilies/wink.gif
 
22. Januar 2010
Stimmen: +0

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