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Artikel - CD Review Archiv In Flames – Sounds Of A Playground Fading

In Flames – Sounds Of A Playground Fading

Beitrag bewerten: 17 Votes | Ø 4.88

CD Review

Geschrieben von: Jana   
Mittwoch, den 15. Juni 2011 um 21:04 Uhr
IF_Cover

Stil(Spielzeit): Melodic-Death-Metal (53:44)
Label/Vertrieb (V.Ö.): Century Media/EMI (17.06.11)
Bewertung: 9/10
Link: http://www.inflames.com/

IN FLAMES – die Pioniere des melodischen Schweden Death Metals (oder Gothenburg Metals) - melden sich nach drei viel zu langen Jahren endlich mit ihrem neuesten Streich "Sound Of A Playground Fading" zurück.

Wie der Titel bereits vermuten lässt, beginnt für die Jungs aus Göteborg mit dem neuen Album auch ein neuer Abschnitt in ihrer Karriere, denn neben Sänger Anders Fridéns neuer Frise haben die Schweden mit Century Media auch ein neues Label im Rücken. Die gravierendste Veränderung allerdings – und sicherlich ein Riesenschock für alle IN FLAMES Fans – war der alkoholsuchtsbedingte Ausstieg von Gründungsmitglied und Hauptsongwriter Jesper Strömblad im Februar 2010, der 2011 von "On And Off" Mitglied Niclas Engelin (ENGEL, PASSENGER) ersetzt wurde.
Die ehrenvolle Aufgabe des Hauptsongwriters übernahm folglich Gitarrist Björn Gelotte, der sich mit dieser ihm auferlegten Bürde laut eigener Aussage anfangs eher schwer tat, zumal viele Parts für die Lyrics angepasst werden mussten. Außerdem haben IN FLAMES in der Vergangenheit noch nie so viel Zeit zwischen zwei Alben verstreichen lassen, was ebenfalls zeigt, dass sie die Veränderungen nicht einfach so weggesteckt haben. Das Ergebnis kann sich allerdings mehr als sehen lassen, auch wenn "Sounds Of A Playground Fading" die Stimmen wehmütiger Fans der "Lunar Strain", "Jester Race" und "Whoracle" Ära nicht verstummen lassen wird.

Ein Statement setzen IN FLAMES gleich mit dem Opener der neuen Scheibe, der zugleich den Titeltrack darstellt. Sobald die leicht melancholische Gitarrenmelodie zu Beginn erklingt, ist klar, dass man es hier mit IN FLAMES zu tun hat. Die von stampfenden Drumbeats begleitete Strophe leitet zum weitschweifenden, catchy Refrain über, der sich auf Anhieb schmeichelnd in die Gehörgänge gräbt und mir mein unter Entzugserscheinungen leidendes Herz erwärmt, auch wenn er nicht besonders innovativ ist. Ich bin jedenfalls erstmal erleichtert, dass den Schweden ihr Wiedererkennungswert nicht flöten gegangen ist.
Die erste Single Deliver Us, eine ziemliche Synthie-Pop Nummer, sollte den meisten bereits bekannt sein. Auch bei dieser Nummer setzen IN FLAMES auf alt Bewährtes: so gibt es im dazugehörigen Video viel Feuerwerk und neben der beatbetonten Strophe eine sehnsüchtigen Ohrwurmrefrain, der eindeutig danach verlangt, ihn bei den Konzerten lauthals mit zuschreien.

Experimenteller wird es dann bei meinem Lieblingssong All For Me – besonders was die Vocals von Anders betrifft. Nach einem erneut ruhigen Gitarrenpart zu Beginn folgt urplötzlich ein gewaltiger atmosphärischer Drumeinstieg, der einen sofort von den Socken haut. Der Song ist insgesamt sehr dynamisch – unter anderem durch verschiedene Rhythmuswechsel, aber vor allem durch die von Anders absolut authentisch und gefühlvoll gesungenen unterschiedlichen Gesangsparts. Am herrlichsten ist die heiser gesungene Bridge während des Gitarrensolos – so hat man den Sänger selten gehört.
The Puzzle ist einer der temporeichsten, thrashigeren Songs auf dem neuen Album und zur Abwechslung mal mit einem eher gekreischten als clean gesungenen Refrain ausgestattet. Fear Is The Weakness ist absolut mitreißend und für mich heißer Anwärter auf die nächste Singleauskopplung. Außerdem hat der Refrain etwas Oldschooliges aus "Colony"-Zeiten. Etwas elektronischer gehen die Schweden dann wieder bei Where The Dead Ships Dwell zu Werke. Allerdings setzen IN FLAMES die Synthie-Einlagen wirklich nur dezent und immer absolut passend ein. WTDSD ist ein absoluter Grower, hat aber definitiv das gewisse Etwas und kommt live richtig gut. Das gesprochene und nur von Gitarre und einigen Hintergrundgeräuschen wie einem Herzschlag begleitete The Attic hat mich sofort an TOM WAITS What's He Building In There? erinnert. Es hat textlich gesehen ähnlich schizophrene und paranoide Züge und ist ein absolut gelungenes Interlude mit einem tollem Gitarrenlick.

Darker Times macht seinem Namen alle Ehre – ist also einer der düsteren und härteren Songs, bei welchen trotzdem ein toller hymnenartiger Refrain nicht fehlt. Ropes und Enter Tragedy gehören wieder zu meinen absoluten Highlights auf "SOAPF", besonders das in der Strophe sehr thrashige Enter Tragedy hat einen unvergesslichen Weltklasse-Refrain, auf den ich mich jetzt schon bei den im Herbst anstehenden Konzerten freue. Jester's Door ist wieder eine Art Interlude mit einigen elektronischen Spielereien und Hintergrundgeräuschen wie Husten, aber das Prägnanteste sind die gesprochenen Lyrics mit dem unvergesslichen Satz "I Went From Wreckage To Worldclass - With A Box Of T-Shirts And Some Records To Sell". Das unkonventionelle und oftmals orchestral begleitete A New Dawn sollte mit seinen tollen Riffs sogar einige der alten Fans aus der Reserve locken. Das Schlusslicht bildet eine Hammerballade namens Liberation mit einem Stadionrefrain, den BON JOVI nicht hätten besser schreiben können. Sicherlich absolut IN FLAMES untypisch und sogar radiotauglich, aber besonders durch Anders' Reibeisenstimme trotzdem cool und nicht zu cheesy. Ob dieser letzte Song, der übersetzt sinngemäß sowas wie "Befreiungsschlag" bedeutet, wegweisend für zukünftige Releases ist, wage ich allerdings zu bezweifeln, um die harten Jungs unter Euch mal wieder ein wenig zu beruhigen.

Für mich haben IN FLAMES mit "Sounds Of A Playground Fading" ein absolutes Hammeralbum abgeliefert, ich kann dem Teil einfach nur 9 von 10 Punkten geben. Natürlich erfolgt auch weiterhin vieles bei den Schweden (und besonders strukturell) nach Schema F, aber nur wenige Bands schaffen es, so mitreißende Songs mit wunderbar atmosphärischen und weitschweifenden Refrains zu schreiben, die dann auch noch nach dem x-ten Hördurchlauf nicht an Wirkung verlieren, sondern weiterhin wachsen. Björn Gelotte hat ganze Arbeit geleistet und Sänger Anders Fridén ist stimmlich noch mehr gereift.
Zum Schluss muss ich auch unbedingt noch das wunderschöne Artwork von Dave Correira und die astreine Produktion von Roberto Laghi loben. Ich freu mich jetzt schon auf das nächste IN FLAMES Konzert mit hoffentlich noch mehr Songs aus dem neuen Album.
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Kommentare (5)add comment

Chrischi:

Chrischi
...
Klingt ja wirklich interessant. Ob ich mir die Scheibe mal anhören sollte? Von der letzten CD war ich alles andere als begeistert, auch "Come Clarity" fand ich nur halbwegs gut. Das letzte großartige In Flames-ALbum war meiner Meinung nach "Soundtrack To Your Escpae", aber vielleicht sollte ich der neuen eine Chance geben.
 
16. Juni 2011
Stimmen: +0

Jana:

Jana
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Also ich kann das Album wirklich nur empfehlen! Es ist wirklich abwechslungsreich, obwohl es teilweise tatsächlich schon fast poppig klingt und Anders hauptsächlich cleane Vocals einsetzt ;)
 
17. Juni 2011
Stimmen: +0

Chrischi:

Chrischi
...
Dann traue ich mich doch mal ran ;-)
 
17. Juni 2011
Stimmen: +0

Tim:

0
Vogelkäfig?
Ich bin (war?) grosser In Flames Fan. Freute mich sehr auf das neue Album das mich kurz in den Bann zog. Schöne Melodien prima Rythmus. Aber bitte was ist das?! Was mich schon bein Vorgänger störte ist der Sound. Viel zu dunkel, alle Instrumente in die Mitte geklatscht. Und dann beim Gesang, war ein Vogelkäfig im Studio? Wenn Anders singt pfeift es diesmal unerträglich beim abrollen bestimmter Wörter. Keinem aufgefallen? Vielleicht hab ich zu empfindliche Ohren, aber bei dem heutigen Standarts doch bitte ein anständiger Sound. Somit legte ich nach dreimaligen hören die Scheibe schon beiseite, auch weil sie etwas zu poppig ist. Schade!!! Tip: Bessere Mucke, besserer (knalliger) Sound: Evergrey mit Glorious Collision!!!!!!!
 
23. Juni 2011
Stimmen: +0

Jesper:

0
...
vielleicht brauchst du mal neue Lautsprecher, der Sound ist perfekt!
 
23. Juni 2011
Stimmen: +0

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