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Artikel - CD Review Archiv The Devil's Blood - The Time Of No Time Evermore

The Devil's Blood - The Time Of No Time Evermore

Beitrag bewerten: 12 Votes | Ø 4.83

CD Review

Geschrieben von: dirk-bengt   
Mittwoch, den 02. September 2009 um 18:23 Uhr


Stil (Spielzeit):
(okkulter, psychedelischer) Hardrock (54:29)
Label/Vertrieb (VÖ): Ván Rec. / Soulfood (11.09.09)
Bewertung: 8,5 / 10

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THE DEVIL'S BLOOD sorgen untergründig schon eine Weile für Furore. Wohin man auch blickt, nur sehr gute bis völlig euphorische Reviews. Und Liveberichte sind noch euphorischer. Und sich der Bühnenpräsenz, d.h. den blutigen Ritualen zu entziehen, ist tatsächlich nur schwer möglich.

THE DEVIL'S BLOOD, das sind vor allem Farida „the mouth" Lemouchi und ihr Bruder Selim, „okkulter" Kopf von TDB, bekennender Satanist und teuflisch guter Gitarrist. Dass auch im 21. Jahrhundert musikalisch interpretierter Satanismus nicht notwendig „Black Metal" bedeuten muss, dafür sind TDB ein rares Beispiel, auch wenn der Bandname an eine Nummer von WATAIN erinnert. Apropos, man ist mit den Schweden gut befreundet und Erik Danielsson hat auch den Text zu dem relaxten „The Yonder Beckons" beigesteuert. Und auch mit Doom Metal hat TDB wenig am Hut, auch wenn man oft mit PENTAGRAM & Co. die Bretter teilt.)

THE DEVIL'S BLOOD machen im Prinzip „nur" Hardrock. Der aber wird auf die ganz alte Weise zelebriert. Dabei reichen die Einflüsse von der NWoBHM bis weit zurück an die Dekadenwende 60er/70er. Es gilt wohl die Regel: je älter die Band, desto stärker präsent. Led Sabbath, Deep Heep etc., vor allem aber deren Vorstufe: BLACK WIDOW, COVEN und THE 13th FLOOR ELEVATOR (/ Roky Erickson) sind die 60er / 70er Haupteinflüsse. Dabei gelingt es TDB, obwohl sie sich ausschließlich traditioneller Elemente zu bedienen, frisch und aus heutiger Sicht absolut ungewohnt zu klingen.

„The Time of no Time Evermore" ist nach der abgefeierten 7" (The Graveyard Shuffle, `07) und der 5-Track EP „Come, Reap" (Nov. `08) wohl genau das Debüt, was die Jünger von den den Holländern so sehnlichst erwartet haben. Es startet mit dem zweiteiligen Titeltrack. „The Time of no Time" ist eine kurze instrumentale Visitenkarte, die all den Flitzefingern gleich mal zeigt, worauf es wirklich ankommt: auf Seele. S.L.'s Gitarrenspiel ist in diesem Punkt ganz weit vorn. Pt. 2, „Evermore" könnte als Musterbeispiel für ungefähr die Hälfte der Songs durchgehen: Mid-Tempo Hard-Rock, melodisch, groovy, an der Basis nicht sonderlich glamourös, aber mit sehr viel Charme und Atmosphäre.

Neben Selim's Spiel ist das vor allem Farida zuzuschreiben: ihre Stimme, mit viel Volumen, einem (nicht zu) dunklen Timbre und kraftvollem Vibrato ausgestattet, erklimmt so manche Höhe und kriegt es hin, dem Ganzen oftmals eine Feierlichkeit zu verleihen, die beinahe an Gospel erinnert.
Das zahlt sich je mehr aus, je stärker die Nummern in die okkulte / psychedelische Richtung zielen: Überhaupt sind Tracks wie „House of Ten Thousand Voices" (mit der Ausstrahlung einer Voodoo-Messe), „Feeding the Fire with Tears and Blood" oder das mit einem LIZZY-Gedächtnis-Lead eröffnende „Anti-Kosmik-Magick" sinnlichstes Kopfkino. Dunkel, diabolisch und verdammt erotisch. --- Wobei für mich subjektiv das Schönste ist und bleibt: die gnadenlos guten Leads & Soli von Selim, die mit extrem viel Gefühl gespielt sind, und sich mir als Vergleich nur die ganz großen Namen aufdrängen.

Natürlich, es gibt THE SWORD, es gibt THE LAMP OF THOTH oder jede Menge geilen okkulten Doom. Natürlich, originaler sind die Originale der 60er. Aber wer kennt die heute noch?
Wer musikalischen Okkultismus in seiner ursprünglichsten Form, aber in modernem Soundgewand genießen will, kommt an den Holländern nicht vorbei...
Irgendwie riecht das alles nicht nur nach Körpersäften, stimulierenden Substanzen und dem schwefligen Atem des Teufels, sondern, (dank allgemeinen Presserummels) auch nach „the next big thing", so, als könnten THE DEVIL'S BLOOD vielleicht sogar eine neue Welle auslösen...

Auch wenn ich persönlich mich mit einigen Nummern schwer tue und eine rein subjektive Note mindestens 1, 5 Punkte drunter läge, es ist einfach festzustellen, dass THE DEVIL`S BLOOD wirklich Klasse haben, und ihr Debüt zum Klassiker avancieren dürfte.

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Kommentare (8)add comment

Chrischi:

Chrischi
...
Der letzte Absatz deines Reviews löst bei mir Verwirrung aus. Hat das Album deiner Meinung nach nun 8,5 oder nur 7 Punkte verdient? Oder was genau soll das mit der subjektiven Note, die 1,5 Punkte drunter läge, heißen?
 
02. September 2009
Stimmen: +0

dirk-bengt:

dirk-bengt
...
Meiner Meinung nach hat das Album 8,5 Punkte verdient, weil es echte Klasse hat. Deswegen steht das da oben. Geile Gitarren, eine spannende Sängerin und diverse tolle Songs. Vor allem aber sind THE DEVIL'S BLOOD wirklich originell, ohne den Hardrock neu zu erfinden. Meine Meinung.

Nur trauen sich meine Meinung und mein Geschmack gerne auch mal getrennte Wege zu gehen.

Die Scheibe, die hier im Moment gerade läuft, hat nicht halb so viel Charme und Klasse. Das meine ich (zu wissen). Ich finde sie (rein subjektiv)aber dennoch besser...

 
02. September 2009
Stimmen: +0

Chrischi:

Chrischi
...
Tut mir leid, ich kann dir immer noch nicht so recht folgen. Mir ist schon klar, dass es um deine Meinung geht - Reviews sind immer absolut subjektiv und spiegeln alleine die Meinung des Rezensenten wieder. Deshalb hab ich die Probleme mit deiner Formulierung im Review. Denn natürlich geht es um deine subjektive Bewertung, trotzdem verstehe ich nicht, unter welchen Umständen das Album jetzt 1,5 Punkte weniger verdient hätte. Denn deiner Meinung nach ist es ja klasse, daher die gute Bewertung.

Oder wolltest du nur schlicht und ergreifend damit sagen, dass du das Album zwar geil findest, es aber normalerweise nicht deinem Musikgeschmack entspricht?
 
02. September 2009
Stimmen: +0

nikos:

0
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"Reviews sind immer absolut subjektiv". Nein, gerade das stimmt nicht. Ich kann ein Album persönlich nicht so mögen (z.B. weil mir der Stil einfach nicht zusagt), aber trotzdem von der objektiven Qualität überzeugt sein, weil man hört, dass die Band gekonnt umgesetzt hat, was sie sich vorgenommen hat, oder einfach, weil es gute Songwriter sind. Mir geht das bei Devils Blood auch so. Wer diese objektive Seite nicht sieht, der sollte ganz einfach keine Reviews schreiben. Ich verstehe also das Argument des Verfassers gut.
 
10. September 2009
Stimmen: +1

dirk-bengt:

dirk-bengt
...
Danke Dir nikos...
Genau das war der Gedanke; aber da ich dieselbe Diskussion schon mal bei MDB hatte, fange ich hier lieber nicht wieder mit "objektiver Qualität" von Musik an... auch wenn ich derselben Überzeugung bin wie Du.

Wichtig, meine ich, ist das Du schreibst... objektive Seite.

Natürlich gibt's daneben immer auch subjektive Aspekte, und ein Review ist sicher nie (strikt) bjektiv, sei dies nun gemeint als Anspruch auf "Allgemeingültigkeit" oder gar "Wahrheit"... aber ich meine auch, dass der subjektive Geschmack bei einem Urteil eher eine kleine Rolle spielen sollte.

 
10. September 2009
Stimmen: +0

Chrischi:

Chrischi
...
@ nikos: Ich überlese die kleine Spitze "Wer diese objektive Seite nicht sieht, der sollte ganz einfach keine Reviews schreiben" einfach mal...

Ich bin anderer Meinung, will da aber auch keine Grundsatzdiskussion vom Zaun brechen. Für mich sind Reviews immer hauptsächlich subjektiv - wenn also in diesem Fall d-b eine hohe Note vergigt, heißt das in erster Linie, dass er die Scheibe gut findet, und nicht, dass sie objektiv gut ist.
 
14. September 2009
Stimmen: +0

dirk-bengt:

dirk-bengt
...
wenn also in diesem Fall d-b eine hohe Note vergigt, heißt das in erster Linie, dass er die Scheibe gut findet, und nicht, dass sie objektiv gut ist.


Ist das jetzt Deine rein subjektive Meinung oder ein objektiver Tatbestand?smilies/grin.gif
 
14. September 2009
Stimmen: +0

chris:

chris
Ach Leute ...
Stöhn :-) ... Reviews sind grundsätzlich natürlich subjektiv, und Einteilungen in a- und b-Note halte ich ebenfalls für überflüssig und verwirrend. Dieses Fass sollte man gar nicht erst aufmachen, denn man kann Scheiben und ihre individuelle Klasse wohl kaum objektiv gegeneinander aufrechnen. Das heißt nicht, dass man nicht versuchen sollte, möglichst objektiv an jedes Review heranzugehen. Jedoch sollte man im Fazit doch die Kirche im Dorf lassen - und einfach seine eigene Meinung und die entsprechende Punktzahl abdrücken. Jedenfalls will ich in Reviews lesen, wie dem Rezensenten die Musik gefällt, und wenn der Schreiber sein Handwerk versteht, berücksichtigt er dabei auch halbwegs objektiv das Musikhandwerk. Dafür braucht's dann aber keine gesplitteten Noten.
 
15. September 2009
Stimmen: +0

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