Passende Beiträge

News:

Unsere Richterskala

wertung

Promo

User Login

Sainc - Pathogen

Beitrag bewerten: 2 Votes | Ø 5.00
Artikel -

CD-Review

Geschrieben von: Gunnar   
Dienstag, den 12. Januar 2010 um 00:37 Uhr
sainc

Stil (Spielzeit): Deathmetal (38:46)
Label/Vertrieb (VÖ): Eigenproduktion (25.10.09)
Bewertung: 7 / 10
Link(s): http://www.myspace.com/sainc

Höchstgradig merkwürdig... Also die Entstehungsgeschichte des hier besprochenen polnischen Quartetts stelle ich mir folgendermaßen vor: Als Frontmann SVierszcz (nein, ich bin nicht auf der Tastatur ausgerutscht – das ist tatsächlich der Künstlername seiner Wahl...) eines frostigen Wintertages sein neuestes MORBID ANGEL-Shirt in der Reinigung waschen ließ und aus Langeweile ein wenig vor sich hin grunzte, bemerkte dies Nachbarsjunge DOCent, welcher gerade gelernt hatte, „Smoke on the water“ fehlerfrei auf der Gitarre zu spielen. Kurzerhand überredete er ihn, mit ihm zusammen eine Band auf die Beine zu stellen. Auf dem gemeinsamen Heimweg begegneten die beiden dann Nachwuchsgitarrist CACek, welcher gerade Handzettel für seine „Initiative zur Vermeidung von Melodien und hohen Tönen in Musik“ verteilte. Zwei Sekunden später war er in der Band. Im einzigen örtlichen Proberaum begenete man dann dem Trommler ARi, der nach den Proben mit seiner KORN-Coverband zurückgelassen wurde, um noch ein wenig mehr Geschwindigkeit zu üben, was ihm jedoch ganz und gar nicht gefiel. Also beschloß er, sich den Jungs anzuschließen. Darüber hinaus zwang er gleich noch SVierszcz, sich den Bass seines Ex-Bandkollegen umzuschnallen, und zeigte ihm die grundlegenden Slaps, damit auch die neu entstandene Combo ein wenig wie seine Lieblingsband klingt. Beim anschließenden Buchstabenwürfeln kam dann die Kombination SAINC heraus und fertig war die erste Nu-Death-Doom-Formation dieser Erde.

Das mag jetzt zwar etwas negativ und wenig überzeugend klingen, doch die von mir vergebene Punktzahl hat schon so ihre Berechtigung. Denn so simpel die Mucke auch sein mag – irgendwie hat dieser höchst eigenartige Mix aus groovendem Crossover und dumpfem Deathmetal was. Die knapp einminütige Introduktion bereitet den potentiellen Hörer in sehr stimmungsvoller Weise auf neun kranke Nummern vor, welche man so vorher noch nicht gehört hat. Manch einer wird nach dem ersten Genuss dieser akustischen Ausgeburten mit Sicherheit den Standpunkt vertreten, dass dies auch seine Gründe hatte. Mich jedoch haben SAINC auf ihre ganz eigentümliche Art und Weise in ihren Bann gezogen und halten sich seitdem wacker im CD-Wechsler. Schon der erste Song, welcher das Intro aprupt durchbricht, um ein minimalistisches, abgehacktes Riff auf die Menschheit loszulassen, weiß durch eben diese schnörkellose und finster stimmungsvolle Einfachheit zu überzeugen.

Schnell wird klar: Die Polen haben ein Problem mit hohen Tönen und setzen auf langsame Geschwindigkeiten, einen scheppernden Bass und dumpfe Gitarren. Dazu gibt Frontmann SVierszcz permanent einen sehr individuellen Mix aus tiefen Grunts und fast schon melodischen, klagenden Gröhlgesängen zum Besten. Das Gegrunze erinnert sehr an Chris Barnes von SIX FEET UNDER und überhaupt lässt die langsame, simple musikalische Darbietung auf nicht zu unterschätzende Einflüsse des amerikanischen Kinder-Deathmetal-Quartetts schließen. Dazu gesellen sich dann Crossover- und Nu-Metal-Einflüsse wie das groovige Songwriting und der slappende Bass sowie doomiger Einschlag, welcher sich in der allgemeinen Tonlage und den traurigen Soli bemerkbar macht. Diese Soli tragen auch erheblich zur Einzigartigkeit der Band bei. Langsam und dumpf wimmern sie in sich ständig wiederholenden Semi-Melodien aus den Boxen und versprühen so die pure Sickness von SAINC.

Und eben diese Sickness ist es, was den Charme der vier Polen ausmacht. Wirklich groß rauskommen werden die Jungs vermutlich nicht damit. Hier wird eher die absolute Nischen-Strategie gefahren und diese Nische wird wohl immer Geschmackssache bleiben. Man sollte auf simplen Deathmetal der Marke DEBAUCHERY ebenso stehen wie auf groovende, basslastige Nu-Metal-Rhythmen à la KORN. Wer dann noch Gefallen an einer stark Doom-lastigen, depressiven Grundstimmung findet, wie sie auch von MY DYING BRIDE hätte stammen können, der sollte „Pathogen“ wirklich mal eine Chance geben...

Kommentare (3)

...
chris
Sehe ich genau so - die Scheibe macht eine Menge Spaß und sorgt für schön viel Abwechslung im Deathmetal-Karton. Aber was meinst Du mit "Kinder-Deathmetal"? smilies/cool.gif
chris , 12. Januar 2010
Najaaaaa...
Günz
Bitte nicht falsch verstehen - ich habe selber auch fast die komplette SFU-Discographie im Schrank! Aber verglichen mit ...sorry... "richtigem" Deathmetal klingen die Jungs doch irgendwie recht putzig... Von der Geschwindigkeit und allgemeinen Härte her eher was für Einsteiger, wie ich finde. Ich und etliche Bekannte haben damals alle mit SFU angefangen, Deathmetal zu hören, und waren schwer begeistert von dem "unmenschlichen Gegrunze" in Verbindung mit Groove... Da waren CORPSE uns einfach noch zu schnell. Mittlerweile sieht das halt etwas anders aus und SFU sind mir fast schon zu langsam/-weilig... smilies/wink.gif Also ich wollte die Jungs nicht verunglimpfen, sondern eigentlich nur als Einsteiger-Deathmetal definieren! Vollkommen wertfrei... smilies/smiley.gif
Günz , 12. Januar 2010
...
chris
Ich weiß, was Du meinst - ich mag die alten SFU-Alben ebenfalls sehr gerne und muss Dir schon Recht geben... Ich würde sagen, Six Feet spielen Death Metal zum prima Nebenbeihören, Fetus und Konsorten sind für manche Tagesform einfach nicht so gut geeignet, haha! In diesem Sinne: Hand me the bonesaw ...
chris , 12. Januar 2010

Kommentar schreiben

kleiner | groesser
security image
Bitte hier den Spamschutz-Code aus dem 'Security Image' eintragen:

busy

Bookmark and Share
 

CD-Reviews & Seitenübersicht

» Unsere letzten 100 CD-Reviews
» Unsere letzten 100 CD-Tipps
» Inhaltsverzeichnis bzw. Sitemap

Profile im Netz

MySpace MySpace Radio Radio I
Twitter Twitter Radio Radio II
Facebook Facebook