My Passion - Inside This Machine

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Stil (Spielzeit): Elektro-Rock/Pop/Trance-Core
Label/Vertrieb (VÖ): Spinefarm Records/ Universal (22.04.11)
Bewertung: 8/10
Link: Myspaceseite

MY PASSION beglückten den SAGE CLUB in Berlin vor einiger Zeit als Support von DEAD BY APRIL, wobei sie bei mir einen eher schreihalsigen als melodischen Eindruck hinterließen. Viele Monate später muss ich diese Meinung in Richtung Melodie korregieren. Offenbar war die Erinnerung durch verrieselte Zeit, ungünstigen Sound und das ein oder andere Bier an jenem Abend arg verzerrt.

Das Intro "Into The Machine" legt die Ohrmuscheln auf einen Negativfilmstreifen und zieht sie hinein, in die Dunkelheit der Maschinerie der freaky Briten. "Seven Birds" donnert mit Fulltimebeat und schwer elektronisch klingenden Gitarren los, zerfetzt sauber in Spur laufende Bänder mit saftigen Screams zu Bandsalat bester Sorte, bevor Zuckersynthies den Refrain begleiten und dabei völlig ohne Gitarren auskommen. Coole, weil unerwartete Komposition. "The Mess We Made Of Our Lives" klinkt sich mit DSL-breitem Groove direkt dahinter ein. Die Jungs von MY PASSION haben ja selbst gesagt, dass "[...] 2011 der Band beim Durchbrechen ihrer eigenen Grenzen im Belang des theatralischen und futuristischen Rock zu schauen kann [...]". Damit gehe ich mit: "Asleep In The Asylum" prügelt dreckige Disko-Beats aus den Boxen, nachdem klasse poppig gestaltete Strophen den Weg ins Hirn geebnet haben.

Der deutlich größer ausfallende Teil elektronischer Klangmittel sowie auch elektronisierter Instrumente und Gesangseinlagen stört durchweg nicht, da sich die Band damit offiziell kleidet. Für die Fans älterer Klänge rattern außerdem Nummern wie "The Girl Who Lost Her Smile" immernoch eisenhart durch das Zimmer. Im Überblick verzichten MY PASSION aber zusehend auf gebrochene Beats und lassen Schlagzeuger Jamie Nicholls partylastigere Grooves spielen. Auch wirkt das Songwriting und die dadurch erzeugte Stimmung auf "Inside This Machine" düsterer als zuvor, so zum Beispiel zu hören in "Shaking The Dead", "Cage"(Anspieltipp!) und "In My Fever". An der Düsterrock-Partyschraube wird dann mit "My Confession" und "Dance Of Life" kräftig weitergeschraubt, teilweise bekommt man Parallelen aus besten MARILYN MANSON-"Holy Wood"-Zeiten zu hören. Gerade "My Confession" pumpt Adrinaline in meine Adern und den Song nach ganz oben auf die Geheimtippliste.

Auch traurige Balladen haben sich auf Album Nummer Zwei eingefunden. "Come Back To Me" und "Guilty Light" bestechen hauptsächlich durch die Aussparung dicker Bässe von unten und präsentieren Laurence Renes Potential als Sänger am Besten auf der Platte. "Lily White Lies" überrascht dann noch mit tonnenschwerem Riffgeballer nach flächigem Intro, gepaart mit eletronischen Shouts und Doppelgesängen von Rene plus einem sehr melodischen Solo, ein Stilmittel, welches sonst eher fehlt auf dem Album. Das Albumschlusslicht "A Secret Never To Be Told" schließt die Maschine im Midtempo und angenehmen Melodiebögen von Rene, um kurz vor Schluss dann doch nochmal die Firewall raus zu holen, und die Ohren mit Trance-Core zu attackieren. Der Abgang ist schmackhaft!

Positiv schließe ich, dass sich MY PASSION klanglich sehr eigenständig und authentisch positionieren, ohne zu klingen wie (sehr) viele aktuelle Post-Hardcore Bands mit ihrem Elektrogeschnippsel. Wenn es eine Weiterentwicklung der angesprochenen Gerne gibt, dann finden sich meiner Meinung nach hier die Ansätze dazu. Über die Albumlänge kristallisieren sich zwar kaum Songs heraus, das Gesamtpaket funktioniert aber amtlich. MY PASSION klingen geordneter als ENTER SHIKARI, und nicht so hart wie CELLDWELLER. Wer beide Größen als Pfeiler der Orientierung benutzt, wird auf "Inside This Machine" abgehen, wie 'ne Maglite auf eine 9-Volt Blockbatterie von Duracell Pro.