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Artikel Konzertberichte Dragonforce & Turisas - Köln / Essigfabrik

Dragonforce & Turisas - Köln / Essigfabrik

Beitrag bewerten: 15 Votes | Ø 5.00

Konzertbericht

Geschrieben von: Dirk   
Samstag, den 21. Februar 2009 um 13:59 Uhr

dragonforce_live

20.02. - Wie blöd muss man eigentlich sein, um am Karnevalsfreitagabend nach Köln zu fahren? Wenn es um Karneval geht, ziemlich blöd, aber wenn ein Package mit den Finnen von TURISAS und den Briten DRAGONFORCE aufspielt und man selber mit der Pappnasengesellschaft nicht viel zu tun hat, ist das gerade noch zu vertreten.
Und ich war vor allem sehr gespannt, wie viele Fans sich in der Essigfabrik einfinden würden, denn der Gig wurde ja bekannterweise wegen der großen Nachfrage vom Underground dorthin verlegt. Und da ich DRAGONFORCE vor etwas mehr als zwei Jahren eben in diesem Underground vor etwas 200 Nasen einen genialen Gig habe spielen sehen, war die Erwartungshaltung dementsprechend groß.
Das erste Ausrufezeichen setzten dann aber nicht die beiden Bands, sondern die Fans, denn bereits eine Stunde vor Einlass hatte sich eine stattliche Schlange vor den Pforten der Essigfabrik gebildet. Eine weitere Frage, die an diesem Abend aber noch beantwortet werden sollte war, wie die Haudrauf-Mucke von den Wikingern zu dem filigranen Hochgeschwindigkeits-Metal von Herman Li und Co. passen würde.

Und als fast pünktlich um 20:05 die Hallenlichter erloschen, und das Intro für die Viking Metaller TURISAS erklang, war die Essigfabrik rappelvoll und die Stimmung bereits ausgesprochen euphorisch, und jeder der TURISAS Musiker, die alle nacheinander die Bühne betraten, wurde mit lauten Jubelstürmen Willkommen geheißen. Sänger Mathias „Warlord" Nygård begrüßte die Fans mit „We are TURISAS from Finnland and we play battle metal", womit er auch direkt den ersten Song ankündigte, denn mit einem fulminanten „Battle Metal" legten die Finnen einen Blitzstart von 0 auf 100 hin.
Der Sound war für mein Empfinden etwas zu leise, und es dauerte auch mindestens bis zu „The Messenger", bis ich die Gitarre von Jussi Wickström aus dem Sound differenziert heraushören konnte, was aber der allgemein guten Stimmung keinen Abbruch tat, denn die Band wurde mächtig abgefeiert.
Netta Skog, die hübsche Dame am Akkordeon, sorgte dabei auf der Bühne für einen optischen Ausgleich. Nicht nur, weil sie wirklich klasse aussieht, sondern vor allem, weil sie immer wieder den Blickkontakt mit dem Publikum suchte und mit einem Dauerlächeln ausgestattet mehr als deutlich machte, wie viel Spaß sie an dem Gig hatte.
Die Coverversion des BONEY M. Klassiker „Rasputin" brachte die Stimmung dann zum ersten Mal an diesem Abend nahe an die Siedegrenze, und nicht nur ich hätte wahrscheinlich nach „To Holmgard And Beyond" gerne noch ein paar Songs mehr gehört. Aber um 20:45 war leider schon wieder Schluss. TURISAS wurden mit viel Applaus und lauten „Tursisas, Turisas"-Rufen zum Duschen geschickt.

Da bei DRAGONFORCE jede Menge elektronischer Schnickschnack auf der Bühne steht, dauerte die Umbaupause endlos lang, und ich konnte mir die Zeit noch nicht einmal mit einem Becher Bier verkürzen, denn es gab nur Pils und Kölsch, was ja nicht wirklich unter die Rubrik Bier zu zählen ist.

Um 21:30h wurde es erneut dunkel in der Essigfabrik, und nacheinander kamen Keyboarder Vadim Pruzhanov, Drummer Dave Mackintosh, Bassist Frédéric Leclercq, die beiden Gitarristen Herman Li und Sam Totman und natürlich Sänger ZP Theart auf die Bühne und wurden frenetisch von den Fans begrüßt. Schön zu sehen, dass eine Band, die vor knapp zwei Jahren noch nicht mal vor 200 Fans rockte, mittlerweile eine Halle wie die Essigfabrik fast ausverkaufen und dabei die Fans über 1 ½ Stunden auf höchster Betriebstemperatur halten kann. Dass die Erfolgsgeschichte eng mit dem Konsolengame „Guitar Hero" verknüpft ist, dürfte den Jungens dabei relativ egal sein.
„Heroes Of Our Time" machte den Anfang, und die Band machte das, was sie eigentlich schon jeher auszeichnete, denn neben den technisch sehr anspruchvollen Songs zeigten DRAGONFORCE eine unglaubliche Perfomance auf der Bühne.

Jeder der Musiker (außer Drummer Dave natürlich) war permanent in Bewegung, und es gab nie so etwas wie Stillstand auf der Bühne. Ganz besonders Keyboarder Vadim Rruzhanov ging ab wie ein Duracell-Hase unter Hochspannung und zeigte eine fast schon an Hochleistungssport grenzenden Performance.
Sänger ZP Theart hatte das Publikum von Anfang an fest im Griff und war selber anscheinend sehr erstaunt, dass die Fans wirklich alles, was er anzettelte, sofort in Tat umsetzten, und nutzte die Gunst der Stunde, um ständig irgendwelche Faxen mit den Fans zu machen. Stimmlich ist er live eh über jeden Zweifel erhaben und zeigte sich auch hierbei von seiner allerbesten Seite. Blickfang waren aber auf der Bühne immer wieder Herman Li und Sam Totman, die sich heftigste Gitarrenduelle lieferten, und sich gegenseitig mit Gesten und Mimiken verarschten, was das Zeug hielt. Aber genau das wollen die Fans bei einem DRAGONFORCE Gig ja sehen, und die Band enttäuschte ihre Anhänger nicht.

„Operation Ground And Pound" ging ohne Pause in ein absolut geniales „Reason To Live" über, und die Fans bejubelten wirklich jede Aktion auf der Bühne, die ihnen geboten wurde. Größerer Jubel brach dann aber aus, als nach einem meiner absoluten DRAGONFORCE Faves, „The Warrior Inside", zum Keyboard Solo von Vadim die TURISAS Akkordeonspielerin Netta Skog auf die Bühne kam, um sich mit ihm ein wirklich hörenswertes Duell zu liefern.
„Revolution Deathsquad", mein Lieblingstrack „Soldiers Of The Wasteland" und ein atemberaubendes „The Last Journey Home" rundeten ein tolles Konzert ab, und die Jungens von DRAGONFORCE verließen unten lautem Jubel die Bühne. Klar, dass die „Zugabe, Zugabe"-Rufe nicht lange auf sich warten ließen. Mindestens genauso klar war, dass die Band auch ohne die Rufe noch einmal auf die Bühne gekommen wäre. „Valley Of The Damned" und der Guitar Hero Song „Through The Fire And The Flames", bei dem die Stimmung dann tatsächlich überkochte, beschlossen dann einen tollen Abend. Wer braucht denn da noch Karneval?

Fazit: Zwei sehr motivierte Bands, die musikalisch nicht unterschiedlicher hätten sein können, zeigten mal wieder eindrucksvoll, wie man ein Publikum begeistern kann, das bei beiden Bands von der ersten bis zur letzten Note mehr als steil gegangen ist. Der Sound war meiner Meinung nach etwas zu leise, aber vielleicht höre ich mittlerweile auch nicht mehr so gut. Shirts gab es von beiden Bands ab 30 € aufwärts zu kaufen, was ich ehrlich gesagt etwas happig fand, denn so klasse sahen die Teile dann auch nicht aus. Trotzdem gingen die Teile weg wie nichts, woraus man schließen kann, dass die Wirtschaftskrise die Metalszene noch nicht erreicht hat.
Wer noch die Möglichkeit hat, sich dieses geile Package anzusehen, sollte sich diese Show nicht entgehen lassen, denn vom Unterhaltungs- und Arschtret-Faktor war der Abend jeden Cent wert.

 

Setlist Turisas:

Battle Metal
A Portage to the Unknown
One More
The Messenger
Rasputin
To Holmgard and Beyond

Setlist Dragonforce:

Heroes of our Time
Operation Ground and Pound
Reasons to Live
Fury of the Storm
The Warrior Inside
Keyboard Solo
Revolution Deathsquad
Soldiers of the Wasteland
The Last Journey Home
-----------------------------------------
Valley of the Damned
Through the Fire and the Flames

http://www.dragonforce.com

http://www.turisas.com

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Kommentare (4)add comment

Norman:

0
...
Super Review! Kann ich nur zustimmen! Allerdings fand ich die Lautstärke perfekt - jedenfalls an dem Standort Mitte kurz vor der Bühne. Na okay "Standort" ist vielleicht der falsche Begriff, da die Stimmung und die Leute ja dort sehr am kochen war.
Und das ist mein einziger Kritikpunkt: die Luft vorne. Es ist mehreren leuten schwindlig geworden, weil einfach die Belüftung miserabel war!
 
22. Februar 2009
Stimmen: +0

Dirk:

Dirk
...
Vielen Dank für die lobenden Worte... :-)
Also ich hab ungefähr auf der Höhe des Mischpultes ca. 1m davor gestanden, und fand den Sound wirklich sehr gemässigt, was die Lautstärke anging. Gestern war ich in Bochum bei Thunder, und da war die Lautstärke sowie der Sound an sich absolut perfekt. An meinem Gehör kann es also nicht gelegen haben ;-)
Mit der Belüftung muss ich dir aber Recht geben, denn es war sehr stickig in der Halle.
 
22. Februar 2009
Stimmen: +0

micha h.:

0
hammmmmmer
Haste gut beschrieben Dirk. Beim lesen kam mir der Abend und die Gefühle wieder hoch.
Der Gasang war meiner Meinung nach Stellenweise schon etwas schwer hörbar, aber das liegt wohl daran , das es das Auitschen anfängt wenn Die, die Micros noch lauter drehn, und von der e-gitarre, wolln wa ja auch kein ton verpassen. Die Luft war echt sehr stickig, vorallem beim moshen, kam ich so manche Male an meine Grenzen. Aber Alles in Allem war das nen super Abend, den ich nicht hätte besser beschreiben können.
 
06. März 2009
Stimmen: +0

Dirk:

Dirk
...
Muchas gracias. Stickig wars wirklich, aber das lag wohl eher an der guten Performance der beiden Bands, die das Publikum ja echt nach vorne getrieben und ordentlich für Bewegung vor der Bühne gesorgt haben.
Trotzdem hätte zwischendurch mal eine Runde Frischluft nicht geschadet, da muss ihr die beipflichten.
 
06. März 2009
Stimmen: +0

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