Geschrieben von Sonntag, 24 Oktober 2010 15:16

MYRA - Interview mit Basser Felix Thyrolf zu "Godspeed"


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Mit ihrem aktuellem Werk „Godspeed" haben MYRA aus Berlin einen deutlich melodiöseren Weg eingeschlagen als noch auf ihrem Debüt. Dennoch strotzen die Songs nur so vor Aggressivität und versprühen immer noch den Charme von rotzigem Hardcore. Wir baten die Jungs zum Interview.


Hi und Glückwunsch zu eurem sehr vielschichtigen Album! Wie zufrieden seid ihr selbst mit dem Resultat?

Wir sind, abgesehen von einigen Kleinigkeiten, wirklich sehr zufrieden. Irgendwelche Sachen entdeckt man im Nachhinein immer, allerdings können wir mit Stolz hinter "Godspeed" stehen. In diesem Sinne müssen wir vor allem auch Andy Schmidt vom Leipziger Kick The Flame Studio danken, der viel beigetragen hat zum finalen Gesamtbild der Platte. Der ganze Entstehungsprozess war mit viel Arbeit verbunden, aber die großartige Resonanz entschädigt jede Mühe. Wir haben uns mit dem Album in jeder Hinsicht weiterentwickelt und ich denke, das hört man sehr deutlich.

Wie haben eure Fans auf das neue Material reagiert?

Durchweg positiv. Wir haben enorm viel Feedback bekommen, wofür wir sehr dankbar sind. Wir wissen das sehr zu schätzen, denn letztendlich ist das ja unser Lohn für die viele Arbeit, die hinter so einer Platte steckt – neben den Millionen die wir natürlich damit verdienen ;)

Wie denkt Ihr über die Pressestimmen zum neuen Album?

Auch darüber freuen wir uns natürlich, auch wenn sicherlich die ein oder andere kritische Stimme darunter ist. Leider gibt es auch immer ein paar „Journalisten", die vergessen, dass es um Musik geht und nicht darum, welche Frisur oder welche Kleidung man trägt. Wer sich kritisch zur Musik äußert, ist uns immer willkommen, aber sobald es persönlich wird, kann ich das nicht mehr ernst nehmen.

Euer letztes Album, bzw. euer Debüt erschien mir irgendwie doomiger. Nun habt ihr mehr Melodien integriert, wie kam es dazu?

Also in Ansätzen hat es solche Melodien auch schon auf "The Venom It Drips" gegeben, allerdings haben wir auf der neuen Schreibe versucht, diese stärker in den Vordergrund zu stellen, um den Songs mehr Charakter und Tiefe zu verleihen. Außerdem bleibt so eine Melodie einfach länger im Kopf, und vielleicht ist uns auf "Godspeed" ja der ein oder andere Ohrwurm gelungen, aber das müsst ihr beurteilen.

Wie läuft bei euch der Entstehungsprozess eines Albums ab?

Vor allem sehr demokratisch. Bei uns ist es üblich, dass wirklich ausnahmslos alle Bandmitglieder am Entstehungsprozess beteiligt sind. Meistens bringt einer von uns ein Riff mit in den Proberaum, und dann wird gemeinschaftlich ein Song daraus entwickelt. Sicherlich kann man das schneller und einfacher regeln, aber auf diese Weise ist jeder Song ein Spiegelbild der Band und nicht einzelner Protagonisten, und im Nachhinein kann sich dann auch keiner beschweren.

Von welchen Bands lasst ihr euch beeinflussen?

Das ist immer schwierig zu beantworten, da man in zwei bis drei Sätzen nicht alle Einflüsse benennen kann. Wir hören alle andere Musik und werden somit auch unterschiedlich inspiriert, was man auf "Godspeed" wahrscheinlich mehr hört, als je zuvor. Sicherlich gibt es da eine Schnittmenge um Bands wie Hatesphere, At The Gates, Nine Inch Nails etc., aber alles in allem versuchen wir, nach MYRA zu klingen.

Auf die Gefahr hin, Dich zu langweilen... was bedeutet eigentlich euer Bandname?

Ja, die Frage zu der Bedeutung des Namens MYRA scheint ein Fass ohne Boden zu sein. Allerdings ist das von uns so gewollt! Es ist die ewig klaffende Wunde, ein Mysterium oder einfach nur ein Lückenfüller, falls euch mal die Fragen ausgehen... haha.

Wie einigen bekannt sein dürfte, verfolgt euer Sänger Sebastian eine vegane Lebensweise. Inwieweit beeinflusst seine Lebensweise eure Songs?

Die Songs sind davon eigentlich weniger betroffen. Der Einfluss wird hauptsächlich in den Texten deutlich. Vielleicht sollten wir beim nächsten Album weniger die Dur-Tonarten verwenden, sondern auch mal das V-moll ausprobieren.

Was für ein Lebensstil verfolgen die anderen in der Band, und gibt's da Konfliktpotential?

Sebastian ist zwar der einzige Veganer, allerdings versuchen wir anderen auch, vegetarisch zu leben. Ab und an gibt es die eine oder andere produktive Auseinandersetzung im Bandbus, aber Probleme gab es noch nicht. Generell bekommen wir immer veganes Catering und das geht absolut in Ordnung. Wir alle verstehen den Ernst der Lage, unterstützen Sebastian und diesen Lebensstil voll und ganz und hoffen, auch außerhalb der Band ein wenig zum Nachdenken anzuregen.

Im Internet gibt es ein Interview von euch bei PETA2. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit PETA2? Und beeinflusst dieses Thema eure Texte ?

Da für MYRA schon immer Musik und Message zusammengehören und Vegetarismus wie Veganismus für die Band und die Mitglieder ganz persönlich eine große Rolle spielen, war es ein konsequenter Schritt, mit Peta2 zusammen zu arbeiten – die sich ja genau um diese Belange kümmern und mit ihren Kampagnen und viel Engagement den Wert der Tierwelt kommunizieren. Leider scheint es bei zu vielen Menschen noch nicht angekommen zu sein, dass man den Tieren, der Umwelt und nicht zuletzt sich selbst mit einem Tier? und leidensfreien Lebensstil etwas Gutes tut. Wir verarbeiten alles Mögliche in unseren Texten, besonders persönliche Dinge, mit denen wir tagtäglich konfrontiert werden. Dazu gehört natürlich auch der allgemein recht selbstsüchtige Umgang mit anderen Lebewesen.

Es kommen ja einige härtere Bands aus Berlin, wie z.B. Placenta, The Ocean oder auch War From A Harlots Mouth. Was für ein Szene?Denken herrscht da unter den Berliner Bands?

Ehrlich gesagt können wir das aus Leipzig nur schwer beurteilen. Wir haben bisher eigentlich immer gute Erfahrung mit Berliner Bands gemacht. Final Prayer und WFAHM sind gute Freunde von uns. Nico von WFAHM (und ex The Ocean) ist auf "Godspeed" im Track "Phobia" zu hören, und außerdem haben wir schon die eine oder andere Bühne mit den Berliner Jungs geteilt. Auch dieses Jahr werden wir wieder eine Show der Berlin Angst Tour supporten und die Berliner Runde gehörig aufmischen. Wer sich selbst davon überzeugen will, sollte am 30.12. in Cottbus vorbeischauen.

Okay, ich dachte, Ihr kommt aus Berlin... sorry! Generell steht nach einem neuen Album die Frage im Raum, was die Zukunft angeht. Schon irgendwelche Pläne, wie die aussehen soll oder sollte?

Pläne gab und gibt es jede Menge, und einige wurden auch schon in die Tat umgesetzt. Im Oktober erschien ein neues Musikvideo zum Song "Said and Done", welches wir mit Sören Schaller und AlternaStyle zusammen produziert haben. Außerdem stehen jede Menge Shows im Kalender und Festivals für das nächste Jahr sind auch in Planung. Alle genauen Daten und Informationen gibt es auf Facebook und Myspace. Checkt auf jeden Fall unser neues Video an - es lohnt sich! Darüber hinaus sitzen wir natürlich auch schon wieder an neuen Songs, seid gespannt.

Was rotiert bei euch momentan so im Player, neben der Musikrichtung, die euch beeinflusst?

In unserem Bus gibt es regelmäßig Diskussionen über das, was laufen soll oder darf. Die Geschmäcker sind breit gefächert. Die Bandbreite reicht von Devin Townsend über den üblichen Metal- und Hardcore-Kram bis zu echt asozialem Hip-Hop.

Danke für das Interview und für die Zukunft alles Gute. Ihr habt das letzte Wort ...

Danke für das Interview und an alle Leser: Checkt unser Album "Godspeed" an und kommt zu unseren Shows. Wer jetzt noch wissen will, was wir diesen Sommer in der Psychiatrie gemacht haben, sollte dringend unsere MySpace Seite besuchen...

http://www.myspace.com/myrametal