Geschrieben von Donnerstag, 26 Oktober 2017 15:12

Angel Nation - Elina Siirala im Interview zum aktuellen Album "Aeon"

Wer an Elina Siirala denkt, hat meist auch die deutsche Metalband LEAVES' EYES im Hinterkopf. Dabei weiß die Finnin auch mit ihrer eigenen Band ANGEL NATION für offene Münder zu sorgen. Wir haben uns mit Elina zusammengesetzt und über das neue Album "Aeon“, Smartphones und filmende Fans geplaudert.

Hi Elina, herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung eures zweiten Albums! Wie geht es dir?

Vielen Dank! Mir geht es sehr gut.

Lebst du noch immer in London?

Ja, genau. Ich lebe hier seit 2008.

Als jemand aus Finnland: Welche typisch finnischen Sachen vermisst du am meisten in England?

Die lokalen Delikatessen, bestimmte Eiscremes, Süßigkeiten und Schokolade! Und eine richtige Sauna ist auf jeden Fall auch eine der Sachen, die ich echt vermisse. Und einen gescheiten Winter mit Schnee, auch wenn es den inzwischen auch in Helsinki nicht mehr jedes Jahr gibt.

Du warst das letzte Jahr über ziemlich beschäftigt. Nicht nur bist du LEAVES' EYES beigetreten und hast mit der Band quasi die gesamte Welt betourt, sondern hast gleichzeitig auch neue Songs für ANGEL NATION geschrieben. War es da manchmal schwer, eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Freizeit aufrecht zu erhalten?

Es war definitiv ein hektisches Jahr! Zwischen zwei Bands und einem regulären Job die Balance zu halten, war stellenweise echt hart, aber ich bin ziemlich glücklich damit, wie es bis jetzt gelaufen ist.

Bevor wir auf eure neuste CD zu sprechen kommen, wollte ich dich noch kurz fragen, warum ihr überhaupt euren Bandnamen von ENKELINATION zu ANGEL NATION geändert habt. Ich hab dieses kleine Wortspiel mit deinem Namen in der Mitte ziemlich gemocht.

Es war eine schwere Entscheidung und wir haben lange darüber nachgedacht. Wir mochten den Namen ebenfalls sehr, aber es wurde ab einem bestimmten Punkt offensichtlich, dass wir viel an Promotion verloren haben, weil Leute den Namen nicht aussprechen, verstehen oder sich an ihn erinnern konnten. Da haben wir uns dann schließlich dazu entschlossen, den Namen einfach ins Englische zu übersetzen.

Warum habt ihr euch für "Aeon“ als Albumtitel entschieden? Was bedeutet das Wort?

Wir wollten etwas, was das Album in seiner Bedeutung repräsentierte, etwas Gewaltiges und Dauerhaftes. Julia, unsere Bassistin, kam dann mit "Aeon“ an, was soviel wie Lebenskraft, Zeitlosigkeit oder auch Zeitalter bedeutet, und wir alle haben den Titel sofort gemocht. Sie hat uns dann auch darauf hingewiesen, dass man das Wort auch in unserem Bandnamen finden kann, was dann doch ein lustiger Zufall war: AngElnatON.

Besitzt das Album so etwas wie ein großes, allumfassendes Konzept?

Ich habe mich nie wirklich mit Konzepten auseinandergesetzt, weil ich meine Inspirationen aus ganz unterschiedlichen Quellen beziehe und es mag, musikalisch und textlich neue Dinge auszuprobieren. Deswegen klingen die Songs auf dem Album auch so unterschiedlich.

Einer meiner Lieblingssongs von "Aeon“ ist der Opener "Burn The Witch“, welchen ihr auch als erste Single ausgekoppelt habt. Ihr habt zu dem Song auch ein Musikvideo gedreht, wo ihr vor einem Publikum performt, welches euch überhaupt nicht beachtet. Stattdessen sind die Menschen so gefesselt von ihren Smartphones und Laptops, dass sie die Welt um sich herum völlig vergessen. Wie stehst du zum Thema Smartphone und der zunehmenden Digitalisierung?

Sie ist brillant in manchen Aspekten und nützlich im Alltag ... aber wie mit allem: Wenn es zu extrem wird, kann es schädlich sein und die negativen Konsequenzen werden überall sichtbar. Es ist ziemlich einfach, süchtig nach diesen Geräten zu werden und die Linie zwischen Realität und virtueller Welt kann schnell verschwimmen.

Wie denkst du über Leute, welche bei euren Konzerten ständig filmen, anstatt die Show mit ihren eigenen Augen wahrzunehmen?

Wieder denke ich, ist es wichtig, die Balance zu finden. Wenn du es nicht schaffst, die Show zu genießen ohne dabei zu filmen, läuft irgendetwas falsch. Aber ein oder zwei Songs aufzunehmen, ist kein Problem. Und es kann cool für Fans sein, durch diese Aufnahmen etwas von der Show zu sehen, gerade wenn sie das Konzert zum Beispiel aufgrund zu großer Entfernung nicht miterleben konnten. Für Bands ist es allerdings nicht immer so toll, wenn es Live-Aufnahmen von ihnen online gibt, da die Soundqualität meistens ziemlich dürftig ist.

"Music Plays“ war für mich ein weiteres Highlight der Platte. Der Song besitzt überhaupt keine Metal-Elemente und bricht somit ein bisschen mit dem Rest des Albums. Was war deine Inspiration für das Lied?

Ich hatte für den Song ein sehr starkes visuelles Bild im Kopf und es war vom Start weg sehr theatralisch, ein bisschen wie ein Musical. Es ist ein bisschen so eine moderne Romeo & Julia-Geschichte und wird getragen vom Dialog zwischen der Stimme und der Violine, welche von meiner Mutter eingespielt wurde.

Für das Lied "Free“ habt ihr mit Jukka Pelkonen von der Band OMNIUM GATHERIUM zusammen gearbeitet. Wie kam das zustande?

Es war der erste Song, den ich je geschrieben habe, der Growls brauchte. Ich habe Jukka auf der US-Tour 2016 kennen gelernt und er war der erste, an den ich gedacht habe, weil seine Stimme einen etwas anderen Klang hat und ich dachte, dass genau das für den Song funktionieren könnte. Es war cool, dass er bereit war mitzuhelfen und ich finde, dass er einen wirklichen hervorragenden Job gemacht hat.

Was ist dein persönlicher Favorit auf "Aeon“ und warum?

Die Frage ist hart, weil ich alle Song aus unterschiedlichen Gründen mag. "Enough Is Enough“ ist auf jeden Fall meine persönliche Hymne! Es ist einer der Songs, bei dem ich stilistisch wirklich die Grenzen ausgelotet habe. Es ist sehr spaßig, ihn live zu spielen.

"Burn The Witch“ ist ebenfalls einer meiner Favoriten und auch der letzte Song, den ich für das Album geschrieben habe. Er kombiniert viele der Elemente, die ich mag – und auch die Lyrics sind sehr kryptisch, genau so, wie sie gerne schreibe. Der Song bedeutet mir auf jede erdenkliche Weise eine Menge.

Du bist ja eine klassisch ausgebildete Sängerin, die auch klassische Musik in Helsinki studiert hat. Wie hältst du deine Stimme auf langwierigen Touren, wie der siebenwöchigen Nordamerika-Tour mit LEAVES' EYES, in Form?

Es ist nicht einfach und da ich während der Tour leider krank geworden bin, war es so ziemlich unmöglich. Aber ich versuche alles, um mich um meine Stimme zu kümmern: gut essen, genug trinken, versuchen ausreichend zu schlafen und eben auch Stimmübungen.

Ihr werdet diesen Winter auf kurze Europa-Tournee gehen und dabei auch nach Deutschland kommen. Freust dich schon darauf, die neuen Songs endlich live ausprobieren zu können?

Genau, wir werden in London starten und dann Belgien, Frankreich, die Niederlande und Deutschland betouren. Ich freue mich sehr darauf, die neuen Songs live zu spielen und der Rest der Band natürlich auch. Wir können es gar nicht mehr erwarten, endlich wieder auf der Straße zu sein und euch alle zu treffen!

Gibt es noch etwas, das du sagen möchtest?

Vielen Dank für eure Unterstützung! Ich hoffe, euch gefällt „Aeon“ und freue mich, euch auf der Tour zu sehen!