Geschrieben von Montag, 17 Dezember 2018 11:26

BRDigung-Frontmann Julian Cistecky im Interview: "Mich interessiert nicht, was Punk ist und was nicht"

15 Jahre gibt es die Punkmetaller von BRDIGUNG nun schon. Die Jungs aus NRW können auf eine solide Karriere in der Welt der schwermetallischen Musik zurückblicken, die kürzlich von einem Livealbum komplettiert wurde. Wir haben mit Frontmann Julian ein wenig per E-Mail korrespondiert und ihn über die letzten Entwicklungen der Band ausgefragt.

Fangen wir mal mit etwas an, das du wahrscheinlich öfter zu hören bekommst: Kannst du uns den Unterschied zwischen Kempen und Kempten erklären?

Das ist ganz einfach. Kempen ist unsere Heimatstadt, links vom Niederrhein in Nordrhein-Westfalen. Kempten ist irgendein dreckiges Loch im Allgäu, was niemand kennt und wo niemand hin will. Und wir sind gezwungen, das immer wieder zu betonen, weil in vielen Berichten über uns fälschlicherweise gesagt wurde, wir seien aus Kempten.

Ihr könnt auf eine umfangreiche Diskografie und zahlreiche Touren zurückblicken, warum habt ihr euch gerade jetzt für ein Livealbum entschlossen?

Die Idee einer Live CD stand intern ja schon etwas länger im Raum. Und nach insgesamt sechs Studioalben kann man so etwas schon mal machen. Dann haben wir uns irgendwann einfach gesagt, wenn wir es jetzt nicht machen, dann dauert es noch länger. Die anstehende Tour war die perfekte Grundlage dafür. Also haben wir einfach jedes Konzert aufgenommen.

Selbst auf einem Doppelalbum ist ja nur begrenzt Platz. Gab es da große bandinterne Diskussionen, welche Songs unbedingt auf die Platte raufmüssen und welche man lieber weglässt?

Die CD heißt ja nicht umsonst „Livezünder“, angelehnt an unser Album „Zeitzünder“ und die dazugehörige Tour. Somit sind also auch genau die Songs auf dem Album, die wir auf der Tour im Set dabei hatten. Wichtig war uns hierbei, dass die CD nicht einfach nur ein Herunterspielen der Songs beinhaltet, sondern auch viel von dem Schwachsinn vorhanden ist, der darüber hinaus auf unseren Konzerten so passiert. Das ist uns gelungen, der Livecharakter kommt gut.

Machen wir mal weiter mit einer Frage, die zehn Monate zu spät kommt: Ihr wart mit „Zeitzünder“ ja kurzzeitig in den deutschen Plattencharts vertreten. Wie sehr Punk ist eure Musik danach eigentlich noch?

Es kümmert uns ziemlich wenig, was irgendwelche Leute im Internet oder sonst wo über uns erzählen. Und mich interessiert auch nicht, was Punk ist und was nicht. Fakt ist, dass wir seit vier Studioalben alle zwei Jahre in den Top 100 und zuletzt Top 10 der deutschen Albumcharts vertreten sind. Ist okay und freut uns auch, aber am Ende ist es auch nur ein Zeichen dafür, dass man in einer Woche ganz gut Platten verkauft hat. Also sollte man das alles auch nicht überbewerten.

Gibt es jetzt irgendwelche Chartziele, die ihr mit „Livezünder“ erreichen wollt?

Nein, keine Chartziele, wozu?

Auf dem Album sind ja auch zwei neue Songs vertreten. Sind die beim Songwriting zu „Zeitzünder“ entstanden oder kam die Inspiration während der Tour?

Auf „Livezünder“ sind zwei brandneue Studiosongs drauf, einen davon, „Drogen im Haus“, haben wir bereits im Vorfeld des Releases als Videosingle veröffentlicht. Das konnten wir machen, weil ich grundsätzlich einen guten Output an Songs habe. Wir wollten den Leuten noch ein bisschen mehr bieten, als „nur“ ein Livealbum. Und wenn wir etwas mehr Zeit gehabt hätten, dann hätten wir auch noch mehr Extrasongs dazu gepackt, es ging aber leider nicht.

Was kann man in der nächsten Zeit von euch erwarten? Gibt’s schon irgendwelche Festivals, die angepeilt sind?

Festivals definitiv, die kann man bei uns auf der Homepage und den gängigen Social Media Kanälen sehen. Darüber hinaus wird es, wie angekündigt, 2019 ein kleines bisschen ruhiger werden. Heißt keine Tour und wahrscheinlich nur wenige Club Shows. Grund dafür ist, dass die Arbeiten am neuen Album für 2020 schon begonnen haben und nächstes Jahr intensiviert werden.

Ihr habt kürzlich eure Albumreleaseparty in Bochum gefeiert. Habt ihr da irgendwelche Überraschungen von euren Fans erlebt?

Bochum hatte mehrere Anlässe. Es war die letzte Show, sprich Jahresabschluss. Wir haben unser Release von "Livezünder" gefeiert. Es geht auf Weihnachten zu, also haben wir es gleichzeitig noch als Weihnachtsparty beworben und was weiß ich nicht noch alles. Was trotzdem echt untergegangen ist, war unser 15-jähriges Jubiläum. Aber daran wurden wir dann völlig überraschend von unserem Streetteam während des letzten Songs „liebevoll“ erinnert. Das hat mich persönlich ziemlich gerührt, auch den Support von all den Leuten so zu sehen ist etwas ganz besonderes.