Geschrieben von Sonntag, 15 März 2020 11:45

Skyforest im Interview zu "A New Dawn"

Mit seinem lebensbejahenden und optimistischen Unterton ist SKYFORESTs "A New Dawn“ die erste kleine Überraschung des noch jungen Black-Metal-Jahres geworden. Wir haben uns mit Mastermind B.M. über Album, Artwork und digitale Vertriebsmöglichkeiten unterhalten.

Moin B.M., danke, dass du Zeit für uns gefunden hast! Ich muss sagen, "A New Dawn“ ist wirklich ein tolles Album geworden. Bist du denn zufrieden damit?

Hallo Theo, danke für die netten Worte zum Album. Ich bin mehr als glücklich damit und auch das Feedback war bisher sehr positiv. Ich habe versucht etwas zu schaffen, das in meinen Augen noch besser ist als "Unity“ und so weit bin ich mir absolut sicher, das hinbekommen zu haben. Es haben einfach sehr viele Leute meine Gedanken mit ihren Worten bestätigt.

Laut dem Promozettel handelt "A New Dawn“ von der Reise in ein neues Kapitel des eigenen Lebens. Kurz vor dem Release der Scheibe hast du zudem auf deiner Facebook-Seite bekannt gegeben, dass das letzte Jahr für dich ein sehr schwieriges war. Was bedeutet das Album für dich auf einer ganz persönlichen Ebene?

Das ganze Album war für mich eine Art Rehabilitation. Wenn ich Musik schreibe, kümmert es mich nicht mehr, was in meiner Umgebung passiert. Das Schreiben war für mich also wie das Bauen einer Art Schutzhütte für mich selbst, um mich vor all den negativen Sachen zu schützen, die das Leben auf mich geworfen hat.

Viele Lösungen und Entscheidungen bezüglich meiner Probleme habe ich im Schreibprozess gefunden bzw. getroffen und ich kann nur hoffen, dass diese auch zu etwas Positivem führen. Hoffentlich empfinden auch viele meiner Hörer das Album als hilfreich.

Das Artwork der Scheibe spiegelt ja auch viele dieser Situationen und Erfahrungen wider. Da gibt es zum Beispiel diese Frau, welche verzweifelt versucht, einem Tiefseefisch zu entkommen.

Genau, das Artwork ist direkt mit den Texten verknüpft. Was du meinst, korrespondiert mit dem Song "Along The Waves“. Die Lyrics dazu sind:

Don‘t fall into the dark waters,
Save yourself,
While winds remain calm,
Fear the beast that lurks in the dephts

Ganz simpel ausgedrückt, dreht sich der Song um die Negativität, welche einen letztendlich immer absorbieren wird und weswegen du irgendeinen Ausweg finden solltest. Das andere Artwork der CD ist ein großes Herz, welches offensichtlich zu „Heart Of The Forest“ gehört. Das Coverart selbst bezieht sich auf das Stück „Wanderer“.

Meinen persönlichen Geschmack treffen dabei alle drei, ich finde sie sehr gelungen. Kannst du uns etwas über die Entstehung der Bilder erzählen?

Danke. Das Artwork hat Sergey Shenderovsky gemalt, der auch schon die Cover von "Unity“ und "Harmony“ gestaltet hat. Du könntest fast sagen, dass er inzwischen eine Art permanentes Bandmitglied ist! Beim Arbeitsprozess haben wir das ganz ähnlich wie bei den früheren Veröffentlichungen gehalten.

Die Idee für das Coverart kam von mir. Ich habe ihm die Details erklärt und eine simple Collage aus verschiedenen Fotos angefertigt, einfach um ihm zu zeigen, wie es am Ende ungefähr aussehen soll. Also wo welche Objekte im Bild platziert sein sollen und was meine generelle Vision ist. Aber was er daraus macht, ist wirklich fantastisch! Er hat es einmal mehr genau so umgesetzt, wie ich mir es vorgestellt hatte.

Dabei habe ich mich ganz besonders in die Farben verliebt. Ich denke, dass die wirklich perfekt zum Album passen. Die Bilder im Booklet sind übrigens ganz eigene Kreationen von ihm, inspiriert von den Liedtexten, die ich ihm geschickt habe. Und die sind eben auch wunderschön geworden. Ich bin sehr froh, mit einem so talentierten Maler zusammenarbeiten zu können und kann seine Dienste nur aus ganzem Herzen empfehlen!

Kommen wir zum eigentlichen Album: Wie funktioniert bei dir der Songwriting-Prozess und woher nimmst du deine Inspiration?

Normalerweise spiele ich einfach auf der Gitarre herum und notiere mir ein paar gute Riffs am Computer, um sie nicht zu vergessen. Für dieses Album habe ich ungefähr 20 Entwürfe auf diese Weise gemacht. Die Besten werden schließlich zu vollwertigen Songs. Das findet dann vollständig am PC statt, normalerweise fasse ich meine Gitarre dann gar nicht mehr an, bis die Stücke fertig sind.

Sobald dann alles bereit ist, nehme ich die echten Instrumente auf – vor allem Gitarren und Drums – und fange an, die Texte zu schreiben. Dabei passiert es oft, dass mir neue Melodien einfallen, die ich den Songs während der Aufnahmen hinzufüge.

Als Inspiration nutze ich viele verschiedene Dinge, offensichtlich stehen aber die Erlebnisse in meinem eigenen Leben dabei an erster Stelle. Aber auch andere Sachen passen manchmal einfach super, zum Beispiel Fotos, Filme, Spaziergänge im Wald oder die Musik anderer Bands.

Obwohl "A New Dawn“ auch seine melancholischen Momente besitzt, macht es einen überraschend lebensbejahenden Eindruck auf mich. Sehr ungewöhnlich und erfrischend für das Black-Metal-Genre. War das eine bewusste Entscheidung?

Puh, ich würde das Album jetzt auch nicht in die klassische Black-Metal-Sparte einordnen. Klar nutze ich viele Black-Metal-Techniken, diese beschränken sich aber meist auf die Musik – ähnliche Progressionen, Riff-Strukturen, Gitarren-Tremolos und Blastbeat-Drumming. Vielleicht kannst du das auch auf meine Vocals übertragen. Aber davon abgesehen, findet sich kaum etwas von Black Metal, vor allem nicht in den Texten.

Und du kannst im Black Metal auch nicht so viel Klargesang hören. Ich wollte nie unter ein bestimmtes Genre fallen, also habe ich schon alles absichtlich so gemacht. Aber welchem Genre es am Ende angehört? Ich würde sagen, irgendwo zwischen Post Black Metal und Blackgaze, mit einem "Atmospheric“-Präfix. Aber jeder sieht das ja anders und der „Tag War“ hört nicht auf. Menschen sollten sich mehr auf die Musik konzentrieren.

Die von dir gerade schon erwähnten Clean Vocals stammen dieses Mal nicht nur von Michael Rumple, sondern teilweise auch von Clare de Lune? Wie kam das zustande?

Sie hat mich einmal als Fan angeschrieben und gesagt, dass sie meine Musik sehr genießt und mir anbieten würde, in Zukunft einige Gesangslinien aufzunehmen, falls ich Interesse hätte. Das war, als ich noch in der ganz frühen Kompositionsphase war und ich hatte sowieso schon darüber nachgedacht, ein paar weibliche Vocals hinzuzufügen. Ich hatte aber nicht die Person dafür und dachte zuerst, dass ich das auch später noch lösen könnte, wenn Songs und Lyrics wirklich fertig sind.

Aber manchmal entscheidet das Leben solche Sachen einfach von alleine! Letztlich hat Clara eine exzellente Performance abgeliefert und ist eine ganz wunderbare Person.

Du bist dafür bekannt, deine Musik kostenlos via Bandcamp zur Verfügung zu stellen. Was sind diesbezüglich deine Erfahrungen? Verkaufst du trotzdem noch CDs?

Ich war nie so ein "Business“-Typ und habe Musik damals als Hobby angefangen. Zu Beginn meiner "musikalischen Abenteuer“ 2010 wusste ich nicht einmal etwas von Bandcamp oder Musiklabels, sondern habe meine Musik einfach auf allen möglichen Seiten im Internet als MP3-Dateien verschenkt. Mein einziges Ziel war, gehört zu werden. Und ich glaube, dass das sehr wichtig war, um meine Fanbasis aufzubauen. Ich ermutige immer noch Leute dazu, ihre Musik einfach auf einem nicht-kommerziellen Weg zu teilen.

Sich heutzutage hinter einem digitalen Preisschild zu verstecken, führt nur zu weniger Reichweite und Verteilung. Oder Leute rippen einfach gleich die Musik von Streams in schlechter Qualität und teilen sie, was ich überhaupt nicht mag. Ich glaube, dass die Menschen, welche die Musik kaufen wollen, das auch immer tun werden. Und die, die das nicht wollen, werden es niemals tun. Das trifft vor allem auf physische Versionen zu.

Und obwohl ich meine Musik nach dem "Nenn-mir-deinen-Preis“-Prinzip teile, bekomme ich viele Spenden, von denen manche wirklich sehr generös sind. Und die Leute hätten es einfach umsonst bekommen können, haben sie aber nicht. Das sagt viel aus.

Ein anderes Beispiel ist das Album meines anderen Projektes, A LIGHT IN THE DARK – das wurde auf dem demselben Weg geteilt und zwei Jahre später haben wir eine Vinyl-Edition herausgebracht. Und die hat sich gleich ausverkauft. Es gibt also immer noch die Nachfrage für solche Sachen, wenn auch selbstverständlich nicht mehr wie vor 20 Jahren.

Gerade jetzt sind die Verkäufe der physischen Editionen von "A New Dawn“ sehr gut! Musik ist das eine, aber die Musik in seinen Händen zu halten und das Booklet lesen zu können, das ist etwas völlig anderes.

Deine Musik äußert eine große Wertschätzung und Respekt für den Planeten Erde und ist auf irgendeine Weise immer mit der Natur verbunden. Wie nimmst du den Klimawandel und die andauernde Zerstörung unseres Ökosystem wahr?

Menschen zerstören alles in ihrer Umgebung. Der Drang, mehr und mehr Geld zu besitzen und die Konsumgesellschaft herrschen weiter vor. Ich glaube, dass es sehr bald schon zu spät sein könnte. Wir müssen unsere Gewohnheiten ändern und, wo auch immer es geht, so schnell wie möglich umweltfreundliche Technologien implementieren.

Was ist für dich die Kraft der Musik?

Musik kann dir helfen, dich vorwärts zu bewegen und lässt dich nicht allein in der Stille zurück. Ich würde sagen, dass es eine der kraftvollsten Dinge dort draußen ist! Ich bin mir nicht sicher, was ich ohne die Musik jetzt machen würde. Vielleicht wäre ich gar nicht mehr hier. Der Großteil meines Lebens dreht sich um das Schaffen von Musik, zudem höre ich jeden Tag sehr viel.

Wie sieht die Zukunft von SKYFOREST aus?

Im Moment ist das schwer zu sagen. Es wird auf jeden Fall mehr Musik in Zukunft geben, da bin ich mir sicher. Das "Wann?“ ist die Frage … Jetzt werde ich auf jeden Falle erst einmal eine Pause davon nehmen und mich auf andere Projekte konzentrieren. Diesen Sommer will ich zu meinem Dream-Pop-Projekt HIKI zurückkehren, welches seit drei Jahren auf Eis liegt. Es ist Zeit für etwas Neues.

Hast du noch irgendwelche letzten Worte an unsere Leser?

Ich will einfach nur allen danken, die meine Musik über all diese Jahre unterstützt haben. Ihr seid die Besten!