Geschrieben von Samstag, 19 Juni 2010 22:02

Sweden Rock 2010 - Der Festivalbericht

sweden_Rock_2010_bye

Das SWEDEN ROCK FESTIVAL ist bei uns mittlerweile zu einem "Muss-Event" mutiert, nicht nur wegen der unglaublich ausgewogenen und hochklassigen Bandauswahl, sondern vor allem auch wegen der total entspannten Atmosphäre, die dort in Sölvesborg vorherrscht. Trotz der vier Bühnen und zwei Zelte kommt nie wirklich Stress auf, und daher haben wir uns auch dieses Jahr wieder auf den Weg nach Süd-Schweden gemacht, um mit den Skandinaviern ein Fest zu feiern.

Dabei wurde auch einem ganz besonderen Mann und Künstler gedacht: RONNIE JAMES DIO, der insgesamt fünf mal beim Sweden Rock Festival auftrat, dreimal mit DIO und zweimal mit HEAVEN & HELL, und damit in der Vergangenheit einen ganz wichtigen Beitrag zum wachsenden Erfolg dieses Events geleistet hat.

Natürlich waren viele Bands am Start, die mit Songs oder kurzen Ansprachen dem Ausnahmesänger huldigten, aber auch die Verantwortlichen des Festivals hatten reagiert und die Zeppelin Stage kurzerhand in DIO Stage umbenannt. Außerdem hatte JORN LANDE die Ehre, am Donnerstag auf der Festival Stage einen Nachruf zu verlesen. Aber alles der Reihe nach.
Bereits am Mittwoch wurde von den Veranstaltern für die drei Haupttage das „Sold Out" Schild in die Kassenhäuschen gehängt, anlässlich einer Besucherzahl von etwa 33.000 Fans.


Mittwoch, 09.06.2010:


Die traditionell etwas undankbare Aufgabe, das Festival zu eröffnen, fällt den amerikanischen Glam-Rockern von HEART ATTACK auf der Dio Stage zu. Die zeigt an beiden Seiten ein Portrait des kürzlich Verstorbenen. Zunächst sind fast mehr Fotografen im Graben als Zuschauer vor der Absperrung, im Laufe des Auftritts schauen dann aber mehr Besucher vorbei, auch wenn es bei dem eher unspektakuläre Hard Rock des Quintetts aus Atlanta zu mehr als Höflichkeitsapplaus nicht reicht. Mehr als der Posten des Openers wäre hier auch nicht angemessen gewesen. (Thorsten)

Da wissen die schwedischen Rotz-Rocker von SATOR schon eher zu begeistern, haben aber natürlich auch den Vorteil des Lokalheldentums auf ihrer Seite. Der partytaugliche Kick-Ass-Rock'N'Roll macht auf jeden Fall Spaß und wärmt die Menge für den weiteren Abend vor. Das ist auch bitter nötig, denn der schwedische Sommer lässt uns die ersten drei Tage des Festivals nahezu durchgehend im Stich. Dass irgendjemand die Regenschauer auch noch mit dem Beginn der Auftritte abzustimmen scheint, ist besonders der Laune der fotografierenden Zunft nicht unbedingt zuträglich. (Thorsten)

Die Bekommt dann bei F.K.Ü. (das steht übrigens für "Freddy Krueger's Ünderwear") zumindest etwas fürs Auge bzw. für die Linse geboten. Mit dem t(h)rashigen Sound des Vierers kann ich persönlich nicht all zu viel anfangen, die glücklich moshenden Fans vor der Bühne sehen das aber offensichtlich anders und haben ihren Spaß. (Thorsten)

Die Schotten ALESTORM rocken um 18:30 die Sweden Rock Stage, haben aber zu Beginn unter argen Soundproblemen zu leiden, denn der Keyboardsound ist definitiv viel zu laut und lässt den Gitarren kaum eine Chance, sich durchzusetzen. Das scheint die Mannen um Ober-Pirat Christopher Bowes aber nicht wirklich zu stören, denn gewohnt spielfreudig und geschmacklos gekleidet werden Songs wie „Pirate Song", „Keelhauled" und „Wolves Of The Sea" auf die ca. 4.000 Metalpiraten vor der Bühne losgelassen, die die Band auch ordentlich abfeiern. Glücklicherweise pendelt sich der Sound auch nach ein paar Songs ein, so dass man den Schotten einen gelungenen Gig attestieren kann. (Dirk)

STEELWING sorgen dann mit ihrem sehr Iron Maiden lastigen Sound für Stimmung auf und vor der Dio Stage. Dass Sänger Riley es tatsächlich schafft, seine starke Gesangsleitung vom Album auch Live auf die Bühne zu bringen, ist neben der enormen Spielfreude das größte Plus der Skandinavier, die mit Songs wie „Enter The Wasteland", „Headhunter", „The Illusion" oder „Sentinell Hill" durchaus punkten können. Vielleicht haben die Jungens das ein oder andere Mal zu oft bei IRON MAIDEN abgeguckt, aber wen stört das schon, wenn es gefällt und gut gemacht ist? (Dirk)

Der Preis für das älteste Gesicht des Festivals geht an MICHAEL MONROE, der aber ansonsten topfit die Sweden Stage rockt und sich agiler zeigt, als viele seiner doch um etliche Jahre jüngeren Kollegen bei dem Festival. Es beeindruckt, wie er ständig in Bewegung ist, rechts und links die Lichttraversen hochklettert und selbst mit dem Kopf nach unten hängend noch eine bemerkenswerte stimmliche Leistung an den Tag legt. „Nothings Alright", „You're Next", „Another Night In The Sun" oder auch „I Wanna Be Loved" kommen bei den jetzt ungefähr 7.000 Fans gut an, obwohl man schon sagen muss, dass die HANOI ROCKS Songs „Motorvatin", „The Boulevard Of Broken Dreams", „Back To Mystery City" und „Malibu Beach Nightmare" eine euphorischere Reaktion beim Publikum hervorrufen. Der Spagat am Schluss zeigt eindrucksvoll, dass der Mann wirklich in der Form seines Lebens ist und mit seinem Gig ein fettes Ausrufezeichen bereits am Mittwoch setzen kann. (Dirk)

Die Frage, ob THE QUIREBOYS das auf der Dio Stage noch toppen können, beantwortet sich bereits nach den ersten Songs. Ja, sie können. Die Briten um Sänger Spike und Gitarrist Guy Griffin, die letzten beiden verbliebenen Mitglieder der Originalbesetzung, zeigen eine unglaubliche Leistung und legen mit ihren bluesdurchtränkten Songs einen Groove an den Tag, dem man sich nur schwer entziehen kann. Das lässt sich auch gut daran erkennen, dass selbst ausgewiesene und optisch entsprechend gestylte Die-Hard-Black-Metal-Fans langsam vor sich hin tanzen (natürlich nur, wenn scheinbar keiner guckt). „Hey You", „Sex Party", „I Don't Love You Anymore" „There She Goes Again" oder "Mona Lisa Smiled" kommen unglaublich intensiv und machen mir mal wieder deutlich, warum ich diese Band schon in den Achtzigern geliebt habe. Mit diesem Gig und diesem offensichtlichen Spaß an der Sache wird der angekündigter Unplugged Auftritt am Donnerstag auf der Rockklassiker Stage jetzt schon zu einer Pflichtveranstaltung. (Dirk)

Wenn es eine Band gibt, bei der man das bekommt, was man auch erwartet, dann sind das mit Sicherheit U.D.O. Bestimmt 12.000 Fans haben sich vor der Sweden Stage versammelt, um sich mit dem deutschen Urgestein in Sachen Teutonen Metal den Rest für diesen gelungenen Warm Up Mittwoch zu geben. U.D.O geben sich auch keine Blöße und legen mit „Boogey Man" vom aktuellen Album „Dominator" fulminant los. Der perfekte Sound und vor allem auch die geniale Lightshow (die muss an dieser Stellen auch mal erwähnt werden) machen den Gig der Deutschen akustisch wie visuell zu einem kompletten Genuss. Vorausgesetzt natürlich, man ist Fan der Band, denn Udos Stimme ist eben immer kontrovers, denn entweder man mag sie, oder man mag sie eben nicht. Dazwischen gibt es eigentlich nichts. Die anwesenden Fans gehören aber ganz offensichtlich zur ersteren Fraktion, denn U.D.O. und „Independence Day", „The Bullet And The Bomb", „Thunderball", „Metal Vendetta", „Princess Of The Dawn" oder „Metal Heart" werden mächtig abgefeiert, wobei sich erstaunlicherweise die Begeisterung der Metalheads zwischen den U.D.O. Songs und den alten ACCEPT Klassikern ziemlich die Waage hält. Das habe ich auch schon anders gehen. (Dirk)


Donnerstag, 10.06.2010:


Heute machen STONE SOUR den Anfang auf den großen Bühnen und dürfen sich trotz des für das Sweden Rock Festival eher untypisch modernen Sounds über reichlich Zuspruch freuen. Die Jungs sorgen somit auch für Abwechselung auf dem sonst angenehm traditionellen Spielplan. (Thorsten)

Um 13:30 entern NAZARETH die Festival Stage, vor der es aber leider um diese Zeit noch ziemlich übersichtlich zugeht. Trotzdem ist der Gig ok, mir persönlich liegt nur zu viel Hall auf den Vocals, wodurch Sänger Dan McCafferty den Rest der Band teilweise etwas überlagert. „Turn On Your Reciever", Miss Misery", „The Gatering", "Hair Of The Dog" oder die unvermeidlichen „Dream On" und „Love Hurts" verfehlen aber nicht ihre Wirkung, und die Band wird mit mehr als nur freundlichem Applaus bedacht. Die Highlights sind für mich definitiv "Shangai'd In Shangai" und "This Flight Tonight", und ich bin echt froh, dass ich die Schotten nochmal live sehen kann.
Im Anschluss kommt Jorn Lande auf die Bühne und verliest einen ziemlich emotionalen Nachruf auf Ronnie James Dio. Jetzt ist es vor der Festival Stage ca. doppelt so voll als noch bei NAZARETH, und als Jorn zu einer Schweigeminute aufruft, gehen zigtausend Pommesgabeln in die Luft. Man könnte eine Stecknadel fallen hören. Absolute Gänsehaut, und auch hier noch mal: Rest in Peace, Ronnie! (Dirk)

Den nächsten Farbtupfer in jeder Hinsicht setzen MOTHER'S FINEST. Die Band, die als einer der Ursprünge der Crossover-Bewegung gelten darf, legt den Fokus in Schweden auf ihre rockigeren Phasen und zieht auf der zweitgrößten Bühne des Open Airs ein ansehnliches Publikum, das sich nicht zuletzt von dem energiegeladenen und extrovertierten Joyce Kennedy beeindruckt zeigt. Mit ihrem größten Hit "Oh Baby Love" verabschiedet sich die Band und ist mir so um Längen lieber, als sämtliche Ausflüge in extreme Gefilde. (Thorsten)

Y&T sind für mich persönlich immer ein Highlight, ich habe Dave Meniketti und Co. noch niemals schlecht gesehen. Die Band ist immer ein Garant für eine energiegeladene Show mit Schwerpunkt Blues, eingängigen Melodien und megafetten Gitarrensoli. Und da Y&T mit „Facemelter" nach vielen Jahren auch mal wieder ein aktuelles Studioalbum am Start haben, darf man auch auf eine geänderte Setlist gespannt sein.
Schon beim Opener „Black Tiger", der aufgrund des aufkommenden, starken Regens erst mit zehn Minuten Verspätung aus der PA rockt, ist klar, dass die Kalifornier auch dieses mal nicht bereit sind, das Feld kampflos den nachrückenden, jungen Bands zu überlassen. „On With The Show" vom neuen Album folgt und wird von den Fans, die trotz der Regemassen vor der Bühne ausgelassen feiern, lautstark mitgesungen. „Lonely Side Of Town", „Mean Streak", „Shine On", „Open Fire", „Dirty Girl" und die Ballade „I Belive In You" sind dann standesgemäß das, was ich von Y&T erwartet habe.
Unerwartet kommt aber „Rainbow In The Dark", mit dem sich auch Y&T live von Ronnie James Dio verabschieden. Schöne Sache und genial gespielt. (Dirk)

Ein kurzer Ausflug zur Dio Stage, wo DEATH ANGEL sich die Ehre geben. Ich sehe die Jungs aus der Bay Area jetzt zum vierten Mal, und auch wenn ich nicht unbedingt ein ausgewiesener Thrash-Freund bin, beeindrucken die wuseligen kleinen Musiker immer wieder durch ihre Spielfreude. Die Band aus San Francisco, denen der echte Durchbruch immer verwehrt geblieben ist, schafft es auch heute, ihre Fans zu begeistern und bolzt sich durch ein mit Klassikern gespicktes Set. (Thorsten)

Um 16:30 gehört die Festival Stage dann den Dänen PRETTY MAIDS, die kurzfristig für RATT eingesprungen sind, die alle ihre Europa Dates wegen einer notwendigen Leistenoperation von Sänger Stephen Pearcy absagen mussten. Ich hätte RATT wirklich gerne gesehen, zumal ihr aktuelles Album „Infestation" richtig gelungen ist. PRETTY MAIDS sind zwar ein „netter" Ersatz, aber irgendwie hab ich die Band in den letzten Jahren einfach zu oft gesehen, um wirklich begeistert zu sein, auch wenn ich Ken Hammer und Co. einen tollen Gig bescheinigen muss. Neu-Basser Hal Patino passt zwar optisch absolut nicht zur Band, aber am Bass macht er seine Sache gut. „Pandemonium", „I.N.V.U.", und „Little Drops Of Heaven" vom neuen Album bestehen ihre Live-Taufe, „Wake Up To The Real World", „Scream", „Walk Away", „Love Games" machen wie immer Spaß, und natürlich sind „Red, Hot And Heavy" und „Future World" wie immer die Highlights. Vor dem THIN LIZZY Cover „Plase, Don't Leave Me" gedenkt Sänger Ron Atkins nicht nur Ronnie James Dio, sondern auch Phil Lynott, was mich natürlich besonders freut.
Laut der weiteren Ansagen von Ron Atkins wurde die Band mehr oder weniger kurzfristig aus dem Urlaub zusammen getrommelt, um für RATT kurzfristig einzuspringen. Wenn dem tatsächlich so gewesen ist, war der Gig gut. Wenn nicht, dann war es eben normale PRETTY MAIDS Kost, die immer gut genug ist, um als Soundtrack für eine Party zu dienen. (Dirk)

Bei BLACKBERRY SMOKE geht es dann noch mal altmodischerer zu. Die Amerikaner klingen wie eine Mischung aus den BLACK CROWES und den EAGLES, und schlagen mit ihrem von Marihuana geschwängerten Sound wohl die entspanntesten Töne des heutigen Tages an. Sie fordern das Publikum mehr als einmal auf, sich doch auch mal etwas pflanzliche Entspannung zu gönnen. Ob man das nun inhaltlich unterstützt oder nicht, Spaß macht der erdige und ungeschliffene Bluesrock der Jungs aus den Südstaaten auf jeden Fall. (Thorsten)

Dagegen muss ich sagen, dass ich mit dem etwas arg stumpfen Power Metal von SABATON noch nie viel anfangen konnte. Das allerdings sieht die Zuschauerschaar in Schweden offenkundig anders, denn die Lokalmatadore, die letztes Jahr bereits die schwedische Hymne zum Nationalfeiertag zum Besten geben durften, haben ihr Publikum absolut im Griff und lassen es nach Belieben Klatschen, Hüpfen und  Mitsingen. Von "Panzer Batallion" über "Primo Victoria" bis "Metal Machine" liefert die Band alle Hits, die ihre Fans hören wollen, sodass man objektiv nicht darum herum kommt, ihnen einen guten Auftritt zu attestieren. (Thorsten)

SLAYER
auf der Festival Stage im Hellen mit einem Tom Araya, der fast den gesamten Gig über nur am Lachen oder Lächeln ist. Was ist denn hier los? Das freundliche Gesichte steht im krassen Gegensatz zu den Songs, aber warum denn nicht, öfter mal was Neues. Ansonsten ist ja alles beim Alten, denn Klassiker wie „South Of Heaven", „War Ensemble", „Seasons In The Abyss", „Hell Awaits" und „Angel Of Death" kommen wie gewohnt bei den Fans am besten an. „Hate Worldwide", „Raining Blood", „Chemical Warfare" und „Jihad" haben mit Tom Arayas Grinsen im Gesicht dagegen schon fast Comedy-Charakter. Trotzdem gefallen mir SLAYER gewohnt gut, denn egal was für ein Gesicht er aufsetzt, die Musik verliert niemals ihre Aggressivität. Dafür sorgen alleine schon Jeff Hanneman und Kerry King. (Dirk)

Sweden Rock Festival heißt auch immer wieder Kontrastprogramm, also schaut man nach dem „Blutbad" bei SLAYER doch auch mal bei dem Akustik-Set der Frohnaturen THE QUIREBOYS vorbei, das (wie am Tag zuvor angekündigt) im Rockklassiker Zelt stattfindet. Und wie auch am Tag zuvor bieten Spike und Co. ganz ohne Distortion oder Overdrive erneut einen atemberaubenden Gig, der von den Fans begeistert aufgenommen wird. Das Zelt platzt aus allen Nähten, und auch davor haben sich im wieder einsetzenden Regen etliche hundert Fans zusammen gefunden. Highlights sind für mich erneut „Hey You", „There She Goes Again" und das megastarke „Mona Lisa Smiled", denn logischerweise sind (in diesem Fall zum Glück) viele Titel doppelt vertreten. Klasse Leistung und eine echte Empfehlung, wenn die Briten demnächst auf Clubtour durch die Gegend ziehen. (Dirk)

Um 21:30h darf JORN die Sweden Stage für geplante 90 Minuten sein Eigen nennen. Auch wenn die ca. 8.000 Leute vor der Bühne richtig steil gehen, überzeugt er mich nicht hundertprozentig. Zumindest nicht durch das komplette Programm. „Stormcrow", „Spirit Black" und „Rock'n Roll Angel" sind zum Beispiel der Hammer, „Shadow People", „The Inner Road" und „Soul Of The Wind" hängen dann eher etwas durch. Jorn ist zwar gut bei Stimme, aber so richtig fehlt mir die Leidenschaft bei ihm, die ich zum Beispiel von MASTERPLAN her kenne. Das Leben, das er sonst den Songs mit seiner außergewöhnlichen Stimme einhaucht, fehlt für mich an diesem Abend irgendwie. Daran ändert auch das megastarke THIN LIZZY Cover „Are You Ready" nichts, genauso wenig wie das Medley im Zugabenteil, das aus „War Of The World" und „Man On A Silver Mountain" besteht. (Dirk)

Auf zur Festival Stage, auf der heute Abend AEORSMITH ihren eher schwachen Auftritt von 2007 an gleicher Steller vergessen machen wollen. Oder doch nicht? Wie 2007 auch, hat man nie das Gefühl, dass wirklich eine Band auf der Bühne steht. AEROSMITH - oder sagen wir besser das "Tyler/Perry-Project" - verfügen zwar über einen fetten Backkatalog an Songs, aber Motivation und Spielfreude sehen definitiv anders aus. Von dem kleinen Gitarren-Battle zwischen Joe Perry und seiner Version von Guitar Hero mal abgesehen, ist der Gig des Tyler/Perry Projects eher unspektakulär. Einzig wirkliches Highlight ist „I Don't Wanna Miss A Thing", aber auch nur deshalb, weil es einer meiner absoluten Lieblingssongs ist.
Setlist: „Love In An Elevator" – „Back In The Saddle" – „Walking The Dog" – „Falling In Love (Is So Hard On Your Knees)" – „Living On The Edge" – "Jaded" – "Kings And Queens" – "Cryin' " – "Drum Solo" – Lord Of The Thighs" – "Joe Perry Guitar Battle" - "Stop Messing Around" – "I Don't Wanna Miss A Thing" – "Sweet Emotion" – "Baby, Please Don't Go" – "Draw The Line" – Encore: "Walk This Way" – "Dream On" - "Toys In The Attic". (Dirk)

Anmerkung: Da AEROSMITH auf einem gesonderten Vertrag mit jedem einzelnen Reporter bestanden, der die Rechte an den geschossenen Fotos seperat regeln sollte, und allen Nichtunterzeichnern der Zugang zum Fotograben verwehrt wurde, gibt es trotz freundlicher Angebote von Kollegen anderer Medien, uns Bilder zur Verfügung zu stellen, keine Fotos vom AEROSMITH-Auftritt auf dem SRF 2010 bei BurnYourEars.
Dieser Art des Umgangs mit den Medien bürgert sich in den letzten Jahren vermehrt bei Bands ein, die meinen, sich das leisten zu können und wird von mir nicht unterstützt. (Thorsten)



Freitag, 11.06.2010:

Den Anfang machen heute die Teutonenmetaller von GRAVE DIGGER, die zur verhältnismäßig frühen Stunde auf der Rock-Stage eine ahnsehnliche Menge zum Bangen bringen. Besonders die Songs der Mittelalter-Trilogie werden von den Zuschauern gefeiert, und so machen Nummern wie "Nights Of The Cross", "In The Dark Of The Night" und natürlich "Rebellion  (The Clans Are Marching)" den Kern des Programms aus und werden vor der Bühne lauthals mitgesungen. Nach dem obligatorischen "Heavy Metal Breakdown" machen die Herren aus dem Ruhpott Platz für ihre Landsleute. (Thorsten)

Denn auch auf der Festival Stage wird Deutsch gesprochen. Michael Schenker gibt sich mit MSG die Ehre, und als allererstes fällt mir auf, dass der Mann sich tatsächlich bewegen kann. Ok, ein Angus Young in Sachen Bühnenperformance wird er wohl nicht mehr werden, aber heute ist Michael offensichtlich verdammt gut bei Laune. Auch mit der Songauswahl beweist der Mann ein gutes Händchen, denn im Grunde sind hier nur Hochkaräter am Start, egal ob von seinen eigenen Bands oder aus dem Backkatalog von U.F.O.
Mit „Armed And Ready" kann man zum Auftakt nichts falsch machen, und Band wie auch die Fans kommen trotz der eher mäßigen Außentemperaturen ziemlich schnell auf eine hochgradige Betriebswärme. „Cry For The Nations" und „Let Sleeping Dogs Cry" folgen, und Michael Schenker klemmt sich wie gewohnt die Flying V zwischen die Beine. „Ready To Rock", „Riding My Way", „Into The Arena" und „Lost Horizons" sorgen mit dafür, dass immer mehr Menschen von den Bier- und Fressständen und den anderen Bühnen vor die Festival Stage pilgern.
Für mich werden die letzten drei Songs unvergesslich bleiben: „Attack Of The Mad Axeman" ist ein Zungenschnalzer, was genialen Gitarrenrock angeht, und „Rock Bottom" und „Doctor, Doctor" sind meine Lieblingssongs von U.F.O. Richtig fett, und wenn man bedenkt, dass Michael Schenker in diesem Jahr sein 30stes Bühnenjubiläum feiert, auch noch aller Ehren wert.
Bei all der Begeisterung für das Können des Gitarristen und Namengebers der Band darf man aber nicht vergessen, seine Bandkollegen lobend zu erwähnen. Gary Barden singt ebenfalls ein souveränes Set, Chris Slade an den Drums sorgt zusammen mit Bassist Chris Glenn für punktgenaue Beats, und Wayne Findlay unterstützt an den Keyboards und der zweiten Gitarre, sofern das der Song erfordert. Zusammen sorgen MSG für mein erstes Highlight am Freitag. (Dirk)

Dass es keine gute Idee war, sie gegen MSG zu setzen, zeigt sich bei den SCREAMING LORDS auf der Dio Stage. Das sympathische, englisch-amerikanische Konglomerat muss mit seinem ebenfalls blues-basierten Hard Rock mit einem sehr überschaubaren Publikum vorlieb nehmen. Auch wenn Sänger Kelly Keeling die Situation mit typisch englischem Humor nimmt, hätten die LORDS mehr Zuspruch verdient. Musikalisch zumindest gibt es nichts auszusetzen, auch wenn die Bühnenperformance hier und da etwas hüftsteif wirkt. (Thorsten)

Beide Probleme sind D-A-D fremd, denn zum einen wird sie wohl niemand verdächtigen, Mauerblümchen zu sein, und zum anderen haben die Dänen auf dem Sweden Rock praktisch ein Heimspiel. Sie ziehen ein Publikum vor die Rock Stage, das auch einen Auftritt auf der Hauptbühne gerechtfertigt hätte.
So oder so rotzen sich die auch nicht mehr ganz taufrischen Herrschaften durch ihr Set und knallen ihren Anhängern einen Hit nach dem anderen vor den Latz. Besonders Bassist Stig Pedersen weiß zu unterhalten, outet sich zunächst mit einem zweisaitigen Bass als der vielleicht ehrlichste Punkrock-Bassist aller Zeiten, tauscht das Modell dann gegen ein raketenförmiges Instrument und spielt auch schon mal einen Song auf dem Schlagzeug stehend. Nein, Understatement wird hier sicher nicht geübt. (Thorsten)

Besonnener geht es da schon bei PRAYING MANTIS  zu. Die NWoBHM-Legende zeigt sich eher als Ansammlung von in Würde ergrauten Gentlemen und rockt die dieses Mal recht ordentlich besuchte Dio Stage mit einer Sammlung von Klassikern der 80er Jahre. Da kommt Freude auf, und doch kann man bei den nicht ganz so extrovertierten Herrschaften ahnen, warum der Durchbruch im Gegensatz zu einigen erfolgreicheren Genre-Kollegen nie so recht gelang. Schön, dass man die Jungs (laut Sänger Chris Troy übrigens zum ersten Mal überhaupt) nach Schweden geholt hat. (Thorsten) 

Von den 80er Jahren geht es in die 70er, in denen MAGNUM ihre größten Erfolge feierten. Zugegeben, die Auftritte von Bob Catley und seinen Mannen gehören nicht zum Spektakulärsten, was man auf den Bühnen der Welt findet, aber wer handwerklich hochwertigen Hard Rock sucht, der wird bei MAGNUM nie enttäuscht. Das wissen nicht wenige in Sölvesborg zu schätzen, und so zelebrieren die Engländer ihre Bandhistorie ein weiteres Mal vor einer angetanen Festivalmenge, ohne dabei all zu ausgefallene Reaktionen auszulösen. (Thorsten)

Um 18:15h wird dann der Angriff auf die Lachmuskeln gestartet: STEEL PANTHER nutzen ihre Zeit auf der Sweden Stage, um sich und die komplette Glam Rock Szene alles andere als ernst zu nehmen, und ich muss zugeben, ich hab auf einem Konzert noch nie so viel gelacht wie bei diesem Gig. Eigentlich kann man das mit Worten kaum wiedergeben, das muss man wirklich gesehen haben, denn wirklich jedes Klischee der Glam Rock Szene wird bedient. Vom Schminkspiegel, der auch tatsächlich in Gebrauch ist, über die auf der Bühne landenden Frauenslips bis hin zur aufgerollten Socke in der Spandexhose ist die ganze Palette mit dabei.
Mit ihrem aktuellen Album „Death To All But Metal" zeigen sie sogar, dass sie neben Blödsinnmachen auch noch amtlich rocken können. Das ganze Paket ist eine Art Comedy Show mit Live Musik, das ich nur jedem mal wärmstens ans Herz legen kann. Wer mir nicht glaubt, sollte sich die Videos (ganz besonders das Video zum Titeltrack „Death To All But Metal", aber unbedingt bis ganz zum Schluss) auf der STEEL PANTHER Homepage ansehen, dann habt ihr einen kleinen Einblick, was ich meine. (Dirk)

Nach dem Spaß-Glam-Metal dann zu den ernsteren Vertretern dieses Genres. CINDERELLA sorgen vor der Festival Stage für Bewegung, haben aber das Pech, dass es gerade bei ihrem Gig wie aus Eimern zu regnen beginnt. Das scheint ihnen (auf der mehr oder weniger trockenen und windgeschützten Bühne) mehr zuzusetzen als den zahlreichen Fans im strömenden Regen davor, denn Tom Kiefer sieht wirklich not amused aus. Von „Second Wind", „Push Push", „Somebody Save Me" zu „The Last Mile" scheint sich die Laune des Sängers / Gitarristen schubartig zu verschlechtern, was dafür sorgt, dass die Die-Hard-CINDERELLA-Fans vor der Bühne ihre eigene Party feiern. Die Songauswahl der Band ist wirklich hörenswert, nur die Lust auf Show scheint nicht so recht da zu sein. Die Darbietung der Band ist am besten mit „solide aber humorlos" zu bezeichnen. Ok, nach STELL PANTHER sieht wahrscheinlich jede Band aus wie ein Haufen Trauerklöße, aber ein bisschen mehr Spaß am Musizieren hätten man schon erwarten dürfen. Neben den bereits erwähnten Songs sind noch „Bad Seamstress Blues / Falling Apart AT The Seams", „Heartbreak Station", "Coming Home", "Shelter Me", "Nobody's Fool", "Gypsy Road", "Don't Know What You've Got" und "Shake Me" am Start. (Dirk)

Bei BILLY IDOL wusste man in der Vergangenheit nicht immer, woran man ist, bis er auf der Bühne stand. Ein bißchen ist das auch heute so, denn der selbsternannte Punker fährt ein Programm, das sicher bei einer Clubtour gut ankommen würde, auf einem Festival aber einfach zu wenig Druck entwickelt, um die Masse wirklich in Bewegung zu versetzen. 
Viele Stücke werden von Gitarrist Steve Stevens mit der Akustikgitarre begonnen und erst später in rockigere Gefilde überführt. Mancher mutmaßt auch, dass IDOL eventuell nicht komplett nüchtern sein könnte, zumindest das Ablesen von Texten von einem Notenständer - besonders auffällig etwa bei "Don't Shoot The Messenger" - hinterlässt einen gespaltenen Eindruck. 
Was man IDOL ohne Frage anrechnen muss, ist, dass er trotz teilweise starkem Regen immer wieder auf den Catwalk kommt und den Kontakt zu seinem Publikum sucht, später in der Show zur Freude der weiblichen Fans sogar ohne T-Shirt. Etwas ungewöhnlich ist dagegen, dass er sich am Ende mit dem THE DOORS Cover "L.A. Woman", aus dem hier "Swedish Woman" wird, verabschiedet, sein Hit "Mony Mony", mit dem allgemein noch gerechnet wird, aber ungespielt bleibt. (Thorsten)

Den Abschluss an diesem Freitag macht mein eigentlicher Festival- Headliner: GARY MOORE. Nicht nur, dass der Mann für mich einer der genialsten Gitarristen ist, er hat sich für das Sweden Rock Festival auch noch mit einem Hard Rock Set angekündigt. Bei Titeln wie „All Messed Up", „Run For Cover", „Wishing Well", „Shapes Of Things", „Back On The Streets" oder „Murder In The Skies" läuft ja schließlich jedem Hard Rocker gehobenen Alters das Wasser im Mund zusammen. Pech ist nur, dass er von diesen Songs nicht einen gespielt hat.
Trotzdem enttäuscht mich der Ire nicht, denn „Military Man", „Thunder Rising", „Blood Of Emerald", „Out In The Fields" und „Over The Hills And Far Away" noch mal live von ihm auf der Bühne zu hören und zu sehen, jagt mir jetzt noch einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Um alle meine gewünschten und erhofften Songs zu spielen, hätte er ja sowieso mindestens vier Stunden auf der Bühne stehen müssen, also bin ich mit dem, was er gespielt hat, mehr als zufrieden - obwohl ich auf „Still Got The Blues" und „Walking By Myself" auch gut hätte verzichten können. (Dirk)


Samstag, 12.06.2010

Am vierten und letzten Tag eröffnen CATHEDRAL das Treiben auf den großen Bühnen. Ironie des Schicksals, dass die englischen Doomer ausgerechnet am einzigen sonnigen Mittag des ganzen Festivals auf die Bühne müssen. So mag sich die Düsternis auch nicht so recht über Sölvesborg senken. Nachdem man auch dem Publikum die letzten drei Tage anmerkt, ist der Auftritt dann eher ein früher Ruhepol als ein Aufheizer, was den schleppenden Klängen ja auch vollkommen angemessen ist. (Thorsten)

Danach wird es progressiv. FATES WARNING haben anlässlich der anstehenden Wiederveröffentlichung die Besetzung des "Parallels"-Albums erneut versammelt und angekündigt, das Werk komplett zu spielen. Ich weiß nicht, ob Band oder Veranstalter den Status dieses Auftritts falsch eingeschätzt haben, aber meiner Meinung nach wären FATES WARNING vor einer gut besuchten Sweden Stage besser aufgehoben als auf der Hauptbühne, bei der die Zuschauermenge vor allem zum Ende sichtbar schmaler wird. Natürlich ist das Programm der Prog-Metal Urgesteine auch eher etwas für Genießer als für eine Party, und so ist auch hier mehr Staunen und Bewundern angesagt, als der Start eines Mosh-Pits. Einen bärenstarken Auftritt haben FATES WARNING fraglos abgeliefert. (Thorsten)

Die schwere Entscheidung, entweder zu EPICA oder zu UNISONIC zu gehen, die beide zur selben Zeit spielen sollen, wird uns vom Sturm abgenommen. Der Soundturm vor der Rock Stage, auf der Michael Kiske mit UNISONIC angekündigt sind, ist im starken Wind akut einsturzgefährdet und muss zur Sicherheit zunächst abgedeckt und um eine Etage verkleinert werden. Also wandern wir zunächst einmal zur Sweden Stage, auf der EPICA ihren Gig spielen. Trotz des wirklich starken Regens und der aufkommenden Windböen haben sich etliche Tausend Fans versammelt, um dem Symphonic Metal der Niederländer zu lauschen. Dort wo wir stehen, ist der Sound nicht wirklich genial, was aber durchaus am Wetter liegen kann. Sängerin Simone Simons wirkt zu Beginn des Gigs noch etwas „hüftsteif", was sich aber im Laufe der Zeit ändert. Der Rest der Band bangt sich aber von Anfang an durch die Setlist (u.a. „Imperial March", „Cry For The Moon", „The Obsessive Devotion", „Consign To Oblivion" oder „Sancta Terra"), und EPICA bieten eine gute Performance, die von den Fans verdient abgefeiert wird. (Dirk)

Die Texaner von POINT BLANK hatte mir ein Schwede am Vorabend ans Herz gelegt, und so nehme ich die Südstaatenrocker unbekannterweise mal unter die Lupe. Ehrlicher und erdiger geht es kaum noch. Dieser Truppe fehlt jeder Glam-Faktor oder eine irgendwie geartete Aura des Erfolgs. Hier machen alte Männer Musik, weil es ihnen Spaß macht.
Etwas altbacken klingt der Sound dann auch, aber das gleicht die Altherrenmannschaft mit Spielfreude wieder aus. Sie kann sich über ein ordentlich besuchtes Konzert freuen, bei dem kein Boogie-Freund unzufrieden nach Hause gegangen sein dürfte. (Thorsten)


Auch UNISONIC, die mit einiger Verspätung dann doch noch auf die Bühne kommen (Glück muss der Mensch haben), wirken sehr souverän. Und das, obwohl Michael Kiske, wie man hinterher hört, wohl ziemlich nervös gewesen sein muss. Aber mit den beiden PINK CREAM 69 Recken Dennis Ward und Kosta Zafiriou, sowie dem Ex- GOTTHARD und KROKUS Klampfer Mandy Meyer, hat er ja ziemlich erfahrene Kollegen an seiner Seite, und so fällt es dem gemeinen Fan wahrscheinlich gar nicht weiter auf. Kiske, der fast bei jedem Song die zweite Gitarre spielt, singt sich locker durch die Setlist. Auch wenn ich es nicht wirklich erwartet habe, aber der ein oder andere HELLOWEEN Song mehr hätte mir schon gefallen. So sind aber „Cross The Line", I'll Be Gone", „Set Me Free", „Souls Alive", "Sign Of The Times", "Streets Of Fire", "The Setting Sun", "My Guardian Angel" sowie die beiden HELLOWEEN Songs "Kids Of The Century" und "A Little Time" auch ok für den ersten großen Livegig für Michael Kiske seit etlichen Jahren. (Dirk)

Das NWoBHM Urgestein RAVEN wirkt ein wenig wie eine ergraute Version von SPINAL TAP. Dier überdrehten und etwas ungelenken Posen der Gallagher-Brüder (abgesehen von Schlagzeuger Joe Hasselvander, der gelegentlich SPINAL TAP-typisch den Eindruck macht, sein Ableben könnte auch zeitnah erfolgen) tragen dazu ebenso bei, wie die chronischen Probleme mit Gitarrenamp und Sender, die Mark dazu bringen, "The amps are bullshit"-Chöre zu beginnen.
Von diesen kleinen Startschwierigkeiten abgesehen, liefern die Engländer aber eine unterhaltsame Show ab und feuern einen Klassiker nach dem anderen ins Publikum, was besonders die Oldschool-Fraktion dankbar aufnimmt. Keine Frage, RAVEN haben das Motto ihres Erstlings "Rock Until You Drop" verinnerlicht. (Thorsten)

Auf SAGA, die um 18:15h die Sweden Stage entern, war ich sehr gespannt, weil ich zwar auf der Abschiedstour ihres ehemaligen Sängers Michael Sadler dabei war, aber Rob Moratti, den „neuen" Mann am Mikro, noch überhaupt nicht kannte. Schön ist direkt zu erkennen, dass er in keinster Weise Michael Sadler zu kopieren versucht, sondern den Songs seinen eigenen Stempel aufdrückt. In Sachen Bühnenperformance muss der Mann aber definitiv noch arbeiten, denn echten Kontakt zum Publikum bekommt er mit seinen zum Teil doch sehr aufgesetzt wirkenden Gesten nicht. Der Sound ist aber dafür absolut klasse, und so ist die Stimmung vor der Bühne bei Songs wie „Wind Him Up", „Cat Walk" „Humble Stance", „Sound Of Strangers" oder natürlich auch „On The Loose" voll im Grünen. (Dirk)

Die Wiedervereinigung von BACHMAN & TURNER, den beiden Herzstücken von BACHMAN TURNER OVERDRIVE (BTO - wobei sich da so einige Bachmans getummelt hatten), war eine kleine Sensation, von der aber niemand so recht wusste, was davon zu halten ist. Immerhin war am Mittag auf einer Pressekonferenz bereits bekannt gegeben worden, dass die Zusammenarbeit auch über das Festival hinaus weitergeführt werden soll.
Vor allem Randy Bachman wirkt zunächst etwas verhalten, taut aber im Laufe des Auftritts merklich auf, auch wenn seine Gesangsleistungen nicht an die von Fred Turner heranreichen. Trotzdem weiß das Duo mit seiner Begleitband und Hits wie "Four Wheel Drive", "Taking Care Of Business" und natürlich "You Ain't Seen Nothing Yet" zu unterhalten und bringt nicht nur Zuschauer jenseits der 50 zum Tanzen. Für die einen eine Zeitreise in die eigenen Jugend, für andere in eine gar nicht so graue Vorzeit. (Thorsten)

Beim Thema "graue Vorzeit" kann man fast bleiben, denn mit W.A.S.P. schickt sich der nächste Dinosaurier an, die Bühne zu stürmen. Die Mannen um Blacky Lawless hatten angekündigt. ausschließlich Songs von der ersten beiden Alben "W.A.S.P." und "The Last Command" zu spielen. 
Und auch wenn sich dann doch zwei Songs von der aktuellen Scheibe in die Setlist gemogelt haben, machen W.A.S.P. an diesem Abend schlicht alles richtig. Blacky ist bester Laune, post was das Zeug hält und lässt sich von seiner jungen Begleitband von einem Klassiker zum nächsten treiben. So gelöst habe ich Lawless schon lange nicht mehr erlebt, und auch die Fans nehmen die Energie von der Bühne gerne auf und feiern die Kultsongs lautstark ab. In der Form dürfen W.A.S.P. gerne wieder öfter auftreten. (Thorsten)

Willkommen zum Grande Finale: Zumindest im internationalen Lager der Musikjournalisten hielten sich die Wetten die Waage, ob GUNS N' ROSES zu spät oder gar nicht auftreten bzw. das Konzert, aus welchem Grund auch immer, frühzeitig abbrechen würden. Auch die zahlenden Gäste sind wohl eher misstrauisch, denn obwohl sich GUNS N' ROSES Shirts und Bandfahnen am Samstag öfter mal im Publikum finden, scheint so rechte Vorfreude nicht aufzukommen. Dazu kommt, dass die Band auf ihrer Homepage angekündigt hat, eine halbe Stunde später auf die Bühne gehen zu wollen, wovon auch die Sweden Rock Orga nur zufällig erfahren hat.
So beginnt das Warten auf den Headliner - obwohl der Hubschrauber, der Axel Rose eingeflogen hat, schon während des W.A.S.P.-Auftritts gelandet ist. Nach der angemeldeten halben Stunde sind die Buhrufe und Pfiffe aus dem Publikum nicht mehr zu überhören, doch die Band genehmigt sich noch die akademische Viertelstunde, bevor sie dann doch mit einem Song vom aktuellen Album "Chinese Democracy" auf die Bühne kommt.

Zunächst: Axel Rose 2010 hat äußerlich nicht mehr viel mit dem Mann zu tun, der Mitte der 80er nahezu perfekt die Wut der Jugendlichen auf die Welt kanalisierte. Aber: Die Stimme ist da und hält. An dieser Stelle hätten GUNS N'ROSES Sölvesborg vielleicht sogar noch für sich erobern können, aber die mit zu vielen neuen und zu vielen langsamen Songs sowie mit drei Gitarrensoli und einem Pianosolo überfrachtete Setlist kann trotz guter Leistungen der jungen Band (optisch etwas zu mühsam und mit Designerklamotten auch nur bedingt glaubwürdig auf Sleaze getrimmt) nicht wirklich begeistern. So ernten dann auch das kurz angespielte PINK FLYOD Cover "Another Brick In The Wall Part II" und das "Pink Panther"-Solo fast schon die meisten Reaktionen. Immerhin wacht die in der Zwischenzeit deutlich geschrumpfte Menge am Ende bei Songs wie "November Rain", "Knocking On Heaven's Door" und "Paradise City" wieder etwas auf. Objektiv ist das Gebotene sicher kein schlechter Auftritt; aber auch nicht das, was man von dem Namen GUNS N' ROSES oder einem Festivalheadliner erwartet. (Thorsten)

Fazit:

Das Sweden Rock Festival bleibt vielleicht das aktuell schönste, sicher aber das derzeit bestorganisierte Festival in Europa. Trotzdem - und das ist die Lehre, die ich aus diesem Jahr gezogen habe - werde ich es nicht noch einmal blind planen, also ohne zum Zeitpunkt der Buchungen bereits einen Teil des Programms zu kennen. Denn musikalisch haben mir dieses Jahr einfach die Aha-Erlebnisse gefehlt. Während ich letztes Jahr jeden Tag wenigstens ein Mal begeistert vor einer Bühne stand, habe ich dieses Mal viele gute Bands gesehen - das Gefühl, gerade etwas Besonderes zu erleben, hat mir aber gefehlt. Das Wetter hat sicher auch seinen Teil zum etwas durchwachseneren Fazit beigetragen. Bei ständigen Schauern an drei von vier Tagen fällt das gemütliche Im-Gras-sitzen und einfach mal das Festival genießen natürlich weg. Empfehlen würde ich das Sweden Rock jederzeit, aber man sollte vorher schon einen Blick auf das Billing werfen, ob da auch wirklich persönliche Höhepunkte zu erwarten sind. (Thorsten)

Im Großen und Ganzen kann ich mich diesem Fazit von Thorsten nur anschliessen, obwohl für mich mit GARY MOORE das absolute Highlight überhaupt am Start war. Auch wenn ich mir den ein oder anderen Song mehr gewünscht hätte, war sein Auftritt mit dem Set aus alten Hard Rock Nummern alleine schon die Reise wert. Dass RONNIE JAMES DIO ständig gegenwärtig war, ohne dass man das Gefühl hatte, sein Tod würde in irgendeiner Weise in den Mittelpunkt geschoben, fand ich von den Veranstaltern aber auch von allen Bands sehr pietätvoll gelöst. Für mich war das SWEDEN ROCK FESTIVAL dadurch meine persönliche Gelegenheit, mich von dem kleinen großen Mann zu verabschieden. 
Das Wetter war zwar tatsächlich manchmal unangenehm, konnte uns aber nie die gute Laune verderben. Ein Festival steht und fällt zwar meistens mit dem Billing, aber in Sölvesborg ist es wie sonst nirgendwo gerade die Atmosphäre, die einen fesselt. Daher komme ich gerne wieder, auch wenn mir das Billing vielleicht nicht ganz so zusagen sollte. (Dirk) 

Fotos (c) BurnYourEars / Thorsten Beermann

Artikel dazu