Geschrieben von Montag, 06 März 2006 09:28

Kissin Time, Mike Stone and Friends - Kassel, Fiasko


Kissin Time
Kissin Time, Mike Stone and Friends - Kassel Fiasko, 4.3.06

Seit über 10 Jahren spielt und feiert die Kasselaner Kiss-Cover-Band KISSIN TIME sich mittlerweile mit einer immer noch wachsenden Fangemeinde durch Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Mitglieder sind seit Jahren Thorsten Schütz (Paul Stanley), Andreas Wendel (Gene Simmons), Mathias Kreis (Ace Frehley) und Mike Kramer (Eric Carr). Am Samstag gab es eine Wiederholungsparty der in Fankreisen legendären Milleniumsparty aus dem Jahre 2000. Zeitgleich fand ein Treffen der größten deutschen Kiss-Online-Community www.kissnews.de statt. 
Als Schmankerl in der Pause konnten die Jungs noch zwei alte Bekannte der ehemaligen Band TORPEDO GIRLS gewinnen, Mike Stone und Stanley Sparrow.


Um 18:30 war Einlass, die Groupies hatten sich bereits Plätze in der ersten Reihe gesichert und waren die gesamte Zeit auch nicht von diesen Positionen weg zu bewegen (ja, auch eine Band wie KISSIN TIME hat Groupies, ob sie wollen oder nicht…). Mit einer dezenten Verspätung von ca. 30 Minuten kamen die Herren in Zivilklamotten und sehr entspannt auf die kleine aber feine Bühne im Fiasko und begannen ein Unplugged Konzert, wie weiland KISS bei MTV. Der Sound war absolut klasse, klar und laut genug, um es trotzdem irgendwie gemütlich erscheinen zu lassen. Der kleine Laden wurde recht schnell sehr voll, bereits im Vorverkauf gingen über 100 Karten weg. Wenn man bedenkt, dass das Fiasko nur ca. 200 Leute fasst und noch etwas später um die 350 sich drin stauten, wundert man sich nur, dass bis auf eine angeditschte Nase nichts weiter passiert ist. Gemütlicher Start in den Abend, der noch viel versprach. Wie die Kellnerin da allerdings tapfer und fleissig wie ein Bienchen die Biere trotz totaler Überfüllung servieren konnte, blieb allen schleierhaft. Dickes Kompliment an die Crew vom Fiasko.

Nach ca. 1 ¼ Stunden wurde es kurzfristig ruhig, nur um dann zusehen zu können, wie Herr Stone einen Kontrabass auf die Bühne wuchtete. Herr Sparrow folgte mit einer hübschen kleinen Fender. Fragezeichen im Publikum. Zumal die beiden Herren in ziemlich putzige Klamotten gekleidet waren, die dem Kenner bereits andeuteten, dass da eventuell mehr so die obskuren KISS-Songs gespielt werden könnten. Dem war dann auch so. Lediglich mit Kontrabass und Akustikgitarre bewaffnet jammten sie ein Set hin, dass dem etwas verwöhnteren Fan ein Grinsen nach dem anderen ins Gesicht trieb. „Radioactive“, „Speeding Back To My Baby“ (in einer absolut göttlichen Easy-Listening Version), „Move On“…zu neunzig Prozent Songs aus den Solo-Alben von KISS von 1978, herrlich. Es war einfach zu schön zu beobachten, wie dem Publikum praktisch Fragezeichen aus den Hirnen quollen, nur um dann zuzusehen, wie sich diese dann ganz schnell bei Erkennung in Ausrufezeichen wandelten.

Ziemlich zum Ende hin sollten dann die „Friends“ dazukommen. Diese entpuppten sich als Pascal aus Holland, Peter aus Koblenz und die Verfasserin dieser Zeilen. Wie unangenehm. Besagte Verfasserin kann wirklich nicht singen, „Mr. Make Believe“ ist ganz ganz doll schwer zu singen und der eine Tequila vorweg hat auch nicht viel geholfen. Immerhin hat keiner „ausziehen, ausziehen“ gebrüllt. Mantel des Schweigens bitte! Peter sang nicht, sondern markierte Rhabarber und Pascal musste mal eben wohin. Schade. Aber nach den Gesichtern im Publikum kam die kleine Einlage bestens an. Macht ja auch Spaß, Bekannte sich blamieren zu sehen…

Nett war auch die kleine Showeinlage mit Blutspucken. Nächstesmal aber bitte Blut nehmen, was man auch wirklich in den Mund nehmen darf. Nach der Blutorgie entdeckten Sparrow und Kat nämlich, dass auf der Tube ein fettes "Nicht in den Mund nehmen" draufstand. Oha.
Verschwitzt aber happy hoppsten die beiden Vollblutmusiker dann von der Bühne, um erneut KISSIN TIME Platz zu machen, die aber noch am schminken waren.

Setlist Mike Stone and Sparrow:

Radioactive (War Machine)
Move On
Rip It Out
Anyway You Want It
Got To Choose
All American Man
Two Timer
Wouldn´t You Like To Know Me (Love Theme From Kiss)
Parasite (Naked City)
Speeding Back To My Baby
Strange Ways
Mr. Make Believe
Save Your Love
See You Tonite
Tomorrow & Tonite
Is That You (She)

Als gegen 23:00 dann endlich das Intro ertönte, konnte man die Luft schneiden, zerhacken und als Sondermüll abgeben. Mit einer netten kleinen Explosion starteten KISSIN TIME sofort durch mit „Deuce“. Die Band ist bekannt für sehr originaltreue Kostüme sowie die authentischen Instrumente, die fast alle in Eigenbau von Thorsten „Paul“ Schütz entstanden sind. So auch die berühmte Lauflichtgitarre von Kreischi aka „Ace“ bei „New York Groove“ oder die Klampfe die bei "Shock Me"eigentlich blitzt und raucht. Eigentlich. Kreischi meinte nur leicht verzweifelt: „Oh, ich hab da einen bösen Verdacht…“ und dann war Stille. Macht ja nix, grade so was zeichnet die Band auch aus, dass sie dergleichen Pännchen immer mit einer netten Prise Humor zu wissen nehmen. Mal vergisst das Paulchen sich den Helm bei „Firehouse“ aufzusetzen, mal schmeisst sich Basser Andy „Gene“ Wendel unfreiwillig gen Boden, mal pfeffert Mike aka Eric die Rosen bei "Beth" in den Deckenventilator. Alles schon passiert, aber diesmal schien alles glatt zu gehen. Die Meute tobte dermaßen, dass die Verfasserin es nach der ersten Hälfte aus purer Atemnot vorziehen musste, sich aus der ersten Reihe zu verziehen. Ging einfach nicht mehr. 

Die Band leistete einen absolut tighten Job, musikalisch bestens gespielt, inklusive der so geliebten Show-Einlagen wie der Strip bei „Love Gun“ (nur seine Hosen will und will der Schütz einfach nie ausziehen... komisch) und Blut und Feuer bei „God Of Thunder“ und „Firehouse“. Alles da, alles verlangt, alles gegeben. Was will man mehr. Verfasserin hätte gerne mal eine andere Setlist, aber der gemeine Fan verlangt nun mal die Hits und KISSIN TIME liefern genau das Gewünschte. Party hat man trotzdem. Und was für eine. Kann ja die Band nix für, wenn ich so spezielle Wünsche habe... Mit einem fetten Konfettigeballer zu „Rock And Roll All Nite“ wähnte man sich erschöpft am Ende, aber nö, sie legten nochmal drei Songs nach. Unglaublich. Man fragt sich ja auch bei den geschätzten 45 ° Hitze, wieso der „Ace“ völlig unrockrollermäßig sich einen Kaffee auf die Bühne bestellt hat. Nach einiger Zeit bemerkte er dann auch lakonisch, dass das eine wirklich blonde Idee war... und griff zum Bier. Besser ist das.

Noch lange nach dem letzten Akkord wanderten die Helden immer noch im Kostüm umher und gaben Autogramme, Fotos und was man so haben möchte, wenn man wie ein österreichischer Fan 800 Kilometer aus der Steiermark anreist. Für schlappe sieben Euro Eintritt gab es bis knapp 1 Uhr Nachts Vollbedienung, wo kriegt man so was noch. Noch ganz viel später sah man Thorsten „Paul“ mit glücklichem Gesicht alleine herumtanzen. Hat ihm wohl auch gut gefallen, das Ganze…

 

Setlist KISSIN TIME

Deuce
Strutter
Cold Gin
New York Groove
Firehouse
Unholy
I Was Made For Loving You
I Love It Loud
Creatures Of The Night
Makin´ Love
Shock Me
Dr. Love
Love Gun
God Of Thunder
Psycho Circus
Shout It Out Loud
Black Diamond
Rock And Roll All Nite
Detroit Rock City
Lick It Up
God Gave R´n R To You