Geschrieben von Donnerstag, 18 Dezember 2008 01:27

Opeth, The Ocean & Cynic - Hamburg / Markthalle

opeth_mikael

12.12.08 - Es drängen sich lange Schlangen auf dem Fußweg des Klosterwalls vor der Markthalle.Aus dem Auto, das vor dem Stagetruck parkt, ertönt in heftiger Lautstärke "Wreath", und die Insassen bringen sich schon mal in Stimmung für OPETH. Die Markthalle ist ausverkauft an diesem Sonnabend, sowie viele andere Venues auf dieser Tour. Langsam schieben sich die Menschenmengen die Treppen hinauf, werden nur einzeln durch die Absperrgitter gelassen, wenigstens fällt in dem Gedränge die Kälte nicht mehr so auf. Ich höre aus dem Stimmgemurmel immer wieder fremde Sprachen heraus, viele haben eine weite Anreise für dieses Konzert in Kauf genommen.

Endlich im Inneren der Markthalle, geht es mit einiger Verspätung mit THE OCEAN, der ersten Supportband, los. Eine gute Wahl, die Deathmetalfans nicht enttäuschen wird. Von der Musik her eher sehr progressiv, der Gesang dafür volle Breitseite und brachial. Als nächste Band kommen CYNIC auf die Bühne, die eine virtuose Mischung aus Progressive Rock und Psychedelic spielen. Sie entführen das Publikum in experimentelle Klangwelten, haben hypnotische Downtempopassagen, die sich mit harten schnellen Parts abwechseln. OPETH haben hier wohl absichtlich ihren Support so ausgewählt, dass für beide "Lager" im Publikum was dabei ist.

Mit freudiger Aufregung stürme ich nach vorne, als der Umbau fast erledigt ist und der Gitarrenroadie einige Passagen auf Fredrik Akessons Gitarre zum Besten gibt. Dafür gibt es auch reichlich Applaus aus der dichtgedrängten Menge des Publikums. Eröffnet wird schließlich mit "Heir Apparent". Was besonders auffällt, ist der abgerundete Übergang zwischen den elegischen und den harten Parts, der wie auf dem letzten Album "Watershed" auf einmal fließend und logisch erklingt. Im Jahre 2006, als ich sie auf dem WOA sah, erschienen mir die Stücke noch sehr konstruiert, regelrecht zusammengestückelt, und live kamen sie nicht an die Qualität auf den Studioalben heran. Das hat sich gewaltig geändert, und auch bei "Godhead's Lament" ergibt sich ein abgerundetes Klangbild. Martin Axenrot macht mittlerweile an den Drums einen exzellenten Job, hatten ihm
doch bei früheren Konzerten einige Zuhörer "Geholze mit Drumsticks" nachgesagt und dem Vorgänger Martin Lopez nachgetrauert, der aus gesundheitlichen Gründen seinen Dienst bei OPETH quittierte.

Als viertes Stück gibt es "Lotus Eater", von dem Mikael Akerfeldt sagt, es sei sein Lieblingsstück zur Zeit, da es die ganze Komplexität und Widersprüchlichkeit seines eigenen Daseins musikalisch repräsentiert. Wirklich gelungen ist auch der Sound, die Drums werden sehr schön differenziert abgenommen, und auch Keyboard, beide Gitarren und Bass sind klar abgesetzt. Von dem für die Markthalle so typischen Soundbrei kann ich an den Plätzen, wo ich mich hindrängele, nichts feststellen. Die Lightshow ist mit ein paar Moving Lights, die vorwiegend mit lilafarbenem und grünem Licht strahlen, ausgewogen und untermalt den Klang passend, ohne durch Geflacker zu stören.

"Deliverance" ist nun das letzte Stück vor den natürlich lauthals geforderten Zugaben, und meine Nackenhaare beginnen sich aufzustellen, zu oft habe ich mir das ganze Album in finsteren Stimmungen samt Texten reingezogen...Live erscheint es dann gar nicht so abgrundtief finster, sondern präsentiert sich eher als Orgasmus für die Ohren. Das Zusammenspiel der beiden Gitarren bereichert diese Band unglaublich.

Jetzt geht OPETH gesammelt von der Bühne, um kurz danach die begehrten Zugaben in Form von "Demon Of The Fall" und "Drapery Falls" zu spielen. Danach ist es leider vorbei, und ich habe kaum noch Gefühl für Raum und Zeit, hätte lieber ewig weiter diesen Virtuosen gelauscht. Das Konzert war lang, von mir aus hätte es noch
viel länger dauern können.

Es ist lange her, dass ich von mir behaupten konnte, eine Lieblingsband zu haben. Waren es in Teenager-Jahren New Model Army, so haben es OPETH irgendwie geschafft, diesen Status bei mir zu erlangen. Nach dieser langen Tour durch die Staaten und Europa bleibt abzuwarten, wohin Mikael Akerfeldts Kompositionen beim nächsten Album gehen werden, und welche Einflüsse seiner musikalischen Entdeckungsreisen er mit einbringen wird.