Geschrieben von Sonntag, 25 Februar 2007 22:59

Blackfield & Pure Reason Revolution - Hamburg / Knust


20.02.07 – BLACKFIELD im Hamburger Knust, Pflichttermin für Alternative- bzw. Prog-Rock-Fans. Das ist bereits nach wenigen Metern in der Location klar, denn es herrscht reger Andrang, der mich bei einem nicht ganz geringen Eintrittspreis von 22,- Euro doch ein wenig überrascht. Es hat sich offensichtlich herumgesprochen, dass die Musik der Nebenband von PORCUPINE TREE Mastermind Steven Wilson und seinem israelischen Freund Aviv Geffen mehr als hörenswert ist, auch wenn das neue Album erst seit einem Tag in den Läden steht.

Der Laden ist einschließlich Galerie gut gefüllt, als die wortkarge UK-Band PURE REASON REVOLUTION pünktlich um 21 Uhr ihr Set beginnt. Im Hintergrund flirren Nahaufnahmen von Tieren, Raumshuttles (so sieht es zumindest aus) und allerlei Mustergedöns über die Projektionswand. Das stört mich zwar nicht groß, wäre aber auch nicht zwingend notwendig gewesen, denn der psychedelische Prog-Rock mit pluckernd-flirrenden Soundscapes verbreitet auch von ganz allein eine Atmosphäre mit leichtem Drogen-Trip-Charakter. Vereinzelt erinnern mich die lauschigen Songs an THE GATHERING, hin und wieder zocken die vier Musiker mit ihrer Bassistin und Frontfrau aber auch einige Stoner-Rock-Riffs, welche die ansonsten eher leichten, angeprogten Melodien nett kontrastieren. Nach 30 Minuten wird mir trotzdem etwas langweilig, denn die Stücke ziehen sich in die Länge und wirken stellenweise wie Endlos-Jams, und wirklich spannend wird`s eigentlich auch nie. Dennoch, ein gelungener Start an diesem Abend, der die Gehörgänge der vorwiegend aus dem Jugendalter entwachsenen Besucher auf den Hauptact einpegelt.

Zeit für wahre musikalische Größe. 22.12 Uhr, und von Beginn an liegt der Laden Steve Wilson, leger in Jeans und T-Shirt, zu nackten Füßen. Die Leinwand im Hintergrund hängt glücklicherweise nicht mehr; was jetzt noch auffällt, ist der optische Kontrast zwischen Wilson und Geffen, der in schwarzem Jackett mit Anzughose und roter Krawatte auf die Bühne kommt. Auch BLACKFILED halten sich mit großen Gesten und Ankündigungen weitgehend zurück, hier zählen die Songs – und die kommen live einfach um die Spur dynamischer rüber, die mir beim Album noch gefehlt hat.
Die Band spielt an diesem Abend ihr komplettes Zweitwerk „Blackfield II“ (ich meine zumindest, alle Songs gehört zu haben) für ein Publikum, das konzentriert und ruhig zuhört. Die melancholische Schwere der Platte lässt auch kaum Gelegenheit zum „gewöhnlichen“ Abfeiern irgendwelcher Passagen, was nicht bedeutet, dass BLACKFIELD nicht gebührend beklatscht und bejubelt werden zwischen den Titeln. Der Auftritt geht mir unter die Haut (insbesondere „My Gift Of Silence“ ist göttlich) und wenn auch das ALANIS MORISSETTE-Cover von „Thank You“ für meinen Geschmack ein wenig zu pathetisch rüberkommt (Wilson singt alleine und wird lediglich vom Keyboarder begleitet), so gibt es keinen einzigen Song, der live nicht zusätzlich an Emotionalität und Ausdruck gewinnt. Dazu kommt ein astreiner, voluminöser Sound und die absolut professionelle Darbietung der gesamten Band, die sichtlich genau so viel Spaß hat wie ihre Fans.
Vom Debüt erklingen „Pain“ und „Open Mind“, die Zugabe beenden „Once“ und das phantastische „Cloudy Now“. Um 23.20 Uhr gehen die Bühnenscheinwerfer aus, im Grunde viel zu früh, obwohl für mich kein Song gefehlt hat.

Ich hätte BLACKFIELD stundenlang weiter zuhören können. Wir sehen uns beim nächsten Mal.

www.blackfield.org