Geschrieben von Mittwoch, 21 August 2013 18:59

Aeons Confer beim Summer Breeze 2013 - Der Begleitreport


Ich habe das Glück und die Ehre, die Ausnahmemusiker der Hamburger Modern Symphonic Dark Metal Band AEONS CONFER zum Summer Breeze Festival zu begleiten. “Das Leben ist schön” denke ich mir daher auf dem Weg ins beschauliche Dinkelsbühl in Bayern. Die Jungs sind in der Vorauswahl zum „New Blood Award“ unter den sechs Finalisten gelandet, die am 14.08. die Party Stage rocken werden.

Den Gewinnern winken ein Plattendeal beim Label Century Media und ein Merchdeal mit EMP. Teil der Jury sind dieses Mal die schwedischen Melodic Death Metaller von DARK TRANQUILLITY, die nicht nur durch ihre Stimme den Sieger mit bestimmen werden, sondern ihn im Anschluss auch auf den weiteren Karrierepfaden begleiten. Für die Newcomerbands, die auf dem Summer Breeze ihr Können unter Beweis stellen werden, ist das eine großartige Chance: DARK TRANQUILLITY sind absolute Profis und gelten zusammen mit IN FLAMES, AT THE GATES und SOILWORK als bekannteste und prägendste Band des Göteborger Metal.

Nach über 600 Kilometern Autofahrt kommen wir am Mittwochmorgen endgültig auf dem Festivalgelände an. Es staut sich kilometerweit und die ersten hektischen Blicke auf die Uhr verraten: so lange ist es jetzt auch gar nicht mehr bis zum Line-Check. Glücklicherweise liegt der Artist- und VIP-Eingang nicht mehr in weiter Ferne. Die Mitarbeiter im Front-Office statten uns mit Bändchen, Poserpässen und Cateringkarten aus und entlassen uns aufs Artist-Camp-Gelände, keine 200 Meter von der Main Stage entfernt. Ja, hier lässt es sich aushalten. Wir teilen uns in Arbeitsgruppen auf, bauen die Zelte auf und bringen die Instrumente zur Party Stage.

Vor und auf der Bühne herrscht am Mittag noch geschäftiges Treiben und auch AEONS CONFER beginnen sich vorzubereiten. Nils baut das Schlagzeug für den Gig auf und trommelt sich warm, während Fronter Bernhard letzte Anweisungen für das Lichtpult durchgibt. Dann geht es auch schon los.

Die Mitfinalisten von WALKING DEAD ON BROADWAY stellen sich als erste dem Publikum und den wachsamen Augen und Ohren der Jury. Die fünf Deathcore Metaller aus Leipzig, die gerade an ihrem ersten Album arbeiten, schlagen sich gar nicht schlecht, auch wenn das Publikum aufgrund der recht frühen Stunde noch nicht ganz auf Betriebstemperatur läuft. Nach 25 Minuten ist der Spaß dann auch wieder vorbei. Das sind die Vorgaben des Contests.

Jetzt schlägt die Stunde von AEONS CONFER. Das Banner wird gehisst, die Aufsteller werden positioniert, Simon, Alexander und Holger stimmen ihre Saitengeräte. Ein letzter prüfender Blick auf die Bühnenoutfits, ein paar Fotos im Backstage und ein eiskalter Schluck Bier zur Einstimmung... dann entern die Dark Metaller die Bühne und preschen mit dem ersten Song „Symphonies Of Saturnus“ vom gleichnamigen, bald erscheinenden Debutalbum los. Man merkt den Hamburgern an, dass sie richtig Bock haben, hier zu sein und dem Publikum einzuheizen.

Der rasante und präzise gespielte Drumteppich treibt die Band an. Von Anfang an stehen hier alle Signale auf Vollgas, Thomas sorgt mit seinem Keyboard für einen sphärischen Teppich. Diese Band hat ein Konzept, das merkt man sofort. Die schwarzen Bühnenoutfits, die an futuristische Soldaten erinnern, passen perfekt zum harten, ausgereiften Sound.

Nicht weniger mächtig kommen dann auch die Folgesongs „Colossal Void“ und „Alienate“ um die Ecke, die dem Publikum ohne jegliche Pause entgegen geschmettert werden. Bernhards ausdrucksstarke Stimme und seine imposante Erscheinung leiten die Blicke der Zuschauer und spätestens bei „Aeonized“ (Video) ist klar, der Mann kann nicht nur growlen und shouten, er beherrscht auch noch den cleanen Gesang. Simon und Alexander lassen ihre Finger dabei so schnell über die Gitarrenhälse fliegen, dass einem regelrecht schwindelig wird und auch Holger zeigt am Bass, dass dieses Instrument weit mehr kann, als nur begleiten. Mit „Probe“ endet der Auftritt unter lautem Jubel der zahlreichen Zuschauer.

Trotzdem merkt man auch dieses Mal: es ist noch zu früh und vor allen Dingen zu hell. Das ganze Konzept von AEONS CONFER, die in Hamburg schon seit Jahren zu den innovativsten und besten Bands zählen, kommt im Dunkeln noch viel besser zur Geltung. Und auch um die musikalische Komplexität wirklich aufnehmen zu können, braucht es mehr als 25 Minuten. Doch die Mannen scheinen zufrieden, als sie wieder im Backstage erscheinen. Kein Wunder, nach dieser Leistung.

Von den nachfolgenden Bands kriege ich leider nur Bruchstücke mit, weil wir damit beschäftigt sind, Instrumente und Materialien zu verladen. Nur von STORMBORN, die im Anschluss ihren Slot haben, bekomme ich noch einige Zeilen mit. Die fünf Engländer gelten aufgrund ihrer musikalischen Ausrichtung als Favorit, so wird jedenfalls gemunkelt. Die Powermetalband hat bereits ein Album veröffentlicht und ist damit gar nicht mal so unerfolgreich. Auch sie kommen offenbar gut an, denn ich höre auch hier – einige Meter außerhalb des Zeltes – nach jedem Song lauten Jubel aus dem Publikum.

Als am frühen Abend auf der Bühne die Gewinner bekannt gegeben werden, bestätigen sich die Vermutungen: STORMBORN dürfen sich über einen neuen Plattenvertrag und einen weiteren Auftritt am Folgetag auf der Pain Stage freuen – was sie auch tun. Irgendwie gönnt man es den Jungs und es hagelt Applaus und Glückwünsche von allen Konkurrenzbands.

AEONS CONFER nehmen es nicht schwer. „Unser Album ist fertig. Es muss nur noch gepresst werden und dann bringen wir es selbst auf den Markt“, lässt Schlagzeuger Nils verlauten, „wahrscheinlich werden wir im September die "Symphonies Of Saturnus" veröffentlichen.“ Bernhard fasst zusammen: „Wir hatten einen super Auftritt und konnten neue Leute von uns überzeugen. Es war ein großartiger Gig und auch zu anderen Bands, wie den Mitbewerbern DAHACA aus Polen, konnten wir Kontakte knüpfen. Wer weiß, vielleicht spielen wir bald gemeinsam in Warschau.“

Für die Zukunft kann man also viel von den zielstrebigen und perfektionistischen AEONS CONFER erwarten. Für den Moment aber heißt es, das Festival weiterhin zu genießen, sich die großartigen Bands anzusehen, die noch auf der Running Order stehen und das eine oder andere Kaltgetränk zu sich zu nehmen. (Mehr dazu lest Ihr in unserem Festivalbericht zum Summer Breeze 2013, der in Kürze online gehen wird.)