Geschrieben von Donnerstag, 14 September 2017 21:57

Zons Rockt - Maxxwell, Tri State Corner, Refuge und Rage

Dormagen, 02.09.2017 - Statt Grimms Märchen gibt es auf der kleinen Freilichtbühne in Zons am Niederrhein ein Wochenende mit Rock und Metal. Nachdem der Freitag mit HEMESATH, SHUFFLE und VÖLKERBALL für mich aus Zeitgründen leider ausfallen musste, hat der Samstag mit MAXXWELL, TRI STATE CORNER und RAGE meets REFUGE genug Gelegenheit zu zeigen, dass es trotz langsam sinkender Temperaturen noch eine Weile dauert, bis Frau Holle gründlich den Spaß an lauter Musik unter freiem Himmel vermiest.

Seit 1935 im östlichen Zwinger der alten Zollburg Friedestrom beherbergt, bietet die kleine Freilichtbühne eine beeindruckende Kulisse. Schon bevor der Einlass zum eigentlichen Gelände eröffnet ist, gibt es das erste Bier an der Außenmauer der historischen Feste mit Blick auf den alten Mühlturm und das Südtor, während auf der Bühne noch deutlich hörbar der Soundcheck läuft. Auch wenn die Anlage mit ihren – eben auf Theater ausgelegten – fest eingebauten Sitzbänken nicht die optimalen Bedingungen für eine Metalparty mitbringt, macht sie dennoch einen sympathischen Eindruck.

Maxxwell

Den Anfang machen MAXXWELL aus der Schweiz. Die Eidgenossen bringen Spaß, auch wenn man sich im Publikum noch nicht ganz sicher ist, wie man mit den Bänken umgehen soll. Aber mit mitreißender Musik und einer für Schweizer durchaus überraschenden Energie auf der Bühne, bekommt die sympathische Band dann doch dem ein oder anderen Zuschauer die Erkenntnis eingehämmert, dass da kein Märchen für Schulklassen, sondern Hardrock für brüllende und hüpfende Metalheads aufgeführt wird.

Nachdem die Information bei allen angekommen ist, gibt es immer mehr, die sich von ihrem gemütlichen Sitz erheben und statt vornehm zu klatschen Fäuste und Pommesgabeln in die Höhe recken und dabei die eingängigen Texte der Schweizer mitbrüllen. Kein schlechter Einstieg in den Abend.

Tri State Corner

Eine etwas kürzere Anreise, dafür aber einen exotischeren Sound, haben TRI STATE CORNER aus Burscheid. Neben ihrem eigenen Sound bringt die Band auch eine an diesem Abend nicht mehr zu überbietende Anzahl an RAGE Schlagzeugern auf die Bühne. Nachdem bei MAXXWELL schon erkannt wurde, dass man auf den Bänken nicht sitzen bleiben muss, machen sich die ersten auf, um in dem schmalen Bereich zwischen Bänken und Bühne zu stehen und zur Bouzouki zu tanzen.

Die Musik macht Spaß und auch TRI STATE CORNER scheinen von der gemütlichen Atmosphäre der Freilichtbühne eher angestachelt als eingelullt. Fast schade, dass Frontmann Lucky bei RAGE hinter dem Schlagzeug verschwinden muss. Es wird Zeit für das neue Album und dann vielleicht nochmal eine Headlinertour.

Rage meets Refuge

Mit RAGE meets REFUGE macht sich bezahlt, dass TRI STATE CORNER mittlerweile zu 40 Prozent aus RAGE Schlagzeugern besteht. Zuerst darf Christos Efthimiadis als Teil der Tres Hombres von REFUGE weiter die Stöcke schwingen, um zusammen mit Peavy Wagner und Manni Schmidt die Frühzeit von RAGE zwischen 1987 und 1993 wieder aufleben zu lassen. Die Truppe mag zwar mal deutlich jünger ausgesehen haben, aber was sie an Energie und Spielfreude auf die Bühne bringen, könnte selbst die ein oder andere Schülerband in Atemnot bringen.

Den alten RAGE Katalog mit REFUGE so im Fokus zu sehen, ist durchaus eine Bereicherung, findet sich doch in den Tiefen des RAGE Gesamtwerks die ein oder andere Perle bei der sich, ob der schieren Menge glänzenden Zeugs in der großen RAGE-Kiste, seit Jahren niemand mehr die Mühe gemacht hat, sie zu entstauben.

Der schöne Teil des Konzeptes RAGE meets REFUGE ist dann die fliegende Übergabe. Nach einem kurzen, fünfköpfigen Intermetezzo übernimmt Marcos Rodriguez Mannis Platz an der Gitarre und Lucky Maniatopoulus nimmt auf dem Stuhl von seinem TRI STATE CORNER Kollegen Christos Platz. So werden aus REFUGE im Handumdrehen RAGE und Peavys aktuelle Truppe galoppiert durch den neuen Teil des Katalogs und die unverzichtbaren Klassiker aus der Zwischenzeit. Wenn man die RAGE Dreierkombos so um die Wette spielen sieht, muss man sagen, es sind eindeutig andere Bands, eine andere Chemie, ein anderer Sound, eine andere Energie, ohne genau mit dem Finger auf die Details zeigen zu können.

Vom Unterhaltungswert und von der Stimmung tun sich beide nichts, und so dürfen zum Abschluss noch einmal alle Fünf in den Publikumschören zu "Higher Than The Sky" baden. Der passende Abschluss für einen gelungenen Abend.