Geschrieben von Mittwoch, 03 April 2019 23:23

A Pale Horse Named Death - Der Bericht aus dem Logo Hamburg

2.4.2019 – A PALE HORSE NAMED DEATH spenden all jenen Trost, die TYPE O NEGATIVE hinterhertrauern. Der Querschnitt aus alten Songs und neuen Titeln von „When The World Becomes Undone“ bleibt jedoch ein etwas ambivalentes Vergnügen an diesem Dienstag Abend im Hamburger Logo – wie auch die Darbietung selbst.

Der Laden ist zu zwei Dritteln gefüllt, als um kurz nach 21 Uhr Drummer Johnny Kelly freundlich lächelnd die Bretter betritt und sich hinter sein übersichtliches Drumkit quetscht. Nach und nach betreten die anderen vier Musiker die schmale Bühne, wobei Sänger und Bandgründer Sal Abruscato sich ausführlich fürs Kommen bedankt. Nicht zum letzten Mal an diesem Abend betont er, wie wichtig die Fans für ihn seien: „We give you the music and you give us your energy … without you, we’re nothing!“ Dann geht’s in den Opener „To Die In Your Arms“.

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A PALE HORSE NAMED DEATH sind präsent

Der Sound ist sehr ausbalanciert und mit drei Gitarren (Eddie Heedles und Joe Taylor streuen hin und wieder coole, aber songdienlich Soli ein) klingt’s richtig fett. Die Jungs haben spürbar Bock: Sal Abruscato ist bestens bei Stimme, durchlebt seine Lyrics mit geschlossenen Augen und agiert souverän als Sänger und Gitarrist – für mich erwähnenswert vor dem Hintergrund, dass er insbesondere als Schlagzeuger von TYPE O NEGATIVE und LIFE OF AGONY Musikgeschichte mitgeschrieben hat. (Meine Metal-Adoleszenz war nun mal in den 90ern, für mich sind Johnny und er fast lebende Legenden. Doch ich dürfte mich in guter Gesellschaft befunden haben – der Altersschnitt lag an diesem Abend locker über 30.)

Vor allem Johnny Kelly verbinde ich mit alten TYPE-O-NEGATIVE-Tagen. Beim Anblick des gut gealterten Schlagzeugers muss ich schmunzeln – manchmal scheint es, als würde er vor seinen eigenen Drumsticks zurückzucken. Dabei sieht er mit zugekniffenen Augen und schräg verzogenem Mund für kurze Momente aus wie ein distinguierter englischer Lord, dem etwas ins Auge geflogen ist … trotzdem hält er jeden Takt.

Atmosphäre kommt zu kurz

Leider ergibt sich an diesem Abend kein Fluss, die Pausen zwischen den einzelnen Songs sind viel zu lang. Wiederholtes Stimmen der Instrumente, mehrere Hinweise auf's Merch am Ausgang und ein paar ziemlich unnötige Anrisse bekannter Coversongs – „Come As You Are“ von NIRVANA, DEEP PURPLEs „Smoke On The Water“ sowie eine immerhin sehr doomige Version des BEATLES-Hits „Come Together“ – stören immer wieder die durchaus zwischenzeitlich aufflackernde Atmosphäre.

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Der norddeutsche Fan stellt das Klatschen eben nach einer Weile ein, wenn der Sänger ihm zum Trinken ständig den Rücken zukehrt und die restliche Band dabei gefühlt minutenlang in der Gegend ‘rumguckt. Mangelnder Enthusiasmus bei den Fans ist an diesem Abend jedenfalls ein vorwiegend hausgemachtes Problem, das auf der Bühne zu offener Irritation führt: „You are so quiet … I can’t even tell If you like it or not … ?“ Doch, die Leute mögen es, das sehe und höre ich – aber eben auch gerne mal zwei, drei Songs am Stück.

Für mich ergibt sich ein weiteres Problemchen: Ich mag von jedem APHND-Album etwa drei Songs sehr gern, einen liebe ich – und den Rest finde ich prima bis ok. Leider spielen die Jungs an diesem Abend eine ganze Reihe von Songs, die ich nicht so spannend finde. Entsprechend groß ist meine Freude, als dann doch noch ein paar Perlen hervorgekramt werden, wie „As Black As My Heart“ oder „End Of Days“.

Das Erbe der Vergangenheit

joe taylor aphndEtwas überrascht bin ich, als jemand aus dem Publikum (immerhin angemessen verschämt) einen Song von TYPE O NEGATIVE fordert und Sal nur lapidar mit „Seriously … ?“ kontert. Aber vermutlich geht es ihm mittlerweile auch einfach gewaltig auf den Sack, ständig im Schatten des musikalisch nahezu unerreichbaren Genies Pete Steele zu stehen, der das Genre auch posthum noch regiert.

In Erinnerung bleibt natürlich dennoch ein schöner Abend mit einer motivierten Band, deren Mitglieder vielleicht auch einfach nicht mehr jung oder hip genug sind, um sich Ansagen wie "Wir haben ein neues Album draußen ..." und "Kauft CDs, MP3s klingen wie Scheiße!" einfach zu schenken.

Die Jungs von TRANSPORT LEAGUE hätte ich mir übrigens gerne angeschaut, leider habe ich sie dieses Mal als Vorband verpasst.

A Pale Horse Named Death - European Tour 2019 Tourdaten

28.03.19 Universum, Stuttgart
29.03.19 Strom, München
30.03.19 Eventwerk, Dresden
31.03.19 BiNuu, Berlin
02.04.19 Logo, Hamburg
05.04.19 The Tube, Düsseldorf
06.04.19 MS Connexion, Mannheim