Geschrieben von Montag, 09 August 2021 14:20

Beyond The Gates Uprising - Der Festivalbericht

August 2021, Bergen (Norwegen) – Wenn man schon mal in Norwegen ist, darf eins ganz sicher nicht fehlen: True Norwegian Black Metal! Umso mehr freute es mich, dass das ‚Beyond The Gates Festival‘ im Herzen Bergens nicht gänzlich abgesagt werden musste, sondern in einer ausverkauften, verkürzten Norwegen-Edition an zwei Abenden stattfinden konnte.

Das Mini-Festival fand in Bergens größter Konzerthalle statt, dem UFS Verftet, die sich in einer traumhaft schönen Kulisse am Hafen zwischen den Bergen befindet. Ein hölzener Außenbereich inklusive Bar mit Blick auf das Wasser wurde aufgebaut, ebenso gab es im Hinterhof einige Sitzgelegenheiten, um das eine oder andere Bier zu schlürfen und sich mit Merchandise einzudecken.

Trotz der hohen Corona-Zahlen in Norwegen (insbesondere in Bergen) scheinen es die Norweger:innen mit den Maßnahmen nicht sonderlich genau zu nehmen. Dennoch musste man sich als Besucher:in an einige Regeln halten: Zutritt zum Festival hatten nur vollständig geimpfte oder frisch getestete Besucher:innen. Eine Maskenpflicht gab es (wie überall in Norwegen) per se nicht, dennoch wurde das Tragen empfohlen.

Um seine Getränke zu schlürfen musste man sich hinsetzen, entsprechend gab es auch keine Kleckerei vor der Bühne, was definitiv seinen Vorteil hat. Im Zuschauerbereich waren auf dem Boden Vierecke gekennzeichnet, in dem vermutlich jeweils ein/e Besucher:in stehen sollte, woran sich aber sowieso keiner gehalten hat.

Freitag, 06.08.2021

Den Startschuss gab die heimische Band PHANTOM FIRE, die ihr rhythmisches Black‘N‘Roll zum Besten gaben, das mich persönlich sehr ansprach und auch die noch sehr wenigen Zuschauer:innen, die sich versammelt hatten, mitreißen konnte. Zum Schluss reckte der Sänger sein hölzernes Petruskreuz in die Höhe und trank dabei seinen Whiskey aus der Flasche – sehr trve!

Nach einer wirklich sehr pünktlichen Umbauzeit von gerade einmal 15 Minuten betraten auch schon die nicht unbekannten, ebenfalls bergensischen VULTURE INDUSTRIES die Bühne – der Zuschauerraum war nur leider immer noch ziemlich leer. Das hielt die Avantgarde-Metaller aber nicht davon ab, wirklich alles zu geben. Bjørnar Nilsen, in Hosenträger und Hemd zeigte uns alle seine hundert Gesichtsausdrücke, schmiss das Mikrofon enthusiastisch durch die Gegend (auch manchmal auf den Boden), marschierte wie wahnsinnig von links nach rechts über die Bühne und schaffte es schließlich mit seiner Ziehharmonika, die steifen Nacken der Norweger:innen zu lösen.

Zur Halbzeit gab es die unter den Nordmenschen sehr beliebte Black-Metal-Formation WHOREDOM RIFE inklusive Corpse Paint aus Trondheim zu sehen, bei der das Headbangen dann tatsächlich erst losging. Mit passender tiefblauer Beleuchtung kam das satanistische Ritual samt Ziegenschädel erst richtig zur Geltung und auch das Publikum growlte mit und reckte die Fäuste in die Höhe.

Nun hieß es Endspurt mit den zwei größten Acts des Abends. Mein Lieblingauftritt waren HELHEIM, die Mitbegründer des norwegischen Viking-Metals. Mit atmosphärischen Leinwandbildern untermalten sie ihre Klassiker, aber auch die neue Single „WoduridaR“. Nun trugen auch tatsächlich alle ihre Maske (was mich persönlich dann doch sehr beruhigte), doch riefen HELHEIM dazu auf, sich weiter vorne vor der Bühne zu drängen, was ich dann doch eher weniger toll fand in einer Pandemie-Situation. Da aber durch die reduzierte Besucherzahl genug Platz im Saal war, flogen jetzt die Haare nur so durch die Gegend.

Kurz nach 23 Uhr machte dann Gaahl (Ex-GORGOROTH) mit seiner Band GAAHLS WYRD den Abend perfekt. Ebenfalls in eindrucksvollem Corpse Paint streifte Gaahl in Seelenruhe über die Bühne und zeigte mit dem Finger auf ein Opfer, dem sich dann jeweils die Nackenhaare aufstellten, und schrie währenddessen dämonisch rituell in sein Mikrofon. Vor ganz schlichtem Bühnenbild zelebrierten die vier Musiker ihre Black-Metal-Messe – alles, was man sich von norwegischem Black Metal erhoffen kann.

Nach fast sechs Stunden war der erste Teil des Beyond The Gates Festivals schon vorbei und ich auch ziemlich müde.

Samstag, 07.08.2021

Den Samstag eröffneten die Hard Rocker SAHG, deren Auftritt zwar nett aber nicht besonders herausragend oder erinnerungswürdig war. Es war jedoch die einzige Band, die ihre Ansagen auf Englisch hielt, für die wenigen internationalen Gäste (insbesondere Deutsche). Dennoch schien das Publikum im Vergleich zum Vortag wieder in das Konzertfeeling reinzuwachsen und hatte genauso viel Spaß wie das Quartett auf der Bühne.

Eine weitere Neuentdeckung auf diesem Festival waren für mich die Atmospheric-Black-Metaller VEMOD, die vor einer Waldlandschaft und Sternenhimmel einige ihrer etwas älteren Songs ausgepackt hatten und das Publikum zum Träumen anregten. Ohne eine große Show zu machen, spielten sie schlicht und einfach, dabei aber eindrucksvoll und intensiv ihre Interpretation der Naturgewalten in schwarzmetallischer Verkleidung.

Den dritten Auftritt des Abends stellten AETERNUS dar, die ebenfalls eine mitreißende Show mit allerhand Bühnenaktivität präsentierten. Die Begeisterung der Zuschauer:innen konnte nur erahnen lassen, wie intensiv der Abend noch werden würde.

Noch viel düsterer wurde es dann mit DJEVEL, die – ganz eingekleidet in Umhang und Corpse Paint – mit hochkarätigem Black Metal in seiner reinsten und mitreißendsten Form begeisterten. Wobei die langen Songtitel nicht das einzige Beängstigende waren, sondern auch einige ekstatische Fans, die ganz wahnsinnig ihre Augen verdrehten und sich mit ganzer Seele dem Spektakel hingaben.

Nun kam der Auftritt, auf den alle auf diesem Festival gewartet hatten: Die Vorfreude auf TAAKE hatten sich die Nordmenschen nicht nehmen lassen und unter lauten Rufen, Gebrüll und tosendem Applaus betraten ‚Hoest‘ in langem Umhang und seine fünf Livemusiker die Bühne. Jetzt erst zeigten die Norweger:innen, wie Headbangen richtig geht.

Hier konnte man wirklich sehen, dass Konzerte in reduzierter Form zwar nicht dasselbe sind wie zuvor, aber dennoch – wenn die Stimmung passt – sehr durchdringend sein können. Erst bei diesem letzten Act hatte ich wieder das Gefühl von Vor-Coronazeiten. TAAKE gaben sich alle Mühe, das Chaos unter die Menge zu mischen und hatten absolut keine Probleme dabei, dem Publikum einzuheizen.

Fazit

Das Beyond The Gates Festival hat sich in jeglicher Hinsicht gelohnt und ich bin froh, dass ich an dieser ganz besonderen Norwegen-Edition mit diesen größtenteils einheimischen und ausschließlich norwegischen Künstlern teilhaben durfte. Insbesondere nach einer wirklich langen Zeit ohne Konzerte war dieses Festival nicht nur Balsam für die Seele, sondern auch ein sehr intensives Erlebnis, das ich jedem, der zufälligerweise zu gegebenem Zeitpunkt in Norwegen sein sollte, empfehlen kann.

Dennoch muss angemerkt werden, dass das Festival unter diesen Auflagen in Deutschland so nicht hätte stattfinden können. Mir ist manchmal (ganz trainiert auf die deutschen Coronamaßnahmen) hin und wieder doch ein wenig unbehaglich geworden, sodass ich mir ein wenig mehr Luft um mich herum gewünscht hätte.