Geschrieben von Sonntag, 14 Oktober 2007 22:47

Filthrock V - Der Festivalbericht



Review

 

22.09.2007 / Prenzlau - Das sollte es nun also sein, mein letztes Open-Air-Festival in diesem Jahr. Nach einem kurzen Blick auf die Liste der diesjährigen Bands und dem mehrmaligen Lesen der Worte „Death“ und „ Metal“ hatte ich mich, ansonsten eher unbedarft was das Billing betraf, kurzerhand überreden lassen, die Open-Air-Saison mit dem Filthrock V ausklingen zu lassen. Also fix die Tasche gepackt und los ging es...

Da sich die Anfahrt als länger als geplant herausstellte, war schon am Ortsschild Prenzlaus klar, dass wir den Opener LAST SOLUTION nicht mehr komplett würden sehen können. Trotz der veranschlagten Spielzeit von gerade einmal 20 Minuten hatten wir aber noch die Hoffnung, wenigstens ein paar Klänge der Prenzlauer mitnehmen zu können. Nach einigem Gekurve um das Festivalgelände wurde schließlich ein Parkplatz gefunden und voller Tatendrang auf die Freilichtbühne zugesteuert.
Gleich am Einlass erhielten wir jedoch einen erheblichen Dämpfer, als uns verkündet wurde, dass das Gelände, wenn es einmal verlassen wurde, nicht wieder betreten werden darf. Im Hinblick auf das doch eher winzige „Festivalgelände“, welches einzig aus der kleinen Freilichtbühne und 4 oder 5 Ständen drum herum bestand, war das absolut unangebracht. Die Security hatte aber klare Anweisungen und so richteten wir uns wohl oder übel darauf ein, die nächsten gut 12 Stunden auf engstem Raume zu verbringen.
Während des Gegängels mit der Security hatten LAST SOLUTION ihr Set auch schon beendet und somit hatte ich die einzige Trash-Metal-Band des Tages verpasst...

So richtig losgehen konnte es für mich dann also erst mit CEREBRIC TURMOIL, die mich, trotz der etwas gewöhnungsbedürftigen spastischen Bewegungen des knapp 2 Meter großen Sängers, sofort begeistern konnten! Was im ersten Moment noch als reiner Grindcore begann, bekam nach und nach immer mehr Melodie, verfügte über diverse Breaks und ging hinein in frickelige Jazz-Klänge. Der technisch perfekt vorgetragene Death machte nicht nur dem Publikum Spaß, und spätestens nach dem zweiten Song passten auch die Bewegungen des glatzköpfigen Shouters ins Gesamtbild.

Weiter ging es mit den Black-Metallern von STORMCROW, die leider von Anfang an mit Soundproblemen zu kämpfen hatten. So musste der erste Song unterbrochen und neu gestartet werden, der zweite kam komplett ohne Gesang daher. Anschließend hatte der Tontechniker die Regler aber wieder einigermaßen unter Kontrolle, und so konnten die Italiener ihren old-schooligen Black dem diesmal leider etwas spärlicher vorhandenem Publikum darbieten. Bemerkenswert war eindeutig der Schlagwerker, der auf die Felle eindrosch, als gäbe es keinen Morgen mehr, dabei aber trotzdem sauber und präzise spielte – und nebenbei auch den Gesangspart übernahm. Der technisch sehr sauber vorgetragene Black-Metal bot ansonsten leider nicht allzu viel Abwechslung und verschwand etwas in der Masse des Angebotes in diesem Genre...
Nach dem Set der Italiener fanden sich sofort diverse (weibliche) Fans für ein nicht enden wollendes Foto-Shooting ein. Anscheinend tut auch ein Corpsepaint dem berüchtigten Charme der Italiener keinen Abbruch ....

Während des abwechslungsreichen Death-Metals der Prenzlauer Jungs von DESPOTIC, die einmal mehr das ganze technisch perfekt über die Bühne brachten, gönnte ich mir eine erste Pause – allein auch, um den Anblick der plötzlich zahlreich vorhandenen Poger vor der Bühne nicht ertragen zu müssen...

Das abgesperrte Gelände rings um die Freilichtbühne war recht schnell erkundet: 4 oder 5 CD- bzw. Merchandise-Stände, einen Bier-Pavillon und einen Grillstand gab es zu sehen. Die Toiletten waren (auf jeden Fall wohl für alle Frauen!) für Festivalverhältnisse ein wahrer Luxus: Auf Dixies wurde verzichtet und es durften die der Freilichtbühne zugehörigen Toilettenhäuschen benutz werden – dafür Daumen hoch!

Pünktlich zum Auftritt der Death-Metaller von JACK SLATER fand ich mich wieder vor der Bühne ein. Schon im Vorfeld hatte ich von ihrem etwas kranken Humor gehört und freute mich nun auf einen unterhaltsamen Gig! Ihren technischen Death trugen die Bonner allerdings für meinen Geschmack etwas zu konzentriert vor – lieber sehe ich ein bisschen mehr Bewegung auf der Bühne und verzichte dafür (live) auf in aller Perfektion vorgetragene Soli, so schön sie auch auf Platte klingen mögen. Über Geschmack lässt sich ja zum Glück streiten - allerdings konnte auch das Publikum mit dem frickeligen Sound wenig anfangen und auch hier beschränkte sich die Bewegung auf ein Minimum. Für mich etwas enttäuschend beendeten die Jungs schließlich nach ein wenig mehr als einer halben Stunde ihr Set.

Die Spielzeiten der Bands wurden länger, die Umbaupausen auch. Durch den umfangreicher werdenden Graskonsum des Tontechnikers, der ab und zu auch einfach mal ganz von seinem Pult verschwand, begannen DEFEATED SANITY um bereits einiges verspätet ihren Auftritt. Neben dem singenden Schlagwerker der italienischen Sturmkrähe erfreute es nun mein Auge, endlich mal wieder einen langhaarigen Fronter auf der Bühne zu sehen! Das Publikum nahm den technisch ausgeklügelten Grindcore der Jungs aus Bayern dankbar an. Das erste Mal nach CEREBRIC TURMOIL füllte sich der Platz vor der Bühne wieder und sowohl Band als auch Publikum hatten ihren Spaß.

Die zweite Black-Metal-Band des Tages stand nun auf dem Programm: NEBULAR MYSTIC boten einen recht groovigen Sound, der sogar das bis dato eher pogende Publikum zum Bangen animierte. Abwechslungsreiches Riffing, nach vorne peitschender Sound und eine sehr spielfreudige Band rundeten das Bild ab – für mich nach CEREBRIC TURMOIL das zweite Highlight des Abends!

Bei den nachfolgenden SANATORIUM schlief der Tontechniker nun anscheinend ganz – erst, nachdem sich aus dem Publikum jemand erbarmt hatte, ihm zu sagen, dass das Mikro des Sängers mal wieder nicht geht, konnten die Slowaken ihr Grincore-Gewitter abfahren. Das Publikum erfreute es einmal mehr, ich selbst ging auf in einen erneuten Kampf gegen die erbarmungslose Security am Einlass, die mich nach einigem Hin und Her schließlich doch hinausließ. Nachdem ich mir etwas mehr angepellt hatte (es wird eben doch langsam Herbst...), stiefelte ich mit frisch gefülltem Met-Horn wieder an der Security vorbei – und hatte eigentlich selbst nicht daran geglaubt, dass diese das auf wundersame Weise wieder gefüllte Horn nicht bemerken würden... Aber gut, mir sollte es nur Recht sein...

Wie dem auch sei: Die Finnen von OMNIUM GATHERUM hatten bereits begonnen, als ich mich wieder zum Rest der seit Stunden vor der Bühne Ausharrenden gesellte. Und was soll ich sagen... Irgendwie hört man den finnischen Bands doch immer wieder an, dass sie nun mal aus Finnland kommen...
Der Sound der Mannen lässt sich genau genommen nicht ganz so einfach umschreiben – sie spielen wohl am ehesten einen sehr melodischer Death mit Einflüssen aus sämtlichen Sparten des Metals. Und vielleicht hätte mich diese Verspieltheit auch in ihren Bann ziehen können, wenn da nicht dieser schrecklich eintönige Gesang gewesen wäre...
Der Fronter variierte zwar ab und zu in den Gesangsstilen – aber ob metalcorige Shouts oder in den Black-Metal gehender, tieferer Gesang, jeder Stil für sich war trotzdem irgendwo langweilig und ohne Druck. Lange Haare sind eben DOCH nicht alles... ;) Ziemlich enttäuscht ob der in diversen Zeitschriften schon hoch gelobten Finnen gönnte ich mir für den Rest des Gigs noch ein Stück Fleisch am Grillstand...

An diesem Ort verbrachte ich dann auch den Großteil des Auftritts von FLESHLESS. Einmal mehr sah man, für welche Art von Musik das Publikum angereist war: Beim brutalen Death der Tschechen war der Mob vor der Bühne ordentlich zu Gange. Zu bemerken ist an dieser Stelle auch, dass die Band nach inzwischen neun schon vorher spielenden die Erste war, die einen recht passablen Soundcheck bekommen hatte...

Als nächstes durfte dann die Combo WAR FROM A HARLOTS MOUTH auf die Bühne. Meine anfängliche Abneigung gegen Hard- und Metalcore jeglicher Art zerstreute sich zwar ob des tretenden Publikums nicht ganz – die Band überraschte aber mit verspielten und frickeligen Jazzklängen, die von kranken Schreien des Sängers untermalt selbst mich in den Bann zogen. Teils clean, teils metalcorig-shoutend und dann wieder grindend – langweilig wurde es nicht, dem Mann bei seiner Arbeit zuzuhören!
Vor dem Publikum hatten die Berliner eindeutig ein Heimspiel, denn dieses feierte die Band selbst noch zu der inzwischen recht späten Stunde. Zur Verstärkung wurde schließlich noch der Fronter von CEREBRIC TURMOIL auf die Bühne geholt, der zwar dort dann nichts anderes tat, als in seinem eigenwilligen Tanzstil über die Bühne zu wandern, sympathisch war es allemal!

Den krönenden Abschluss des Abends bildete schließlich die Death-Metal-Combo HATE. Hier wurde dann auch darauf Wert gelegt zu zeigen, dass nun der Headliner nahte – der Soundcheck erreichte die Länge der Auftritte der ersten Bands. Dass er im Endeffekt so viel gebracht hat, wage ich zu bezweifeln – da der Tontechniker ja aber auch schon zur Hälfte des Tages nicht mehr auf der Höhe war, war ich schon dankbar, dass diesmal wenigstens die Mikros an waren...
Untermalt vom atmosphärischsten Bühnenbild des Abends (ganz viel Nebel zeigt eben immer wieder seine Wirkung) eröffneten die Polen mit einem zum Bangen animierenden Midtempo-Song ihr Set. Zum Abschluss des Tages gab es noch einmal lupenreinen, treibenden Death-Metal mit der ein oder anderen Black-Metal-Melodie um die Ohren gehauen, zu welchem ich auch zu gern mein Haupt geschüttelt hätte – aber lag es nun am anstrengenden Tag oder doch an dem in größeren Mengen konsumierten Alkohol – nach dem dritten Song musste ich dem Festivalgelände endgültig den Rücken zukehren und mich selig in mein (leider nicht ganz so bequemes) Auto fallen lassen.

Mein persönliches Fazit des Filthrock V:

Angekündigt als Festival, welches „von Punk über Rock bis hin zum Metal“ alles zu bieten hat (Quelle: www.filthrock.de), hielt es zwar leider nicht ganz, was es versprach, Spaß hatte ich trotzdem eine Menge!
Der Eintrittspreis von läppischen 12 Euronen im VVK für die gleiche Anzahl an Bands machte auch die leichte Enttäuschung über die doch recht geringe Besucherzahl und den kurzen Ärger über die Regeln am Einlass wieder wett. Vielleicht nicht gerade für die Freunde des Punk und Rock, auf jeden Fall aber für die Death- und Black-Metaller ist dieses Festival eine Empfehlung wert!