Geschrieben von Dienstag, 08 September 2009 20:03

Area 4 Festival 2009 - Der Nachbericht




Das AREA4-Festival zwischen Dülmen und Lüdinghausen - die Dritte!
Auch in diesem Jahr wurde es an einem Wochenende auf dem Borkenberger Flugplatz wieder ziemlich laut - und daran waren sowohl jede Menge Bands als auch 20.000 begeisterte Fans der Gitarrenmusik Schuld. Wie in den Jahren davor war auch das BYE-Team vor Ort, um das noch neue - aber mittlerweile etablierte und eigentlich auch immer recht stark abgefeierte - Festival zu begleiten.


Da es ja noch dieses kleine Übel namens Arbeit gab, konnte der Freitag erst relativ spät von uns mitgenommen werden. Allerdings führten ein verpasster Shuttlebus, Stau, ein qualmendes Auto (fehlende Kühlflüssigkeit) und ein längerer Fußmarsch dazu, dass wir erst recht spät am Campingplatz ankamen. Und so habe ich dann die DEFTONES auch nur gehört und nicht gesehen. Allerdings konnte ich von Ferne schon mitbekommen, dass „My Own Summer (Shove It)" schon extrem früh im Set gespielt wurde. Aber egal, denn die DEFTONES hatten durchaus noch einige Hits mehr in Petto und so klang das, was ich vom Zelt aus hören konnte, schon ziemlich ordentlich: die Unterkunft war aufgebaut und das Festival konnte beginnen.

Danach ging es dann aber endlich ab aufs Festivalgelände selber - und wow, das war schon etwas voller, als ich es in Erinnerung hatte. So sind in diesem Jahr mit 20.000 Besuchern noch mal 5.000 Menschen mehr dabei gewesen, als 2008. Und mit THE OFFSPRING habe ich dann auch mein erstes Konzert des Wochenendes gesehen. Und hier offenbarten sich dann schon einige Gegensätze: die Band selber war eigentlich extrem langweilig und fast alle (meine Güte, ist Dexter alt geworden) brauchten eigentlich auch nur ihren einen Quadratmeter Platz auf der Bühne. Bei so einer leichten Musik kann man eigentlich ein wenig Abgehen erwarten. Aber dem Publikum war es zum großen Teil ziemlich egal. Vor allem denjenigen, die die Band bereits seit Mitte der 90iger mitbekommen hatten: man kannte einfach jeden Song! Naja, die neuen Sachen fand ich persönlich eher langweilig, betrachte sie aber auch auf Konserve als ziemlich überflüssig. Aber alles, was von „Smash", „Ixny On The Hombre" und „Americana" gespielt wurde, wurde auch frenetisch abgefeirt. Und so gab es dann auch kein „hinten" und „vorne" mehr, da überall getanzt und gefeiert wurde. Aber wie gesagt, meiner Meinung nach lag das nicht an einer grandiosen Band, sondern an einem extrem zum Feiern aufgelegten Publikum. Und mit Hits wie „Self Esteem", „The Kids Aren`t Allright", „Pretty Fly (For A White Guy)", „Bad Habbit" und „Keep Em Separated" kriegst du nun mal eine Party zu Gange. Egal, ob man eigentlich eher „Teenie-Musik" dazu sagt...

Die TOTEN HOSEN habe ich verpasst, da ich mich ein wenig verquatscht habe, aber soweit ich es mir habe erzählen lassen, waren sie wie zu erwarten: gut! Ich habe sie selber mal vor ein paar Jahren auf einem Festival gesehen (übrigens auch nach THE OFFSPRING) und hatte keine rechte Lust auf den „Proll-Punk" - aber live sind die Herren um Campino einfach gut. Und diese Meinung wurde mir sowohl von Freunden als auch Gegnern der Düsseldorfer nach dem Gig bestätigt. Ihr großes Arsenal an Hits habe ich auch auf dem Campingplatz mitbekommen. Schon Wahnsinn, wie viele bekannte Songs die mittlerweile haben. Und vermutlich hätten die so auch noch ein paar Stunden weitermachen können.

Witzigerweise habe ich ziemlich genau das Gegenteil über die MAD CADDIES gehört: eigentlich eine sichere Bank, was die Live-Shows angeht, sollen sie diesmal ein absolut nicht rockendes Set zusammen gestellt haben, so dass mir selbst alte Fans der Band berichteten, sie an diesem Tag mit ihrer schlechtesten Show gesehen zu haben. Schade eigentlich.

Der Samstag begann für mich mit CALLEJON, auf die ich mich auch schon wie Bolle gefreut hatte. Und genauso spielfreudig, wie ich sie in Erinnerung hatte, fegten sie auch durch die Massen. Mit ihrer MetalCore/Screamo-Mischung wussten sie das Publikum am Mittag bereits zu begeistern und rechtfertigten ihr Vorhandensein auf dem Festival. Bei dem Spaß, den das Publikum ausstrahlte, hätten sie eigentlich auch etwas später spielen können.
Sänger Basti fuhr mal wieder seinen komplett eigenen Film. Ob es die sehr außergewöhnliche Gestik beim Singen oder die Ansagen waren („Das nächste Lied handelt von schwangeren Zwergen unter der Erde aus dem tiefsten Schlund der Hölle!"). Natürlich war auch das auf Masters Of The Universe gemünzte Lied „Snake Mountain" mal wieder der absolute Burner - nicht umsonst der erste kleine Hit der Band vor ein paar Jahren. Da es recht trocken war, beschwor jeder Moshpit vor der Bühne eine große, rote Staubbühne herauf. Diesmal waren die um den Mund gebundenen Bandanas also kein Zeichen von Bollos, sondern reiner Selbstschutz. Und bei einigen Songs von CALLEJON ging auch echt die Post ab - es wurden ordentlich Rauchzeichen in die Luft abgegeben.

Bei den grandiosen RIVAL SCHOOL war danach dann einiges weniger vor der Bühne los. Schade eigentlich, denn Walter Schreifels stellte sich auf dem Area4 als einer der sympathischsten Menschen vor, die man an diesem Wochenende auf der Bühne sehen konnte. Sehr charmant und mit mehr deutschen Wörtern ausgestattet als die meisten anderen Amis, führte er durch Songs vom „United By Fate"-Album, und ich glaube auch ein paar andere Songs seiner (langen) Karriere. Gekrönt wurde das Set natürlich vom RS-Hit „Used For Glue" und man konnte dem Publikum anmerken, dass Walter und die drei anderen wirklich Willkommen waren. Allerdings war neben dem Herrn Schreifels eigentlich nur der Drummer wirklich interessant - der hatte nämlich ordentlich Gesichtskirmes und jede Menge Spaß während des Spielens. Basser und Gitarrist waren dagegen eher relaxt bis versteinert. Der Basser wirkte auch eher wie auf Droge und an ein richtiges Lächeln war wohl nicht wirklich zu denken. Dafür machte aber ihr Frontmann alles wieder wett mit einer großen Portion Charisma. Der gute Sound und dynamische Songs halfen ihm allerdings auch dabei. Ein beschauliches, aber sehr schönes Konzert!

Mit den BROILERS kam dann der totale Stilwechsel, aber wenn ich bedenke, wie viele Menschen auf einmal vor der Bühne standen, wurde es dafür anscheinend auch höchste Zeit. Die Party, die mit den Düsseldorfern gefeiert wurde, war in der Tat schon ziemlich besonders. Auch hier war der Frontmann (ebenso wie der Rest der Band) extrem gut aufgelegt und strahlte mit der Sonne um die Wette. Die Massen vor der Bühne saugten jedes Stück gierig auf: Es wurde getanzt, gesungen und gefeiert und immer mal wieder gestaunt, was für eine Menge an Hits die "gar nicht mehr so Oi"-Band eigentlich auf Lager hat. Mich hat vor allem die Reggae-Coverversion von einem SLIME-Song umgehauen, an dessen Original-Titel ich mich jetzt grade nicht erinnere. Muss noch mal an meinen Plattenschrank und mir die „Schweineherbst" anhören! Bei der Resonanz, die die Herren und die Dame (samt Bläsersektion und Keyboarder) mit ihren Punk- und Reggae/Ska-Songs auslösten, wird man sie in weiteren Jahren wohl an einer späteren Stelle ins Lineup setzen müssen. Gute Songs, gut aufgelegte Band und Bewegung auf der Bühne - so muss das sein - dann klappt es auch mit deutschen Texten!

Nach den GET UP KIDS konnte ich endlich mal wieder einen Haken auf meiner „Muss ich noch live sehen"-Liste machen. Aber ähnlich wie bei den RIVAL SCHOOLS war auch bei dieser Band weniger los, als ich erwartet hätte. Und die Leute, die wirklich ihren Spaß hatten und bei jedem Lied mitfühlen konnten, waren meist auch schon etwas jenseits der zwanzig. Wenn ich mich recht erinnere, wurde direkt mit „Holidays" angefangen, und ab da war dann für meine Mundwinkel dann auch kein Halten mehr. Eine gut aufgelegte Band spielte gute Songs, die noch mal klar machten, dass Emo nun wirklich nicht gleich Emo ist. Lichtjahre von den modernen Kajalverbrechen entfernt, spielten sich die Amis durch ein wunderbares Set mit vielen Hits und einigen Songs, die zumindest ich zum ersten mal gehört habe. Und im Gegensatz zu den bereits erwähnten RIVAL SCHOOLS wussten die Jungs aus Kansas City, wie man eine größere Bühne nutzt. Außerdem konnte man ihnen (allen voran Gitarrist/Sänger Jim Suptic) den Spaß anmerken, denen ihnen diese Show gemacht hat. Ich habe zwar ein paar Songs von der „On A Wire" und das „How long would it take me..." vermisst, aber ansonsten waren die GET UP KIDS definitiv eine Bereicherung des Festivals - und jetzt habe ich sie endlich auch gesehen!

Danach konnte man eigentlich direkt vor der Bühne stehen bleiben, da es ähnlich wichtig weiter ging. Obwohl - THURSDAY sagen mir noch mehr zu als TGUK, und ehrlich gesagt überboten sie deren Gig auch um Längen. Aber nicht, weil letzte Band schlecht gewesen wäre. Nein, THURSDAY haben einfach mal den verdammt besten Gig des Festivals hingelegt. Ich habe sie im letzten Jahr ja auf dem Groezrock in Belgien gesehen und fand sie „gut" - aber das war überhaupt kein Vergleich zu dem Auftritt auf dem Area4. Sänger Geoff Rickly war ab der ersten Sekunde ein absoluter Frontmann und füllte diese Aufgabe mit Bravour aus. In seiner abgeschnittenen Jeans-Hose sah er zwar wie ein versiffter Schuljunge aus, aber auf der Bühne war er ein Phänomen. Selbst auf Platte klingt seine Stimme ja immer etwas wackelig bis leicht schief, aber hier übertraf er meine Erwartungen bei weitem - auch wenn THURSDAY-Hater natürlich nach wie vor von einer unsagbaren Emostimme sprachen.
Ein weiterer Höhepunkt der Show war, als die Band den Opener ihres neuen Albums spielte und dabei Tim von RISE AGAINST auf die Bühne gestürmt kam, um die Band gesanglich zu unterstützen: gute Stimmung bei allen Beteiligten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bands wussten THURSDAY, was man mit einer großen Bühne anstellt und nutzten diese auch entsprechend und wirbelten mehr oder weniger ohne Unterbrechung hin und her, wobei Rickly natürlich immer wieder in große Posen verfiel. Ich persönlich hätte mir zwar eine andere Songauswahl gewünscht, aber mit „Division Street" haben sie alles wett gemacht. Geile Show!

Bei den EAGLES OF DEATH METAL habe ich mir mal wieder eine kleine Zeltpause gegönnt - die Band war ja bereits im letzten Jahr mit dabei. Ich habe mir allerdings erzählen lasen, dass Sänger Jesse fünf Minuten vor Konzertbeginn auf der Bühne stand und mit einer Kippe zwischen den lächelnden Lippen einfach mal die Menge an Publikum bestaunte. Na, das wird wohl auch ein großartiger Anblick gewesen sein.

Auf AFI war ich gespannt, weil sie so viele unterschiedliche Reaktionen ausgelöst haben. Ich selber gehörte zwar zu der „Wenn die so aussehen wie in den letzten Videos, gehe ich kotzen"-Fraktion, aber viele Fans ihrer alten Platten überredeten mich, ihnen eine Chance zu geben. Aber sorry, seit diesem Auftritt verstehe ich, warum manche Menschen „Emo-Stimmen" nicht ausstehen können. Zwar sah Sänger Davey Havok längst nicht mehr so albern aus, wie ich ihn in den letzten Jahren wahrgenommen habe, aber er klang einfach nach einem 12jährigen im Stimmbruch. Sorry, aber ich war irgendwo zwischen Kopfschütteln und Lachen. Ein paar alte Songs gefielen mir zumindest von der Geschwindigkeit her und ja, die Band wusste auch die Bühne für sich zu nutzen, aber ansonsten konnte ich dem Auftritt der Amis tatsächlich nichts abgewinnen. Entschuldigung an alle Fans, die sich jetzt auf den Schlips getreten fühlen, aber dieser Auftritt war selbst mir als jemandem, der Emo mag, zu schräg. Das kann ich leider auch nur Rumgeheule nennen.

Mit RISE AGAINST kam dann eine Band auf die Bühne, die definitiv von vielen Leuten sehnlichst erwartet wurde. Und da ich sie sowohl in Köln als auch auf dem Groezrock in diesem Jahr verpasst hatte, freute ich mich wie blöde. Aber ganz ehrlich und ganz unter uns: der Auftritt hat einen leichten Beigeschmack hinterlassen. So wurde eigentlich nur ein einziges Stück von „Revolutions Per Minute" gespielt, was meiner Meinung nach einfach DAS Album der Band ist. Das Hauptaugenmerk wurde also auf die letzten Platten gelegt. Und mit Ausnahme von „State Of The Union" waren da nicht wirklich viele Hardcore-Songs dabei. Natürlich war Tim wie immer ein großartiger Frontman, natürlich sprangen die Vier (ok, der Schlagzeuger eher weniger) viel auf der Bühne herum, nutzten diese vollkommen aus und sorgten für eine ordentliche Show. Aber irgendwie wirkte ihr Set tatsächlich sehr wie das eines Headliners. Ich glaube, da mag ich die kleineren Shows, die ich von ihnen gesehen habe, doch um Längen mehr. Gut gesungen, gut gespielt und mit jeder menge Charisma, aber der Dreck fehlte irgendwie. Und obwohl ich zwischendurch immer mal wieder zurück zum Zeltplatz wollte, kam natürlich genau in diesem Moment immer wieder ein Stück, welches mich doch wieder nach vorne holte. Zum Beispiel mit der Zugabe „Swing Life Away" (also wenn schon ruhiger, dann richtig!). Dass die Band vollkommen zu recht den Abend beschließen durfte, merkte man an den euphorischen Reaktionen des Publikums, aber für mich persönlich fehlte einfach die Hardcore-Komponente. Ein guter Gig, aber eben nicht mehr - und das von einer Band, die auch absolut geniale Gigs spielen kann...


Der nächste Tag begann wieder ziemlich hart - Alkohol geht einfach nicht spurlos an einem vorbei. Und so wurden auch die ersten Bands des Tages Opfer des Kopfschmerzes. Aber zu den Klängen von PANTEON ROCOCO wurden die Lebensgeister dann doch langsam wieder wach und man begab sich wieder zur Bühne, nur um zum Tanzen verleitet zu werden. Aber gegen diese Vollbedienung an Guter-Laune-Offbeats durch die Mexikaner konnte man auch einfach nichts machen. Die zahlenmäßig gut ausgestattete Band brachte aber auch so ziemlich Jeden zum Tanzen, bzw. bei einem Song auch dazu, auf die Knie zu gehen und auf Kommando wieder hochzuspringen. Witzigerweise war hier auch einer der Saxophonisten eine Art Frontmann, da er - seine Lockenpracht um sich schüttelnd - immer wieder über die Bühne ging und eine richtige Show lieferte. Mit viel Melodie, Groove und guter Laune ausgestattet, war diese Band der perfekte Weg für mich, in den neuen Tag zu starten. So ein wenig macht diese Musik ja doch wieder Lust auf Bier...

LIFE OF AGONY legten den wohl strittigsten Gig des Festivals hin: An und für sich hat man sich ja wie blöde darauf gefreut, diese Band endlich mal live zu sehen, und die Band als solche war auch gut, aber Sänger Keith ging in meinen Augen einfach mal gar nicht (zumindest über den größten Teil der Show gesehen). Bei einer riesen Hitze trug er Klamotten, die ich normalerweise nur von Grundschullehrerinnen mit Doppelnamen und Häkelgarn zwischen den Fingern erwarte. Dazu eine Puk-die-Stubenfliege-Sonnenbrille und einen nahezu gelangweilten Gesichtsausdruck. Zusätzlich hatte er in der ersten Hälfte des Sets außer einem ab und zu gezeigten Mittelfinger mal so gar nichts an direkter Kommunikation mit dem Publikum auf der Pfanne. Das musste Gitarrist Joey übernehmen, der im direkten Vergleich auch wie ein sympathisches NY-Hardcore-Kid rüber kam und seine Sache ziemlich gut machte. Aber mit Songs wie „Lost At 22", „River Runs Red" oder „Weeds" musste man sich auch eigentlich Freunde im Publikum machen - obwohl meiner Meinung nach manchmal etwas mehr Geschwindigkeit dabei hätte sein dürfen.
Dafür habe ich jetzt endlich verstanden, warum man im Falle von LOA immer von Hardcoreeinflüssen spricht. Als die Band nämlich damals aktuell war, habe ich das gar nicht kapiert - aus heutiger Sicht ist das natürlich eine ganze andere Geschichte. Und zum Ende des Sets ließ sich Mr. Caputo sogar dazu bewegen, etwas mit dem Publikum zu reden! Ok, und seine Gesangsleistung stand sowieso außer Frage - vielleicht kommt er auch genau dadurch auf die Idee, sich wie eine absolute Diva verhalten zu können. Am Ende des Sets kamen sogar noch ein paar Leute auf die Bühne, um mitzusingen. Keine Ahnung, aber ich vermute mal das waren Fans, die irgendwas gewonnen hatten (aber hey, ich habe echt keinen blassen Schimmer!), und dann war Sänger Keith sogar richtig am Strahlen und verteilte Küsschen. Vielleicht muss der Mann einfach mal in den Arm genommen werden...

ANTI-FLAG sehen oder lieber nicht? Hände in die Luft strecken müssen und immer wieder politische Agitation, die manchmal schon ein wenig lustig wirkt? Ach was soll`s. Die Amis sind und bleiben eine gute Band und sie meinen auch das, was sie da sagen. Und als Bush noch in seiner ersten Amtsperiode war, hat sich jeder über die Band und ihre Einstellung gefreut - also kann es jetzt auch nicht verkehrt sein. Und was soll ich sagen? ANTI-FLAG waren wieder mal gut, eigentlich sogar richtig klasse (obwohl wir alle zu Beginn wieder die Fäuste in die Luft strecken mussten)! Mit einer Mischung aus neuen Songs und alten Klassikern (z.B. „You`re Gonna Die For Your Government") lieferten sie einem Großteil des Publikums genau das, was von ihnen erwartet wurde. Natürlich gab es viele Ansagen, große Gesten und viel Bewegung auf der Bühne - und natürlich eine Fannähe, die hier definitiv nicht jede Band auf dem Festival vorweisen konnte. Gegen Ende des Sets wurden dann noch alle Schlagzeuger im Publikum (bzw. diejenigen, die wollten) auf die Bühne gebeten, um die Band perkussiv zu unterstützen, was in einer großen Stage-Party endete. Auch das THE CLASH Cover „Should I Stay Or Should I Go" half den Amis, das Publikum für sich zu gewinnen. Man mag über die Jungs denken, was man will, aber live ziehen sie einfach ihr Ding durch!

Dass KETTCAR eine ganz andere Geschichte danach waren, wusste auch die Band selbst: „Nach ANTI-FLAG muss euch dass hier ja wie eine Dichter-Lesung vorkommen. Danke, dass ihr uns nicht bewerft." Aber auch bei den Nordlichtern stellte man große Spielfreude fest - wenn auch eben auf einer anderen Ebene als bei einer wild auf der Bühne herum springenden Punkband. Vor allem Keyboarder Lars strahlte wie ein Kernkraftwerk und ließ sich die Freude über den Gig zu jeder Minute anmerken. Auch hier wurden natürlich Songs aus allen drei Alben gespielt, wobei die größten Reaktionen immer noch von den Songs des Debüts ausgelöst wurden. Aber mit „Balkon Gegenüber" und „An den Landungsbrücken Raus" haben sie nun mal unfassbare Hits im Gepäck. Doch auch mit den anderen Stücken wussten KETTCAR ihr Publikum in den Bann zu schlagen, und irgendwie passen die Herren ja auch gut auf einen Sonntag Nachmittag.

Mit dem FARIN URLAUB RACING TEAM kam dann auch mal geballte Frauenpower auf die Bühne. Und ich denke, dass es für Herrn Urlaub und seine Bläsersektion gar nicht so unangenehm ist, mit so vielen weiblichern Musikern unterwegs zu sein. Die gute Laune der Band übertrug sich natürlich sofort auf das Publikum - wie es ja eigentlich auch zu erwarten war. Zwar haben FURT nicht nur witzige Songs im Repertoire, sondern können zwischendurch auch mal ernstere Töne anschlagen, aber natürlich standen die Zeichen auf „Party!", und dass ließ sich weder das Ensemble noch das Publikum zweimal sagen.
Mit Songs wie „Ist das dein Arsch oder meiner" oder „10" ist das ja auch beinahe keine große Kunst mehr. Und so wurde mitgesungen, viel Quatsch von der Bühne aus erzählt, die eigene Band vom Sänger gerne auch mal etwas verarscht. Der Spaß und die Rhythmik steckten sogar die Herren von PANTEON ROCOCO an, die neben uns auf dem Festivalgelände standen, Bier tranken und sogar teilweise die deutschen Texte von FURT mitsangen. Ich habe persönlich zwar irgendwie noch mehr Ska erwartet, aber dennoch füllten der Arzt und sein Racing Team die Rolle eines Headliners ziemlich würdig aus - aber hey, das Farin U ein großer Entertainer sein kann, ist ja auch kein großes Geheimnis.

Mit FAITH NO MORE kam dann wohl die Band auf die Bühne, auf die in der Tat sehr viele Leute gespannt gewartet haben. Ich konnte zwar nur drei Songs sehen, da wir langsam nach Hause mussten, aber selbst in der kurzen Zeit habe ich noch einige Leute im Publikum erspähen können, die ich da eigentlich beim besten Willen nicht erwartet hätte. Aber wann bekommt man schon mal die Möglichkeit, Legenden bei der Arbeit zuzusehen? Komplett in schnieken Anzügen gekleidet (Mike Patton sah in seinem roten Anzug und den angeklatschten Haaren aus wie der Parade-Lude) betraten sie die Bühne vor einem roten Theater-Hintergrund und legten mit „Reunited", einem Stück zwischen Soul und Funk, los, von dem ich ganz unwissend mal schätze, dass es ein Cover gewesen sein wird. Danach wurde dann aber mächtig einer draufgemacht (was zur Folge hatte, dass unsere Fotografin im Graben nur um Haaresbreite dem von Patton recht zügellos geworfenen Mikroständer entgehen konnte!) und mit „Out Of Nowhere" und „Be Aggressive" weitergemacht. Und ja, Patton ist in der Tat ein wahres Stimm-Monster. Was er da alles seine Kehle entlockte, war schon große Klasse. Aber überhaupt waren bereits diese drei Songs mehr als überzeugend, und so verließen wir mit einer Träne im Knopfloch das Festivalgelände, während ein grandioser Gig das verbleibende Publikum in seinen Bann schlug.

Abschließend bleibt eigentlich nur noch zu sagen, dass das AREA4 mal wieder genial und entspannt war und in meinen Augen zu den besten Festivals gehört, die ich bis jetzt besucht habe - obwohl ich das nicht mal unbedingt an dem Line-up festmachen will. Allerdings fände ich es gut, wenn es nicht noch größer werden würde. Mit den 5.000 Zuschauern mehr haben sich schon Kleinigkeiten verändert (wie z-B. die Parksituation und die An- und Abreise), die im letzten Jahr noch mehr überzeugt haben. Aber wenn es auf dieser Größe bleiben sollte, hat es sich innerhalb von drei Jahren in die Champions League der Festivals katapultiert. Schön war`s!

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