Dark New Day - New Tradition

Dark New_Day-New_Tradition

Stil (Spielzeit): Alternative/moderner Hard Rock/Metal (48:46)
Label/Vertrieb (VÖ): Goomba Music (16.03.2012)
Bewertung: 7,5/10

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DARK NEW DAY veröffentlichten bereits 2005 ihr Debüt "Twelve Year Silence", gefolgt von einer Akustik-EP ein Jahr später. Die Veröffentlichung des zweiten Outputs "Hail Mary" wurde zig mal verschoben, bevor sich Warner Records schließlich von der Band trennte und seitdem alle Aktivitäten auf Eis lagen. Da die Songs des zweiten Studioalbums bereits im Kasten waren und die Fans immer wieder nach den Songs fragten, haben sich Will Hunt, Troy McLawhorn (beide EVANESCENCE), Clint Lowery (SEVENDUST), Corey Lowery (STEREOMUD) und Brett Hestla (VIRGOS MERLOT) dazu entschlossen, sie nun offiziell zu veröffentlichen.

Eine Zeit lang waren "Hail Mary" und ein "B-Sides"-Album digital erhältlich, physisch wurden sie nie veröffentlicht. Recht schnell verschwanden die Outputs dann bei den Downloadportalen und sind nicht mehr regulär erhältlich. "New Tradition" enthält sowohl Songs von "Hail Mary" (allesamt Demos, da die Albumtracks nie fertig produziert wurden) und "B-Sides". 13 Songs lang können DARK NEW DAY mit ihrem modernen, emotionalen Rocksound überzeugen, und selbst, wenn nicht bei jedem Track das Songwriting hundertprozentig stimmt, handelt es sich bei "New Tradition" um eine echte Rockperle. DARK NEW DAY ziehen den Hörer mit ihrer mitreißenden und energiegeladenen Leistung schnell in ihren Bann und räumen mit dem Vorurteil auf, dass moderner Rock heutzutage immer gleich klingt. Mit "Fist From The Sky" gelingt dem Quintett ein rasanter Einstieg nach Maß: Brett Hestla singt (noch) zurückhaltend, doch die heftigen, leicht an BLACK LABEL SOCIETY erinnernden Riffs sowie eine kraftstrotzende Stimmung machen gleich zu Beginn deutlich, dass es hier nicht um weichgespülten Kuschelrock geht. DARK NEW DAY sind eher im Alternative Metal zu Hause, wie das eingängige "Come Alive" zeigt. Zugleich wird deutlich, wie gut die Truppe das Spiel mit den Emotionen beherrscht und wie eingespielt die Musiker sind: Während Hestla aus sich heraus geht und sogar ein paar Screams einstreut, trommelt sich Will Hunt den Arsch aus der Hose. Dass der EVANESCENCE-Schlagwerker so variabel und exzellent spielen kann, hätte ich nicht gedacht. Weiter geht's mit dem Headbanger "I Don't Need You", der mit Breaks und Tempowechseln fast schon als Crossover-Nummer durchgeht. Mit "Tremendous" beweisen DARK NEW DAY, dass auch simple Songs mit melodischem Chorus nicht schon nach zweimaligem Hören langweilig werden.

Wie es sich für eine solche Band gehört, beherrschen die Amerikaner auch die ruhigen Momente. Das eindringliche "Sorry" sorgt mit wunderschönen Melodien, tollem Gitarrensolo und sanften Vocals für eine kleine Atempause, bevor die kraftvolle Hymne "Straightjacket" wieder voll durchstartet. Ein wenig nach Disco klingt "Take It From Me" durch seinen ungewöhnlichen Rhythmus, die Nummer lädt sofort dazu ein, heftig mit dem Kopf zu nicken. Auch die knackige Midtempo-Hymne "Caught In The Light", die ruhigeren "Sunday" und "Breakdown" (melancholisch; hintergründige Gitarren explodieren gegen Ende in einem hochmelodischen Refrain) sowie der Abschluss "Burns Your Ears", der satte Riffs, einen ALICE IN CHAINS-artigen Chorus und eine erneut reife Leistung von Drummer Hurt bereit hält, reihen sich in die Sammlung hochwertiger Rocknummern ein.

Wichtige Elemente des DARK NEW DAY-Sounds sind die tollen Harmonien, die sich in fast jedem Song finden, der zwei- oder mehrstimmige Gesang in Strophen und Refrains, auf den Punkt gebrachte Soli, generell dicke Riffs und die düstere, oft melancholische Atmosphäre. "New Tradition" ist leicht zugänglich, trotz seiner überraschenden Härte ziemlich emotional (nicht zuletzt dank der Vocals) und besitzt viel Drive. Die Soundqualität schwankt, einigen Songs hört man ihre Demo-Herkunft an. Das ist aber gar nicht schlimm, im Gegenteil: Der raue und naturbelassene Klang verhilft DARK NEW DAY zu einigen Ecken und Kanten. Damit ist die Scheibe zum Glück weit davon entfernt, überproduziert zu klingen.

Auch ohne mit dem Erstling "Twelve Year Silence" vertraut zu sein, kann ich sagen, dass "New Tradition" ein klarer Tipp sowohl für Altfans als auch Neueinsteiger ist, die modernen und kraftvollen Rocksounds offen gegenüber stehen. Nicht zu vergessen: Obwohl die Songs um 2005 rum geschrieben und aufgenommen worden sind, klingen sie höllisch intensiv und vielschichtig. Wem SEVENDUST oder STAIND zu poliert klingen, sollte es mit DARK NEW DAY probieren!

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