Is - Into My Own

Is - Into My Own
    Black Metal / Death Metal / Doom Metal

    Label: Wolfspell Records
    VÖ: 15.09.2017
    Bewertung:7/10

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Das russische Black-Metal-Projekt IS macht es einem wahrlich nicht einfach. Denn wer die Ein-Mann-Show von Mastermind Nøkken einfach googelt, wird nicht sonderlich erfolgreich sein. Statt Informationen zur Band, stapeln sich auf dem virtuellen Schreibtisch Artikel über den zufällig gleichnamigen Islamischen Staat und die Definition des gleich klingenden, englischen Verbs.

Erst die zusätzliche Eingabe des Albumtitels "Into My Own“ fördert das gewünschte Ergebnis und zusätzlich sogar ein nettes Artwork zu Tage. Wer aufgrund des atemberaubenden Covers – ein Gemälde von Simeon Marcus Larson – jedoch gleich davon ausgeht, dass es sich bei "Into My Own“ um eine runde Sache handelt, wird leider enttäuscht.

Vielmehr ist die zweite Langrille des Projekts ein zweischneidiges Schwert. Der beworbenen Black Metal zeigt sich auf "Into My Own“ nur höchst selten in Reinkultur. Stattdessen hat Nøkken ein progressives Gemisch erschaffen, welches sich an Black-, Death- und Doom-Metal-Elementen gleichermaßen bedient und so kaum in eine Schublade zu zwängen ist. Das Ergebnis ist eine anspruchsvolle Tinktur, deren Zusammensetzung dem Album beinahe zum Verhängnis wird.

Zwischen Genie und Wahnsinn

"Into My Own“ tanzt dabei einen Tanz auf des Messers Schneide. Überbordende Progressivität und langweiliger Durchschnitts-Black-Metal geben sich hier quasi die Klinke in die Hand. Songwriter Nøkken versucht sich an zuweilen ausufernden Strukturen, die häufig drohen, ziellos dahin zu treiben. Irgendwie schafft es der Herr aus Petrosawodsk schließlich aber doch noch, im letzten Moment die Kurve zu kratzen und bringt die Songs vernünftig zu Ende.

Und das sogar auf beeindruckende Weise. Die Lieder auf "Into My Own“ ziehen ihre großen Momente gerade zu Beginn aus ihrer Extravaganz, den unerwarteten Bass-Soli, ja, sogar aus ihrer ungewohnt facettenreichen Emotionalität. Das Album präsentiert sich als schwer zu greifende Chimäre, deren Anspruch einen unvergleichlichen Reiz darstellt.

Allerdings schafft es "Into My Own“ nicht, dieses Niveau über die volle Spielzeit beizubehalten. "To The Sun“ oder "In A Dark Time“ lassen plötzlich den so essentiell wirkenden Einfallsreichtum vermissen und liefern, unterm Strich, nicht mehr als gute, aber irgendwie auch durchschnittliche Black-Metal-Kost. Das ist schade, wirkt es doch so, als wäre Nøkken auf halben Weg die Puste ausgegangen.

Polarisierender Black Metal

Trotzdem verdient sich das Album eine gute Bewertung. Warum? Ganz einfach: "Into My Own“ schickt den Hörer auf eine Reise, welche von hilflosem Schulterzucken – ob der Banalität mancher Riffs – hin zu ehrfürchtigen Staunen – wenn IS wieder eine Melodie zum Niederknien aus der Gitarre zaubert – reicht. Und es ist genau dieses Pendeln zwischen den Extremen, welches "Into My Own“ so gut macht. Das Album hat den Mut, nicht perfekt und glatt zu sein, sondern fordert seinen Hörer heraus und schafft es, an den wirklich wichtigen Stellen Akzente zu setzen. Mut, der in diesem sich in schöner Regelmäßigkeit selbst limitierenden Genre oft zu kurz kommt. So ist das Zweitwerk des Projekts am Ende doch ein gelungenes Werk geworden, welches seine Hörerschaft jedoch gewiss entzweien wird.

Tracklist

  1. Where It Began
  2. Into My Own
  3. All That Is Gold
  4. To The Sun
  5. In A Dark Time
  6. A Meeting Place And Time (Woods of Ypres-Cover)

 

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