Last Chance To Reason - Level 2 Tipp

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Stil (Spielzeit): Prog Metal (43:57)
Label/Vertrieb (VÖ): Prosthetic Records / Sony Music (12.4.2011)
Bewertung: 8,5/10
Link: MySpace

LAST CHANCE TO REASON machen’s so wie viele gute Prog-Bands: Erstmal ein bisschen mit Frickelei und 13/21stel-Takten nerven, dann ab Track drei oder vier das erste Mal am Suchtzentrum des Hirns zupfen, damit man dran bleibt und dann auch noch auf Repeat drückt. Kaum hört man „Level 2“ dann zum zweiten Mal, gefällt einem der Anfang doch und Bäm! kriegt man nicht mehr genug davon.
Das liegt vor allem daran, dass LAST CHANCE TO REASON geschickt zwischen Kopf und Hoden pendeln. Ja, frickeln können sie alle, und sicher stehen bei allen sechs Musikern Meshuggah- und Dream Theater-CDs nebeneinander im Schrank. Aber LAST CHANCE TO REASON gönnen sich selbst und ihren Hörern angenehme Atempausen: Auf anspruchsvolle Technik und disharmonisches Geknüppel samt Gegrowl folgt immer auch ein (relativ) straighter Part mit wunderschönen, mehrstimmigen Gesangsmelodien, die Ohrwurmqualitäten haben – Porcupine Tree lassen grüßen. Prog und Gefühl muss eben kein Widerspruch sein. Dass die Jungs aus Maine dabei ihre Songs relativ kurz halten, tut sein Übriges.

Die Produktion von „Level 2“ ist angenehm fett und lässt jedem Musiker den Freiraum, um anständig zur Geltung zu kommen. Trotz teilweise schon sehr deftigen Gitarrenwänden kommen auch solche auf ihre Kosten, die eher auf die Loser-Instrumente Bass und Keyboard stehen. Nichts zu meckern also? Naja, Growls hat man schon mal bessere gehört.

Konzeptuell folgen LAST CHANCE TO REASON auf „Level 2“ weiter ihrer Vorliebe zu den virtuellen Welten. Während „Level 1“ noch eine Sammlung von Computerspielzitaten war, taucht die Band auf „Level 2“ richtig ein ins Thema: Vom  Opener „Upload Complete“ über „Portal“ bis zum letzten Track „Apotheosis“ (dessen großartiges, mehrstimmiges Gänsehaut-Ende gesonderter Erwähnung bedarf) stellt man sich der Frage: Wie fühlt man sich eigentlich so als binärer Code? Sparsam eingesetzte, spacige Samples und die durchgängig kühl-melancholische Stimmung des Albums und nicht zuletzt das nerdige Gamer/Comic-Artwork machen auch diese Geschichte kugelrund. Nur konsequent, dass es zu „Level 2“ auch ein gleichnamiges Game geben wird.

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