Believer – Transhuman

Believer_Transhuman

Stil (Spielzeit): Progressive Thrash Metal (54:00)
Label/Vertrieb (VÖ): Metal Blade (08.04.11)
Bewertung: 7,5/10

Links: http://www.believerband.com
http://www.myspace.com/believerband

Wiederauferstanden sind BELIEVER schon vor ein paar Jahren. Um genau zu sein, haben die prägenden, progressiven Thrasher nach ihrer langen Pause schon anno 2009 zurück in die Musikwelt gefunden. Zwischen den ersten Outputs, die damals in einem Atemzug mit CYNIC und PESTILENCE genannt wurden, und der heutigen Erscheinung liegen nun fast zwei Dekaden. Insofern darf man gespannt sein, was die neuen Alten zu sagen und zu spielen haben.
Der Inhalt der Lyrics dreht sich um das Thema einer transhumanistischen Philosophie, die sich mit den Zusammenhängen von Mensch, Geist und Technik auseinandersetzt. Damit gibt es einen Verweis darauf, dass sich die musikalischen Strukturen mit den Jahren nicht unbedingt stark vereinfacht haben.

Am Anfang erwacht die Lüge. Langsam pellt sie sich aus ihrer Haut und offenbart sich als schwer groovende Riffs, die von melodisch-rockendem Gesang begleitet werden. Schon nach einer Minute kann man sich jedes Mal über tolle Hooklines freuen, die gefühlvoll hinausgeschrieen werden. Dazu werden flotte Doppelleads und verspielte Drums geliefert, die das Prog-Herz höher schlagen lassen.
Die Harmonien werden in „G.U.T.“ weitergeführt, bekommen allerdings eine aggressive Schlagseite, die in der Mehrstimmigkeit wieder mit Tragik konfrontiert wird. Hier wird old-school soliert und dreckig gerockt. Bevor das Tempo die Schallgrenze überschreiten kann, drehen BELIEVER in „Multiverse“ schon wieder stärker rückwärts am Temporegler und holen das Keyboard aus der Ecke. Nun schwingt es öfter mal sphärisch aus der Membran, doch die Spannung von CYNIC wird noch nicht ganz erreicht.
In Nummer sechs treten die Amerikaner das Gaspedal leicht nach unten – auch wenn der Düsenjet noch nicht ganz abhebt. Bis hierhin wird geproggt was das Zeug hält. Deftige Riffs gepaart mit schmissigem Thrash-Geschrei geben Anlass zum genussvollen Kopfschütteln. Doch allzu viel Geschwindigkeitsgebolze darf man nicht erwarten, wie das lange, langsame, synthielastige Zwischenspiel „Currents“ zeigt.

Solch mystische Atmosphäre kommt immer wieder vor an verschiedenen Stellen verschiedener Songs. Mit diesen synthetischen Einsprengseln wird die sowieso stark ausgeprägte komplexe Schlagseite tatkräftig unterstützt und bringt neue Momente mit ein. Erst mit „Ego Machine“ an Stelle neun wird es zeitweise derb thrashig, doch die Brutalität nimmt mit der kombinierten Frickelei wieder etwas ab.
Am Ende bin ich mir auch nach mehrmaligem Hören nicht ganz sicher. Dass diese nicht zu glatte, prima produziert Scheibe progressiv, oft kräftig melodisch auf ziemlich hohem Niveau daherkommt ist keine Frage. Eine klasse stimmliche Variabilität leistet hier Kurt Bachmann und die Virtuosität der anderen ist nicht zu verachten. Und doch fehlt das gewisse Etwas für den Sprung an die Spitze. Ob dies Ausflüge in die Aggressivität oder buntere Harmonien sein sollen, muss jeder selbst entscheiden.

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