Kenòs – X-Torsion



Stil (Spielzeit): Progressive Death Metal (52:21)
Label/Vertrieb (VÖ): My Kingdom Music (05.02.10)
Bewertung: 7/10

Link: http://www.myspace.com/kenosband
 

Vor vierzehn Jahren entstanden, als UNDERWISE aufgewachsen, nach einer Namensänderung in KENOS, bringen uns nun fünf Italiener ihr drittes Album zu Gehör. Um sich ein bisschen auszuleben und einen Mix aus vielen Genres zusammenzubasteln wurden noch drei Gastmusiker dazugeholt, wodurch die Stimmenvielfalt deutlich vergrößert wird und auch Keyboards den Einzug in das Hauptgerüst des Todesbleis finden.

Auf dem Beipackzettel wurde die Stilrichtung der Knüppelbrüder als „Techno-Melodic-Death-Metal" beschrieben – was es doch alles gibt. Obwohl ich dem ganzen zustimmen würde, wenn man „Techno" als substantivierte Form von „technisch" betrachtet.
Was in Raum Nummer sechzehn passiert weiß ich nicht genau, aber bestimmt nichts Gutes. Im Opener gibt es zwar einen ruhigen Einstieg, der mit weiblichen Vocals versüßt auch einen romantischen Abend gestalten könnte – wenn da nicht plötzlich eine ganz fiese musikalische Eruption ausbrechen würde. Giftiges Geröchel in allen Tonlagen, brettharte – wenn auch melodische – Riffs donnern los, um damit die drei letzten Eigenschaften der obigen Stileinschätzung zu unterstreichen.
Auch das Keyboard bekommt gleich seinen Einstand, wenn Engelchen und Schweinchen ein interessantes Duett von sich geben. Als Einstieg in „2012 Omega Assimilation" wird zu bezaubernden Synthie-Flötentönen düsterer Kram erzählt, bevor die Blasts wieder alles wegpusten.
Die bisherigen Beschreibungen umfassen noch nicht einmal die ersten beiden Songs, womit das Attribut „progressiv" verwendet werden kann, wenn man annimmt, dass die „Entwicklung" der Musik von KENOS so fortschreitet, dass sie alles Mögliche zusammenfasst. Dazu gehört auch, dass das Grundhandwerk, was sich im harten melodischen Letalbereich bewegt, ziemlich technisch ist. „Encounter" strotzt nur so vor Breaks und High-Tech-Geballer und kann mit einem teilweise ziemlich schrägen Solo glänzen. Währenddessen kam mir im Song zuvor BORKNAGAR in den Sinn, als mehrstimmige klare Vocals eingestreut werden und fast Gänsehautstimmung erzeugen. Ähnliches könnte allerdings auch in „I Remember" passieren. Sanfte Streicher untermalen sehr schön die klare Metallgitarre, und das Glas Rotwein ist vorprogrammiert. Gut, dass man direkt im Anschluss wieder mit einer üblen Volle-Kanne-Granate aus den Fantasiebildchen mit dem Haus am See gerissen wird.

Außer dass das letzte der zehn Stücke eine gemütliche, angenehme Gitarrenballade ist zum Ausklingen ist, erzähle ich jetzt nicht mehr von den Vielfältigkeiten dieser Platte. Dazu ist es einfach zu viel. Und vielleicht ist das auch ein zweischneidiges Schwert.
Es ist auf jeden Fall nicht einfach, in diese Scheibe hineinzukommen. KENOS verwursten wirklich fast alles, was möglich ist, ob stimmlich oder instrumentell, wobei es trotzdem nie abdriftet in eine willkürliche Auswahl an abgedrehten Klängen. Vergleiche kann man deshalb kaum finden, da die meisten Stücke recht unterschiedlich sind und auch die Songstrukturen könnten einfacher sein.
Ich persönlich muss gestehen, dass mir die Scheibe gefällt, ohne genau sagen zu können warum. Es gibt Brutalität, Melodien und Balladeskes; von Hymne bis Abrissbirne. Auch wenn nichts auf Anhieb zur Dauerschleife im Gehörgang wird, bleibt doch der Eindruck bestehen, grade ein ganz gutes „Melo-Death"-Album gehört zu haben. Mit viel Offenheit und Durchhaltevermögen kann „X-Torsion" Langzeitwert entwickeln. Probiert es einfach selbst aus.

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