PropheXy - Alconauta

cdprophexy

Stil (Spielzeit):
Progressive/Indie/Experimental (47:48)
Label/Vertrieb (VÖ): UK Division (06.06.2009)
Bewertung: 2/10
Link: Myspaceseite

Okay, ich bin nun schon ein paar Male auf dem großen Landstiefel unterwegs gewesen, habe mich über Strand, Sand und Sonnenschein gefreut, kleinere Orte besucht, deren Namen allesamt mit "Santa Maria de..Blabla" anfingen, und begeistert das durchschnittliche Radioprogramm aufgesogen. Dieses unterscheidet sich nämlich teilweise sehr von dem deutschen Pop-Radio-Irrgarten, der momentan als populär gilt. Doch auch hier gilt es zu relativieren: kaugummigelber Arschwackel-Elektro-R'n'B mit Timbalands quantisiertem Voice-Over-IP-Singsang fördert nach vier Gläsern Cuba Libre durchaus Selbstbewusstsein und Schrittsicherheit auf dem Dancefloor, auch bei mir. Alles ist für etwas gut.

Auch PROPHEXYs letztes Album "Alconauta" ist gut. Wenn man ein langjähirger Fan der Band ist. Die vier Italiener stammen aus dem schönen Bolonga, der Stadt, in der 1088 n. Chr. die erste wirkliche Universität, die "Almar Mater", gegründet wurde. Um weiteren Geschichtsausflü(cht/g)en vorzubeugen, kann man kurz sagen, dass die Progressive Band schon einen SEHR eigenen Klang fahren. Einige der Songs bergen in ihren durchschnittlich sechs Minuten Spielzeit einige entspannte Passagen, in denen die Züge mediterranen Flares gut aufkommen. Diese sind in "Babba" oder "Fischio, Come Guarire Un" zu hören. In der Albumsingle paaren sich die oft benutzten Synthies auch recht machbar mit der klagenden Stimme von Matteo Bonazza. Die immer wieder recht folkisch anmutenden Stellen, wie zum Beispiel in "Tritone", klingen verwirrend erfrischend.

Darüber hinaus entziehen sich die Tracks aber jeglichen Strukturen und klar erkennbaren Linien, die Gesangs- und auch alle sonstigen Melodieläufe der Band strotzen nur so vor Halbtongeschnippsel, und die völlig vertrackten Rhythmen von Schlagzeuger Stefano Vaccari werfen den Hörer bei jedem Versuch, kopfnickend auf seinen "Groove" einzusteigen, sofort wieder aus der Bahn. Viele der eingesetzten Syntheziser nerven spätestens nach dem dritten Loop gehörig. Ich kann mit Prog-Rock sonst wohlgesonnen und kompetent etwas anfangen, dies hier entzieht sich aber weitestgehend meiner Vorstellung von konstruktiver Musik. Szene erklingt dann doch ganz anders.

Der technische Mix der Scheibe ist leider auch alles andere als ein Genuss. Alles erklingt irgendwo in den Raum gestellt, was der Platte leider jeden voranschreitenden Dampflock-Charakter nimmt. Übrig bleibt mit "Alconauta" eine krumme Bastelei, die so wirkt, als diene sie einfach der Verlängerung von PROPHEXYs Diskografie und weniger dem Erfüllen von Hörerschaftsträumen.