D'accord - Helike

daccord

Stil (Spielzeit): Progressive Rock (44:14)
Label/Vertrieb (VÖ): Karisma Records / Soulfood (9.9.2011)
Bewertung: 8/10

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King Crimson? Nein. Dennoch muss man bei D’ACCORD automatisch an dünne Männer mit langen Haaren, Bärten, Schlaghosen und engen Shirts denken. Denn „Helike“, das zweite Album der norwegischen Band, klingt, als wären die Zeiger der Prog-Uhr im Jahr 1973 stehen geblieben.

Da passt es ins Konzept, dass auf dem Album genau zwei Tracks drauf sind: „Part 1“ und „Part 2“, beide runde 20 Minuten lang. Und es passt, dass man gleich zu Beginn eben die überdeutlichen King Crimson-Anleihen raushängen lässt – nach den dramatischen Bläsern und der schleppenden, düsterlichen Drums/Hammond/Gitarren-Rhythmisierung erwartet man automatisch das Organ von Greg Lake, „21st century schizoid man“ anstimmend.

Das passiert nicht. Stattdessen manövrieren D’ACCORD ihr erstes Schlachtschiff sehr geschickt und feinfühlig durch schwere, progressive See. Dem dramatischen Teil folgt ein ultra-ruhiger, der mündet in einen rockigen, darauf folgt ein sparsam instrumentiertes, dafür mehrstimmiges Stück. Dabei ist glücklicherweise auch der Sound authentisch: Die Orgel summt sanft, der Bass klackert warm, die Gitarre ordnet sich ein und unter. Der Background-Gesang schmeichelt, während der Leadsänger etwas freakig, aber schön kräht wie der frühe Peter Gabriel. Man erwartet das Knacken von Vinyl.

„Part 2“ beginnt etwas bissiger und nach vorne, atmet ein bisschen Uriah Heep-Flair. Doch die 23 Minuten bieten natürlich wieder viel Raum für ausufernde, ruhigere Passagen, seltsame Rhythmen und Brüche. Irgendwann ist das Stück so weit ab vom Anfang, dass man es der Band kaum zutraut, wieder zurückzufinden; D’ACCORD dudeln schräge Skalen über verzerrtem Bass, rücken ein bisschen in die Nähe von modernem Jazz, bis sie per Umweg über eine kinderliedartige Melodie und ein verträumtes Stück sich wieder an die Ästhetik des Anfangs zurücktasten.

Dort finden sie nicht wirklich hin, und das könnte das Manko des Albums sein. D’ACCORD wollen unheimlich viel, und den Großteil schaffen sie auch. Was sie allerdings nicht tun: Den Hörer an die Hand nehmen und Teile ihrer Mammutstücke wieder aufzgreifen. Kaum ein Thema wiederholt sich, höchstens in der Stimmung finden sich Ähnlichkeiten in den einzelnen Versatzstücken. Stattdessen schlägt die Band auf „Helike“ mit ihren zwei Stücken zwei riesige Bögen. Und das heißt: Alle zehn bis hundert Takte gibt’s ne Überraschung. Das ist anstrengend. Aber auch so fesselnd, dass man am Ende des Albums die überdeutlich hörbaren Paten dieses Sounds längst vergessen hat.