Inallsenses - Hysterical Psychosis

IN-ALL-SENSES-HYSTERICAL-PSYCHOSIS

Stil (Spielzeit): Death / Thrash (36:30)
Label/Vertrieb (VÖ): My Kingdom Music (05.11.10)
Bewertung: 6 / 10

Link:
http://www.myspace.com/inallsenses

Agnello di Dio... Und um allen, die wie ich nicht der italienischen Sprache mächtig sind, nun das Stöbern in Wörterbüchern zu ersparen: „Agnello“ bedeutet „Lamm“. So weit, so gut. Aber was soll diese Einleitung bloß bedeuten? Nun ja, wer sich das mittlerweile zweite Werk der italienischen Todesthrasher anhört, der wird wohl spätestens nach zwei Minuten, von denen anderthalb alleine vom langweiligen Intro beansprucht werden, mit mir übereinstimmen, wenn ich behaupte, hier ganz klar einen gehörigen Einfluss der amerikanischen Modern-Metaller von LAMB OF GOD herauszuhören. Wobei „Einfluss“ in diesem Zusammenhang eventuell noch leicht untertrieben ist. Teilweise klingen die Jungs von INALLSENSES mehr nach LAMB OF GOD als LAMB OF GOD selbst. Mit etwas weniger guten Ideen und ohne die Coolness. Dabei gibt sich das Quintett aus dem Land der Nudelgerichte zumindest in Sachen „Posen vor der Kamera“ wirklich beste Mühe, cool zu wirken. Das Coverartwork der neuen Scheibe ist ebenfalls nicht schlecht gelungen. Doch leider reicht ein lässiges Image allein nicht aus, um einer Band auf langfristige Sicht das Gehör zu verschaffen, welches von ihr angestrebt wird.

Das muss man sich schon durch harte Arbeit an den Instrumenten und viel wertvolle Zeit in Probekeller und Tonstudio erarbeiten. Und da mangelt es leider noch ein wenig im Hause INALLSENSES. Nicht, dass die Musiker an ihren Saiten, Plektren, Stöcken und Fellen hier großen Mist verzapfen würden. Ganz im Gegenteil. Was innerhalb der neun Tracks, welche auf das Intro folgen, so rein qualitativ passiert, lässt an sich eigentlich kaum zu wünschen übrig. Die Riffings kommen bodenständig daher und werden von zielgenauen Drummings in ihrer Effektivität unterstützt. Dieses Erzeugnis kommt dann sogar noch in einem absolut soliden Soundgewand aus den Boxen geprescht. Doch zu meinem Bedauern bewegt sich das Ganze überwiegend in einem recht anspruchslosen Rahmen. Da wäre auf alle Fälle mehr drin gewesen. Doch ganz offensichtlich hatte man Besseres zu tun, als ewig lange an den Songstrukturen zu feilen. So bleibt irgendwie stets ein etwas fader Beigeschmack. Und dabei können die fünf Herren auch richtig abgehen. Streckenweise ballert der Stoff, den uns INALLSENSES hier zusammengewebt haben, wirklich außerordentlich mitreißend durch die Gehörgänge.

Und die eine oder andere gute Idee verirrt sich auch immer mal wieder in das Songwriting der Jungs. So besticht beispielsweise der Track „They suck your soul“ durch seinen Refrain, welcher sehr gut eine Art Gelächter von Frontmann Ruggero Formicola in das Gesamtbild miteinbindet. Ansonsten gibt es von dem Mann am Mikro eher weniger Außergewöhnliches zu berichten. Wie bei den Gotteslämmern dominiert hier das obligatorische Geröhre, welches immer mal wieder in Screams und selten auch in fiese Growls übergeht. Begleitet wird dies von vielen meist etwas schnelleren Midtempo-Rhythmen, einigen Knüppel-Passagen und wenigen gemütlichen Ruhepausen. Es gibt halt schnellere und langsamere Tracks. Innerhalb eines einzelnen Songs hingegen mangelt es etwas an Variantenreichtum. So werden die sechsunddreißig Minuten schnell langweilig und dem Kopf vergeht mit der Zeit die Lust, mitzuwippen. Das übernimmt spätestens nach dem dritten Durchlauf der Scheibe höchstens noch der Fuß.

Doch sieht man davon mal ab, dann wird uns hier schon recht solide Kost geboten. Wer auf groovenden Thrash der Marke TESTAMENT steht, vielleicht auch mit den etwas besseren Metalcore-Kapellen wie HEAVEN SHALL BURN etwas anfangen kann, oder einfach nur den kleinen Bruder von LAMB OF GOD kennen lernen will, der wird mit „Hysterical Psychosis“ auf alle Fälle zufriedenstellend bedient. Dass das Quintett aus Italien nicht wirklich schlecht sein kann, beweist ja auch die Tatsache, dass INALLSENSES 2008 den heimischen „Metal Battle“ gewonnen haben und somit ihr Land auf dem „Wacken Open Air“ vertreten durften. Können denn sechzig Millionen Italiener falsch liegen? Mit Sicherheit nicht. Also vergesst den ganzen kritischen Mist hier und macht Euch auf Myspace Euer eigenes Bild...

Mehr Thrash Metal Reviews