Harkonin – Detest



Stil (Spielzeit): Black/Death/Thrash Metal (64:36)
Label/Vertrieb (VÖ): Battlegod Prod. (27.10.10)
Bewertung: 6/10

Links: http://www.harkonin.com
http://www.myspace.com/harkonin

Seit acht Jahren in der Szene unterwegs, haben HARKONIN inklusive „Detest" nun schon vier Alben auf den Markt geschmissen, die bisher noch nicht ihren Weg in meine Gefilde gefunden hatten. Durch die Dauer der vorliegenden Langspielplatte gehe ich schon leicht voreingenommen heran, ob denn bei einem Schnitt von über sechs Minuten pro Lied die Spannung aufrecht erhalten werden kann. Aber da das Quintett aus den USA noch neu für mich ist, bekommen sie ihre Chance.

Beim ersten Mal weiß man es am Anfang noch nicht recht einzuordnen. Schon Immanuel Kant entdeckte die Kategorien der Vernunft, und hier versuchen wir Musik in eine Schublade zu stecken, dass wir Anhaltspunkte haben, um damit umzugehen.
Meine erste Schublade war „alter Thrash", doch schon im Opener „Into Oblivion" würde ich die Schublade vergrößern und ein paar Klamotten des Black Metals mit hineinlegen. Manchmal könnte man auch noch traditionelles Todesblei in die Kommode stopfen, so dass eine Festlegung müßig ist.
In „Chaos Anthem" kommt mir bei dem Geballer fieser Harmonien 1349 in den Sinn, auch wenn deren Brutalität nicht erreicht wird. Bei genauerem Hinhören tragen mit fortlaufender Spielzeit eine Menge an gemeinen Tönen dazu bei, dass die gesamte Scheibe sich mit schwarzer Atmosphäre umhüllt.
Auch wenn in den durchschnittlich langen Songs die Geschwindigkeit immer variiert, kommt es einem doch so vor, als ob lange Zeit das Midtempo regiert. Erst als Stück Nummer fünf „The Sleeper Has Awaked" losrast, fällt auf, dass nicht nur Späne zu Boden segeln, sondern dass auch ordentlich gehobelt wird. Dafür wird in dem darauf folgenden Epos von fast elf Minuten Länge öfter mal die Handbremse angezogen und der Gesang weggelassen.

Bei teilweise epischen Ausmaßen der Songs auf „Detest" könnte man als Vergleich MOONSORROW heranziehen, die musikalisch jedoch eher auf anderen Pfaden wandeln. Aber beide erzeugen weniger mit intellektueller Frickelei ausgedehnte Spielzeiten, sondern oft spielt auch die spannungsarme Monotonie eine wichtige Rolle, um die Gefühlskälte düsterer Einsamkeit hervorzulocken. Dem widerspricht dann zwar ein bisschen „Exhauster Of Souls", das sich durch schwarzen Thrash prügelt, wie es auch SKELETONWITCH in kürzerer Art tun. Doch der allgemeinen Stimmung tut das keinen Abbruch.

Mit rauem ursprünglichem Sound knattern die Amerikaner durch das Gebiet verschiedener metallischer Extremspielarten, ohne dabei auffällig vom Weg abzukommen, aber auch ohne dabei auffällig zu werden. Sich in die Ohren fräsende Ausnahme-Passagen gibt es leider kaum zu entdecken und kleben bleibende Hooklines sind ebenfalls wenig vorhanden. Einzelne Stücke bringen Potential zum Analysieren oder Abgehen mit sich. Als Hintergrundmusik kann dieser Silberling auch gut rotieren, aber um einem bösen Düsterheini Freudentränen in die Augen zu treiben müssen die Jungs noch ein bisschen arbeiten.

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