Primal Age - The Gearwheels Of Time

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Stil (Spielzeit): Thrashmetal (40:55)
Label/Vertrieb (VÖ): Deadlight Entertainment (26.11.10)
Bewertung: 6 / 10
http://www.myspace.com/primalage

Jetzt mal im Ernst… Wer fühlt sich denn bitte durch dieses Coverartwork angesprochen? Hat denn die Band überhaupt kein Gespür dafür, was den Blick eines nach harten, schnellen Klängen irgendwo zwischen Hardcore und Thrashmetal suchenden potentiellen Käufers auf sich ziehen könnte? Bei diesem nichtssagenden Bandnamen in diesem verschnörkelten Schriftzug und diesem darunterliegenden Bild eines ruhig wirkenden Gesichtes ist vielleicht damit zu rechnen, dass die mit schwarz lackierten Fingernägeln versehenen Hände eines der Gothic-Szene angehörigen Girlies diese Scheibe im Plattenladen aus dem Regal fingern, aber doch nicht die schwieligen, mit selber tätowierten Schriftzügen versehenen Hände eines echten Kerls. Dumm gelaufen. Denn genau an diese Hände richtet sich die Mucke auf „The Gearwheels Of Time“. Wer die Meinung vertritt, ein echtes Thrashmetal-Album sollte seiner Stilbezeichnung auf alle Fälle durch jede Menge Geprügel und Geknüppel gerecht werden, der liegt genau auf einer Wellenlänge mit den fünf aggressionsgeladenen Franzosen von PRIMAL AGE.

Doch wer jetzt davon ausgeht, dass diese Platte keiner näheren Begutachtung bedarf, da sie mit Sicherheit genauso klingen wird wie jede beliebige Hardcore-lastige Thrash-Scheibe der Marke SLAYER oder DEATH ANGEL, der liegt falsch. Und auch mit diesen neumodischen, groovenden und auf Hüpfkompatibilität ausgelegten Neo-Thrashern wie EKTOMORF haben PRIMAL AGE nicht viel gemein. Die Jungs ziehen schon ich eigenes Ding durch. Was nicht bedeuten soll, dass der Stoff, den das Quintett aus Frankreich so von sich gibt, nun extrem neuartig sei oder gar das musikalische Rad neu erfinde. Ganz im Gegenteil. Die Jungs sind grundlegend schon mal eher der alten Schule zuzuordnen. Ich denke da an Zeiten, zu denen die Verschmelzung von Hardcore und Metal noch nicht alltäglich und dafür auch noch keine eigene Stilbezeichnung gefunden war. Zeiten ohne HEAVEN SHALL BURN und CALIBAN. Zeiten ohne pseudo-melodische Refrains und obligatorisch eingesetzte Breakdowns. Einfach harte Zeiten, in die die fünf harten Herren von PRIMAL AGE hervorragend hineingepasst hätten.

Denn auf deren mittlerweile zweiten Longplayer „The Gearwheels Of Time“ wird all diesen modernen Metalcore-Ablegern mal mit erhobenem Mittelfinger gezeigt, wie man diese Art von genreübergreifender Mucke richtig praktiziert. Und zwar nach den Gesetzen der alten Schule. Und doch irgendwie sehr eigenständig. So werden beispielsweise zwischendurch mal einige in dieser Art sehr ungewöhnliche Verschnaufpausen durch kurze instrumentale Akustik-Entgleisungen abgeliefert. Es bleibt also nicht beim bloßen Drauflosgeknüppel. Die Frage, ob dieses Konzept letztendlich aufgeht, bleibt jedoch vorerst unbeantwortet. Denn so sehr sich die Jungs auch bemüht haben, dreizehn ebenso aggressive wie innovative Songs aufzunehmen, so wenig ist doch der Funke bemüht, richtig überzuspringen. Was schade ist, denn Potential steckt auf alle Fälle genug in den energiegeladenen Franzosen. Vielleicht liegt es am verhältnismäßig dünnen Soundgewand, vielleicht an den streckenweise etwas in die Länge gezogenen Instrumental-Passagen, vielleicht aber auch gerade an den ziemlich gepresst klingenden Shouts des Frontmannes, welche hin und wieder an CATASTROPHIC erinnern.

So genau kann ich das leider nicht erörtern. Fest steht jedoch, dass die Tracks immer wieder Gefahr laufen, in die Belanglosigkeit abzudriften, wenn man nicht aufpasst. Deshalb sollte man stets gut aufpassen. Dann wird man Zeuge eines soliden Thrashmetal-Albums, welches zwar lieber ein Hardcore-Album geworden wäre, den Sprung auf die andere Seite jedoch nicht ganz geschafft hat. Dominieren hier doch schnelle, einfallsreiche Riffings zu häufig sehr rhythmischen, überwiegend jedoch relativ flotten Drums. Dazu gibt es abgehackte Shouts und gerne auch mal das eine oder andere Gitarrensolo auf die Ohren. Das Hauptaugenmerk wird bei den Jungs also ganz allgemein auf Aggressivität und musikalisch verdeutlichte Härte gelegt. Und das ist wirklich eine „prima Lage“. Verstanden? Prima Lage. Hahahahaha...

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