Radwaste – s/t

Radwaste_s-t

Stil (Spielzeit): Heavy Thrash Metal (58:24)
Label/Vertrieb (VÖ): Proghippie (26.11.10)
Bewertung: 6/10

Link: http://www.myspace.com/radwaste

Wer hat's erfunden? RADWASTE nicht, denn dafür sind sie zu jung. Seit ein paar Jahren mixen die Schweizer Burschen klassischen Heavy Metal mit Bay-Area-Thrash und haben ihre kompositorischen Ergüsse nun auf eine silberne Scheibe gebannt.

Als ob Mikael Akerfeldt an der Akustikklampfe sitzt, könnte man bei dem Opener auch anderes erwarten. Doch nicht etwa düster-progressiver Death Metal kommt als nächstes, sondern vielmehr klassisch rockender Heavy Metal, der in der Mitte des Songs eine Thrash Schlagseite bekommt. Britisch angehauchte Twin-Leads schlängeln sich in das Ohrgewinde und druckvolle Riffs lassen recht bald die Nackenmuskulatur in Schwung kommen.
Um die Spannung aufrecht zu erhalten, wird in jedem Song ausgefeiltes Riffing und Solieren dargeboten, das sich in Tempo und Rhythmik abwechselt, wobei selten balladeske Momente zu finden sind. Dafür kommen zum Beispiel in „Hide And Seek" kleine Brüller dazu, die als schmissige Gruppenrufe das Ganze etwas auflockern.
In einem Augenblick wird es fast zu viel des Guten, als dass man es würdig verfolgen kann, dann überrumpelt „Metamorphosis" wieder die Lauscher mit flottem Geballer und melodischen Einzelleistungen. Während es immer wieder Ausflüge in die NWoBHM gibt, wird unter anderem in „Operation: False Freedom" zu Beginn ein sehr thrashiges Stück Fleisch auf den Grill gelegt. Durch die Soli verliert es im Verlauf fast ein wenig an Schwung, wo mir persönlich ein gut durchgeprügeltes Steak ohne Beilagen besser gefallen hätte. Geschmackssache.

Ganz eindeutig sind die Orientierungspunkte von RADWASTE in den guten alten Zeiten festzumachen. Sowohl MEGADETH, als vielleicht auch mal alte METALLICA stehen Pate für dieses Debütalbum.
Aufnahmetechnisch könnte der Feinschliff noch minimale Ungenauigkeiten ausmerzen, aber insgesamt ist der Sound sehr schön differenziert, allerdings für manchen Oldschooler vielleicht nicht dreckig genug.
Auf die Gesamtlänge von fast einer Stunde ist fast ein bisschen viel Material verbraten worden, so dass die Aufmerksamkeit manchmal etwas nachlässt, da der nicht gerade packende Gesang und die vielen Strukturelemente den Druck herausnehmen, obwohl und gerade weil derselbe durchgehend vorhanden ist. Als Gesamtpaket liefern die Jungs aus dem Aargau eine mehr als ordentliche Heavy Thrash-Platte ab, die durchaus mehr Bekanntheitsgrade bekommen dürfte.

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