Gravety – Into The Grave

Gravety Into The Grave

Stil (Spielzeit): Heavy Thrash/Doom Metal (54:37)
Label/Vertrieb (VÖ): Source Of Deluge (30.03.12)
Bewertung: 5,5/10

http://www.myspace.com/gravety

Das Grab liegt in Saarbrücken. Vor drei Jahren haben fünf Burschen im Saarland beschlossen, ihre Lieblingsmusik selbst zu machen. Und so geschieht es, dass heute ihr Debütalbum der Hörerschaft präsentiert wird.

Das Friedhofsgitter wird geöffnet, es donnert natürlich leise, jemand latscht über den Kiesweg und schaufelt drauf los. Lange hat der Totengräber dafür nicht gebraucht – und schon setzen die Stromgitarren ein. Die ersten Klänge werden den einen oder anderen Nostalgiker in Verzücken versetzen und derjenige wird zum Schrank rennen, seine Kutte herausholen, ein Bier zapfen und das Wohnzimmer rocken.
Wo man zu Beginn noch klassischen 80er-Heavy-Metal vermutet, weist der dramatische Gesang recht bald in die doomige Friedhofsecke. Da sich auch noch ein paar vereinzelte Growls dazwischen schleichen, würde mancher vielleicht von Death Doom sprechen, doch dafür reicht es nicht ganz, wenn man sich zum Beispiel SAATTUE zu Gemüte führt.
Manch thrashiges Riff bahnt sich dann wirklich seinen Weg durch die Ohrmuschel. So geschieht es zum Beispiel in „Judge Your God", dass einem schwungvoll die Rübe gebürstet wird, während im vorherigen Song noch sehr dramatisierend kleine Soli auch an den Nerven gezerrt haben. Deftiger gutturaler Gesang bringt als Zusatzgewürz eine schöne Geschmacksnote mit sich, manche der Leads erscheinen mir aber zu willkürlich in der Luft hängend und stören irgendwie stellenweise die Atmosphäre.

Sehr schön schwerfällig kommt dann der Titeltrack daher, der eine doomige Schneise in jedes Grinsen schlägt. Die schönen Growls erinnern mich zwar an den Death Doom von SAATTUE oder SWALLOW THE SUN, wobei die Finnen doch mehr Wert auf träumerische Melodien als auf harten Thrash als Beiwerk legen. Dieser hübsche Thrash verbreitet sich dann wieder vermehrt in „Asylum", und er zeigt sich durch diverse Tempo- und Rhythmusveränderungen verhältnismäßig progressiv.
Einerseits erzählen die Infos, dass die Saarländer einen neuen Metalstil kreiert haben, was ich in dieser Kombination von Thrash-Heavy-Doom-Metal auch bisher kaum unter die Ohren bekommen habe. Andererseits macht dieser Eintopf das Hören auch nicht gerade einfach. Man hat das Gefühl, es wird Komplexität ein bisschen vorgegaukelt und deshalb findet man sich aber auch nicht so zurecht. Und atmosphärisch kann man sich kaum auf etwas einlassen, weil es sich so schnell ändert, auch wenn die Schwerpunkte deutlich auf dem 80er-Heavy Metal im mittleren Tempo liegen.
Der Gesang hat zwar gewisse Ähnlichkeiten mit CANDLEMASS, jedoch gibt es bis auf vereinzelte gemütliche Riffs kaum etwas doomiges zu finden. Viel mehr rocken die Saarländer als Tribut an die alten Zeiten des Heavy und Thrash Metals. Auch wenn schwer treibende Drums in „Axe Of Execution" nochmals das Gaspedal runterdrücken und die Jungs ganz schön brettern, bleibt doch ein bisschen wenig hängen. Anhänger klassischer Old-School-Klänge dürfen ein Ohr riskieren. Aber beim nächsten Mal könnte durchaus mehr drin sein.

Mehr Thrash Metal Reviews