Amassado - Escravidao Subliminal EP Tipp

Amassado Escravidao Cover

Stil (Spielzeit): Thrashcore (18:35)
Label/Vertrieb (VÖ): To React Records (30.06.12)
Bewertung: 8 / 10
Link(s): http://www.myspace.com/amassado

In my fucking face... Mit diesem Schlag hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Da haben die fünf Brasilianer nicht bloß mit voller Wucht und unverhofft genau in mein fickendes Gesicht, sondern so ganz nebenbei auch noch mitten ins Schwarze getroffen. Denn als ich ohne allzu große Erwartungen deren mittlerweile dritte Veröffentlichung „Escravidao Subliminal“ in den Player schob und mich auf hyperschnelle Grindcoreattacken mit leichtem BRUJERIA-Touch einstellte, hätte mich kaum etwas positiver überraschen und direkter in Bewegung versetzen können als das, was diese fünf personifizierten Blechschäden hier zusammengezimmert und auf die Menschheit losgelassen haben. In diesem nicht einmal zwanzigminütigen Hassanfall steckt weitaus mehr Aggressivität, Intensität und vor allem Groove, als in den letzten sechs SOULFLY-Alben zusammen...

Eigentlich sollte hiermit dann auch schon alles gesagt beziehungsweise gelesen und diese absolut empfehlenswerte Auralattacke in irgend einen Online-Warenkorb gelegt worden sein. Enttäuschungen sind nahezu ausgeschlossen. Wem SOULFLY zu langweilig geworden sind, wer die groovenden Midtempo-Passagen bei BRUJERIA favorisiert, wem die Clean Vocals bei FEAR FACTORY auf den Sack gehen oder wer sich die ganz alten SEPULTURA wieder herbeisehnt, der kann hier überhaupt nichts falsch machen. Letzteres wird zudem durch die das Album abschließende Coverversion von „Biotech is Godzilla“ wirkungsvoll unterstrichen. Eine ebenso kurze wie brachiale Hommage an die guten alten Zeiten, als man noch nicht mit allen Mitteln versuchte, durch radiotaugliche Weichspüler-Singalongs ein breiteres Publikum zu erreichen. Diese fünf brasilianischen Herren pissen wirklich noch mit ordentlich Druck auf der Blase in den Mainstream. Herrlich...

Und dabei ist diese Coverversion fast noch der uninteressanteste Track auf der Scheibe. Die anderen fünf Eigenkompositionen, welche allesamt in portugiesischer Sprache vorgetragen werden, haben es erst so richtig in sich und machen klar, dass man im Hause AMASSADO sein Handwerk durchaus versteht. Und dieses Handwerk setzt sich zusammen aus heftigem Thrashcore oder Neo-Thrash der brachialsten Sorte mit ganz leichtem Grindcore-Einschlag, traditionellen Thrashmetal-Einflüssen, dezenter Industrial-Note und einer extrem aggressiven Hardcore-Attitüde. Die exotische Sprache setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf. Der geneigte Hörer erhält hier vielleicht nicht das Höchstmaß an Originalität, aber zumindest fällt mir so auf Anhieb keine exakte Vergleichsband ein. AMASSADO sind überwiegend ziemlich schnell, ohne jedoch dabei ihre Vorliebe für massiv groovende oder im Midtempo treibende Rhythmen aus den Augen zu verlieren. Der Trommler weiß schon, wie er seine Hörerschaft zum Toben bringen kann. Geblastet wird zwar auch ab und zu, dann aber eher kurz und auf jeden Blastbeat folgt sofort wieder eine mitreißende Kopfnickerpassage. Die Saitenschneider agieren ebenfalls routiniert, brettern, was das Zeug hält, und geben sich gerne Mühe, mit der Trommelmaschinerie eine Einheit zu bilden, wie es von FEAR FACTORY einst vorbildlich ins Leben gerufen wurde. Und dann gibt es da noch den Mann für die Samples, welcher jedoch eine eher untergeordnete Rolle spielt...

Der Sound ist vielleicht noch etwas rau, passt aber ins Gesamtbild und wirkt sich keineswegs negativ auf den Hörgenuss aus. Zudem zeigte mir eine Hörprobe der Vorgängeralben, dass man sich hier auf einem aufsteigenden Ast befindet. Insgesamt gibt es wirklich nicht viel zu bemängeln an diesem kleinen Kotzbrocken. Die Shouts sind vielleicht etwas zu eintönig. Der Frontmann vermittelt zwar absolut authentisch die beabsichtigte Aggressivität und brüllt sich wahrhaftig die Kehle blutig, aber ein wenig mehr Abwechslung hätte sicher nicht geschadet, wenn man denn unbedingt nach einem Kritikpunkt suchen will. Außerdem ist das Niveau der Platte durchgehend so hoch, dass ich keinen Anspieltipp geben könnte und somit auch den einen Hit vermisse, der auf dem obligatorischen Mixtape Platz findet. Insgesamt jedoch kann ich diese EP nur wärmstens an jedes Neo-Thrasherherz legen. Die sechs Titel gehen schnell ins Ohr und der exotische Touch sorgt dafür, dass sie dort bleiben. So soll es sein. Tchau...

Mehr Thrash Metal Reviews