Eversin - Divina Distopia

eversin

Stil (Spielzeit): Thrash / Powermetal (39:22)
Label/Vertrieb (VÖ): My Kingdom Music / Twilight (19.02.10)
Bewertung: 4 / 10

Link: http://www.myspace.com/eversinmetal
Ööööööööööhm... Was soll das denn? Also laut Aussage der Band oder zumindest des italienischen Vertreibers „Masterpiece Distribution“ müsste in obiger Zeile, welche der allgemeinen Stilrichtung gewidmet ist, die Bezeichnung „Techno Power Thrash“ zu lesen sein. Die Überwindung, jene verheißungsvolle bis reißerische Genrebetitelung genau so aus der Promo-Information zu übernehmen, war für mich jedoch einfach zu groß. Denn dies würde den potentiellen VOIVOD-Fan, welcher möglicherweise zufällig auf dieses Review stößt und zwei Mausklicks später schon voller Vorfreude seinen Online-Warenkorb mit „Divina Distopia“ füllt, mit höchster Wahrscheinlichkeit sehr enttäuschen und verärgern. Und bevor ich mich mit einer Anklage wegen vorsätzlicher Irreführung, unterlassener Hilfeleistung oder eines sogenannten versteckten Mangels konfrontiert sehe, bleibe ich doch lieber bei der Wahrheit und stecke die Mannen von EVERSIN in die Schublade, in welche sie gehören – wenn auch sie selber dies anders zu sehen scheinen... Ich wage einfach mal zu behaupten, dass die Band mit ihrer Einschätzung der Musik, die auf diesem Zweitwerk zu hören ist, relativ einsam dasteht.

Genaugenommen würde ich auch den Thrash-Anteil auf „Divina Distopia“ nicht unbedingt als sonderlich herausstechend bezeichnen. Für mich klingen EVERSIN eher nach leicht progressivem Powermetal mit etwas thrashigen Anleihen. Einen Vergleich zu NEVERMORE beispielsweise kann ich durchaus nachvollziehen. Doch haben diese vier Herren aus Amerika ein sehr viel ausgeprägteres Gespür für Melodien, die im Ohr bleiben, und erzeugen beizeiten auch mal etwas Härte und regelrechte... Power! Ganz im Gegenteil zu EVERSIN. Die sieben Songs, welche das italienische Trio hier zusammengeschustert hat, sind schlichtweg langweilig. Doch nicht „langweilig“ im Sinne von „ruhig“. Nein nein, ich meine schon wirklich „langweilig“. In Kombination mit „nervig“. Wer jetzt also denkt: „Super, ich mag die ruhigeren Klassiker von NEVERMORE wie „I believe in nothing“ und suche nach einer neuen Scheibe, welche ich zum Einschlafen hören kann!“, der sei hiermit gewarnt. Consume at your own risk!

Nun gut, einem richtigen Fan von Bands wie SYMPHONY X oder auch BLIND GUARDIAN könnte diese Scheibe eventuell etwas weniger auf die Eier gehen als mir persönlich. An letztere fühle ich mich tatsächlich streckenweise erinnert, wenn die Spaghettifresser, wie Karl Moik es ausdrücken würde, mit pompöser Keyboarduntermalung langsame Riffs zu dem zeitweilig etwas an Hansi Kürsch erinnernden Klagesang von Frontmann Angelo Ferrante auf die Menschheit loslassen. Doch von interessanten Neuerungen, welche man von einer Band erwartet, die nicht nur mit dem Begriff „Progressive“ kokettiert, sondern noch einen Schritt weiter geht und mit dem für diese Art von Musik recht ungewöhnlichen Wort „Techno“ wirbt, kann leider nicht die Rede sein. Außer der üblichen Keyboard-Spielereien, welche sich wie bei unzähligen anderen Bands auch überwiegend auf Piano-Klänge und sphärische Hintergrundtöne beschränken, deutet hier nichts auf „Techno“ hin. Aber auch wirklich nicht das Geringste.

Keine futuristischen Texte, kein außergewöhnliches Cyber-Artwork, keine ausgefallenen elektronischen Einflüsse in der Musik. Es sind auch keine originellen, Mantra-artigen Wiederholungen in den Songstrukturen zu finden, wie sie VOIVOD charakterisieren. Das einzige, was den potentiellen Hörer dieser Scheibe bei Laune halten könnte, ist die Unterschiedlichkeit der Songs an sich. Mal wird balladenhaft gewimmert, dann wieder etwas schneller geschrubbt. Mal mit, mal ohne Keyboard. Wirklich musikalisch herumgepost wird nicht, wobei ich fairerweise erwähnen muss, dass es an der Bedienung der Instrumente an sich nicht viel auszusetzen gibt. Solide. Mehr aber auch nicht. Dem obigen Vergleich zu Hansi Kürsch sollte übrigens ebenfalls nicht zu viel Beachtung geschenkt werden, denn die Stimme des Sängers klingt bei Weitem nicht so druckvoll. Ich drücke mal ein Auge zu, versetze mich in die Lage eines Truemetal-Fans und vergebe gnädige vier Punkte...

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