Korn - s/t



Stil (Spielzeit): Metal (48:49)
Label/Vertrieb (VÖ): Virgin/EMI (27.07.07)
Bewertung: 8,5/10

Link: www.korn.com

Nu mal langsam, so mies ist die neue KORN doch gar nicht, wie einem alle möglichen Kritiker dieser Tage weismachen wollen. Ganz im Gegenteil, ich halte die „neuen“ KORN seit „See You On The Other Side“ für erfrischend innovativ. Um nicht zu sagen: die Platte ist verdammt klasse. Auch das neue, unbetitelte Werk funktioniert als Gesamtkunstwerk, hat seinen ganz eigenen Charme und überrascht mit ungewöhnlichen Songbauten.

Erneut wurde Atticus Ross für die Produktion bemüht, und nachdem Brian "Head" Welch schon vor „See You On The Other Side“ das Handtuch geschmissen hatte, gönnte sich Drummer David Silveria nun auch eine Auszeit, um sich Familie und Restaurant zu widmen. Auf der Platte zu hören sind also Terry Bozzio, der durch seine Arbeit mit FRANK ZAPPA bekannt wurde aber auch Kapellen wie FANTOMAS verstärkte, sowie der derzeitige BAD RELIGION-Trommler Brooks Wackerman.

Ein plänkelig-düsteres Intro gibt die Sicht frei auf 12 Tracks, die ich mir öfters anhören musste, um nun mit Brustton sagen zu können: KORN haben mich nicht nur überrascht, sie geben mir endlich wieder etwas! Nicht, weil sie komplex oder vielschichtig klingen – was im Vergleich zu dem ehemals gewohnten Sound allemal zutrifft – sondern weil sie mit ihrem teilsweise leicht bizarren Mix aus elektronischen Soundscapes, Stampf-Rhythmen und eindringlichem Gesang eine sehr melancholische, düstere und jederzeit spannungsgeladene Stimmung kreieren. Ich höre ausgefeilte Songs mit intelligenten Wendungen, dynamisches Spiel mit verschiedenen Stimmungen, es gibt viel Raum für Experimentelles.

Vergleiche mit KORN-Klassikern wie "Follow The Leader" schließen sich aus, und obwohl es eindeutig KORN sind, die hier spielen, hat sich spätestens jetzt ein deutlicher musikalischer Wandel vollzogen. Weniger Härte, mehr Stimmung, aber auch mehr Verwirrung.  Doch gerade das ist eine Seite der Platte, die mich regelrecht fasziniert, und die auch durch das Cover sowie die Zeichnungen im Booklet zum Ausdruck gebracht wird: eine laszive Verstörtheit, die auf dem KORN-Debüt mit aller Macht zu Tage trat und heute in andere Formen gegossen - wesentlich subtiler und viel aufwändiger verpackt - zum Vorschein kommt.

Für mich schließt sich der Kreis, ich finde KORN mit „Untitled“ wieder richtig aufregend, frisch und anspruchsvoll. Eine tolle Scheibe, die nicht die Abgedrehtheit des Vorgängers auf die Spitze treibt, sondern einen Gang zurück schaltet und tieferliegende musikalische Schichten hervortreten lässt.