Audiorage - Slump

audiorage

Stil (Spielzeit): Crossover (22:35)
Label/Vertrieb (VÖ): Eigenproduktion (2011)
Bewertung: 5 / 10
Link: http://www.myspace.com/audioragemusic

Ach, was waren das für Zeiten... Erinnert sich sonst noch jemand an die mehr oder weniger glorreichen Tage des Crossovers? Als die Radiosender, welche sich ganz allgemein den von Stromgitarren getragenen Genres verschrieben haben und heutzutage bloß noch widerlichen TOMTE-Kram spielen, der geneigten Hörerschaft noch einen basslastigen Mix aus Metal und Rap nach dem anderen um die Ohren gehauen haben. Als die Riffings noch überaus simpel, die Drums durchgehend nur auf Groove ausgelegt und die obligatorischen Scratches ebenso niedlich wie die selten wirklich ernstzunehmenden Rapeinlagen waren. Als Formationen wie GUANO APES die Charts erstürmten und Zigaretten noch fünf Mark gekostet haben. Ja, das waren Zeiten, an die ich stets mit einem vergnügten Lächeln zurückdenke. Und der aktuelle Auslöser für diese Rückbesinnung nennt sich AUDIORAGE, besitzt sechs Köpfe, zehn mehr oder weniger flinke Finger, einen slappenden Daumen, zwei muskulöse Oberarme, eine Cap und zwei wunde Kehlen. Mit ihrer ersten der Öffentlichkeit zugänglich gemachte EP namens „Slump“ lässt das selbstbewusste Sextett aus Nordrhein-Westfalen den bereits totgeglaubten Crossover wieder aufleben.
Und das hört sich auf den ersten Blick eigentlich gar nicht mal so schlecht an. In Relation zum Wettbewerb zumindest. Auch wenn sich das jetzt nicht unbedingt nach einer sonderlich schwierig zu bewerkstelligenden Leistung anhört, so können die fünf sympathischen Jungs und ihr schmuckes Frontmädel doch relativ locker mit den einstigen Szenegrößen mithalten, was das Songwriting und dessen Umsetzung betrifft. Woran es jedoch noch stark fehlt, das ist eine ordentliche Produktion, ein Haufen frischer Ideen, welche die einzelnen Songs etwas mehr voneinander abheben, und ein Effektgerät für die Stimmen. Letzteres würde vielleicht ein wenig darüber hinwegtäuschen, dass Herr Weidenbach am zweiten Mikro neben Frau Zaby nicht unbedingt mit einem druckvollen Organ gesegnet wurde. Die röchelnden Shouts, welche immer wieder mal von ihm zum ansonsten äußerst dominanten weiblichen Gesang beigesteuert werden, erinnern stark an probende Schülerbands oder alkoholisierte und auf Krawall gebürstete Hooligans. Da sollte bis zum ersten Longplayer auf alle Fälle noch etwas dran gefeilt werden.

Selbiges kann man leider auch über den nicht selten ein wenig gelangweilt und unmotiviert klingenden Gesang aus der weiblichen Kehle behaupten. Da die fünf relativ langen Tracks auf „Slump“ überwiegend ganz klar von den Stimmen getragen werden, sollte hier auch auf ein entsprechend hohes Niveau geachtet werden. Dieses findet man hingegen in den meiner Meinung nach deutlich zu selten eingesetzten Samples, Scratches und sonstigen Spielereien von Herrn Ruhrberg an den Turntables. Da hätten sich szeneprägende Crossover-Kapellen wie die H-BLOCKX oder THUMB damals mit Sicherheit liebend gerne das eine oder andere Scheibchen von abgeschnitten. Besonders das im letzten und meines Erachtens besten Titel „Conspiracy“ stark auffallende Quietschgeräusch hat es mir angetan. Und auch das Finale dieses Tracks und damit der ganzen EP ist verhältnismäßig originell. Da versteht jemand auf alle Fälle sein Handwerk.

Und auch die drei verbleibenden Herren an Gitarre, Schlagzeug und Bass zeigen, dass sie von authentischen Crossover-Klängen mehr Ahnung haben als vom Tuten und Blasen. Das selbstverständlich stark rhythmusorientierte Trio gibt sich die beste Mühe, die fünf teilweise etwas langatmigen Tracks zusammen und in Bewegung zu halten und lässt gerne mal die eine oder andere originelle Idee durchscheinen. Leider wird dies zu oft vom streckenweise stark emotionalen Gesang übertönt und dadurch leider in den Hintergrund gerückt. Und das, obwohl der Bass wirklich gut drückt. Für eine Eigenproduktion gibt es am Sound eigentlich nicht sonderlich viel auszusetzen. Mit einem Label im Rücken würden AUDIORAGE jedoch sicherlich noch mehr Potential entfalten können. Zusammenfassend kann man hier wohl von einem verhältnismäßig soliden Crossover-Scheibchen sprechen, welches zwar noch in den Kinderschuhen steckt, aber durchaus schon bei den Großen mitspielen darf...