Flyleaf - Between The Stars

Flyleaf - Between The Stars
    Crossover/Alternative Metal

    Label: earMUSIC/edel
    VÖ: 31.10.2014
    Bewertung:7/10

    Flyleaf im Web


Nach dem großartigen, selbstbetitelten Debüt habe ich das Geschehen rund um FLYLEAF nicht weiter verfolgt. Umso enttäuschter war ich, als ich auf dem Promozettel lesen musste, dass Lacey Sturm schon vor einiger Zeit durch Sängerin Kristen May ersetzt wurde. Große Erwartungen an das vierte Album der Crossover-/Alternative Metaller hatte ich deshalb nicht. Und das war auch richtig so!

Denn: Nichts ist schöner, als völlig daneben zu liegen und umso positiver überrascht zu werden! Zum einen macht Kristen May ihre Sache richtig gut: Auch sie kann die Furie geben, gleichzeitig aber zurückhaltend und mädchenhaft singen. Nicht ganz so ausgeprägt wie ihre Vorgängerin, aber ein bisschen bodenständiger und leichter zugänglich. Und was der Rest der Truppe abliefert, ist ebenfalls richtig gut: Sameer Bhattacharya und Jared Hartmann entlocken ihren Sechssaitern nicht nur famose Modern Metal-Riffs, sondern auch völlig kranke Effekte und Spielereien. Und Bassist Pat Seals und James Culpepper als Rhythmusfraktion harmonieren wie eine gut geölte Maschine, die einen stets wuchtigen, wummernden Takt angibt.

Das Ohrwurmpotential auf "Between The Stars" ist zwar nicht ganz so hoch wie auf dem klasse Debüt, aber immer noch hoch genug, um das vierte Album zu einer extrem spannenden Sache zu machen. Mein Highlight ist das zum Heulen schöne "Head Underwater": Ein treibender, von Pianoklängen und jaulenden Gitarren unterstützter Beginn, gefühlvoller Gesang von Kristen May, eine melancholische Grundstimmung und dann der Aufbruch mit wehmütigen, zweistimmigen Vocals und einem Grande Finale, das ganz, ganz viele Gefühle ausdrückt. So etwas in einen Song mit unter drei Minuten Spielzeit zu packen, ist eine große Stärke von FLYLEAF, die auch bei dem herausragenden "City Kids" beobachtet werden kann: Die wabernden Gitarren zu Beginn erinnern leicht an den besten FLYLEAF-Track ever ("So I Thought"), die Spannung wird mit Bass und verspielten Drums erhöht, bis eine unglaubliche Explosion folgt. Noch besser (mir gehen langsam die Superlative aus) klingt allerdings die Liveversion auf der Deluxe Edition, in der eine ganze Zeit lang nur die Gitarren und Kristens zerbrechliche Vocals zu hören sind, bevor die ganze Band loslegt und ein animalischer Schrei für pure Gänsehaut sorgt. Übrigens: Durch gleich vier Bonustracks ist die Special Edition der Standard-CD unbedingt vorzuziehen!

Was das Quartett ebenfalls spielend einfach hinbekommt, sind typische Crossover-Ohrwürmer wie der von einem Disco-Beat getragene Eröffnungstrack "Set Me On Fire", "Thread", oder das mit einem wunderbar melodischen Refrain gesegnete "Magnetic". Für Abwechslung sorgen Tracks wie das gut gelaunte "Blue Roses" oder die oben genannten Monumente, die FLYLEAF von ihrer besten Seite zeigen. Zwischendrin schleichen sich auch mal Nummern ein, die man schneller vergisst als die Vorzeige-Hits, aber hey: Auf "Between The Stars", das sehr sauber und wuchtig produziert wurde, stehen trotz Durchschnittsware zwischendrin mehr eingängige Hits als auf vergleichbaren Scheiben.

Dass Lacey Sturm, der Fixpunkt der Band, nicht in der Form zu ersetzen war, sollte jedem Fan bewusst sein. Aber, und damit ist FLYLEAF eben das unerwartete Kunststück gelungen: Kristen May ist der ehemaligen Sängerin ähnlich genug, unterscheidet sich aber auch da, wo es nötig ist, um nicht als Kopie abgestempelt zu werden. Checkt nur mal das bereits erwähnte "City Kids" – ich bin mir sicher: Besser hätte es auch Sturm nicht hinbekommen.