Oomph! - Monster

Stil (Spielzeit): Electro Dark Metal (49:12)
Label/Vertrieb (VÖ): GUN/SonyBMG (22.08.08)
Bewertung: 6/10
Link: www.oomph.de

OOMPH! begleite ich seit vielen Jahren auf ihrem Weg, daher ist zuerst eine Gratulation zum zehnten Album angebracht! Doch bevor die Geigen einsetzen: In letzter Zeit sehe ich mit zunehmend gemischten Gefühlen, wie die Band sich mittels einer Flut von Singles, provokanten Videos, Online-Spielchen etc. immer schmerzfreier vermarktet. Zwiegespalten bin ich auch hinsichtlich des neuen Werks „Monster“ – ein gewohnt souveränes Werk voller Hooklines und Mitsing-Parts, dem jedoch eine beunruhigende Schematik innewohnt.

Das OOMPH!’sche Grundkonzept geht auch dieses Mal auf: Der Gesamtsound kommt drückend aber glasklar und steril, simple Melodien führen zu knallenden Refrains. Die Texte drehen sich einmal mehr um gewohnte OOMPH!-Themen – Lüge, Rache, Verlockung, Verzweiflung und Sehnsucht. Dabei gibt Dero den bösartigen Verführer und singt über Herz, Traum und Tod. Eine Welt, die mir langsam zu eindimensional wird, da sich auch auf Textebene Schemata etablieren: Statt „eins, zwei, drei vier Eckstein“ wie beim Vorgänger heißt es hier im selben Sprech-Sing-Sang „klopf, klopf, lass mich rein“. Bei „Wer schön sein will muss leiden“ gibt’s ein Wiederhören mit der Kinderstimme, die nun in Rotkäppchen-Manier die Großmutter befragt. Märchen, Kinderverse… mir scheint es, als würden hier die guten Ideen aus vergangenen Tagen wieder aufgewärmt. Sicher, das funktioniert – nur leider mit dem schalen Nachgeschmack der Kopie.

Zur Hälfte Plagiat ihrer selbst, fahren OOMPH! auf der anderen Hälfte von „Monster“ die interessantesten Titel seit langem auf. „Lass mich raus“ ist insgesamt ein guter Song, textlich provokant aus der Perspektive eines ungeborenen Kindes geschrieben, das auf die Welt drängt. „Revolution“ erinnert mich an die alten Tage der Band und ist ein vergleichsweise unkommerzieller Tanzflächen-Stampfer für die Elektro-Disco geworden. „In Deinen Hüften“ bringt völlig überraschend den Tango auf’s Industrial-Parkett, inklusive Akkordeon. Auch „Auf Kurs“, eine ziemliche Schmonzette, lässt durch ein schönes Orchester-Arrangement aufhorchen. Ein großartiger Song ist „Geborn zu sterben“, der dem Blues huldigt. Schade nur, dass hier die Bläser aus dem Synthie kommen.

Vielleicht werde ich im Rückblick sagen, „Monster war ein wichtiges Übergangsalbum“, weil danach ein neues Kapitel anbricht, von dem wir vorerst nur die ersten Seiten gesehen haben. Ich würde es mir wünschen, denn so abgeschmackt die eine Hälfte der vorliegenden Songs klingt, so verheißungsvoll erscheint mir die andere.