Deichkind - Electric Super Dance Band


Review


Stil (Spielzeit): Elektro (18:12)
Label/Vertrieb (VÖ): Island/Universal (21.03.05)
Bewertung: Extratighter Stuff
Link: http://www.deichkind.de

„Komm schon, bitte, bitte sag mir doch, wie heißt die Band, die die Party rockt? Deichkind. Toll, woher weißt du das? Hat dir vielleicht jemand Bescheid gesagt?“ Tja, lang lang ists her und mittlerweile haben die Herren aus dem hohen Norden so gar nichts mehr mit dem altbekannten gemein.
War „Bitte ziehen sie durch“ noch ein beachtliches Hip-Hop Debüt, folgte mit „Noch fünf Minuten Mutti“ schon anfänglich der Rückzug aus dieser Szene und mit „Electric Super Dance Band“ präsentiert die Crew vom Deich jetzt den etwas anderen Sound.
In der Anfangsphase kamen zu ihren Konzerten nur eine handvoll Leute oder sie wurden mit Tomaten beschmissen. Heute würde der eingefleischte Hip-Hop Fan von damals zweiteres gerne wieder tun. Aus dieser Ecke lassen sich nämlich schon seit „Limit“ häufig Laute wie Ausverkauft oder Fake vernehmen. Dabei muss der gewöhnliche Rap-Prolet von Nebenan eigentlich nur verstehen, dass sich Malte, Buddy und Philipp gar nicht mit dieser Szene identifizieren wollen. Der harte Gangster mit dazugehöriger Street Credibility sucht hier einfach vergebens stereotype Rhymes, Raps und Realness. Die Hanseaten legen bei ihren Songs vielmehr Wert auf außergewöhnliche Musikalität, Humor und Selbstironie. Dabei wagen sie sich des Öfteren sehr nah an die Grenze des Zumutbaren. Genie und Wahnsinn liegt bekanntlich ja nah beieinander.
„ESDB“ ist recht elektronisch und enthält kaum noch Bezug zu Hip-Hop Klischees. Altbekannte Gefilde hat man völlig verlassen. Neues Markenzeichen sind trashige Sounds, experimentelle Beats, Synthesizer Geschrebbel und erstmals der Versuch seine mehr oder weniger vorhandenen Gesangskünste unter Beweis zu stellen. Trotzdem bleibt die Melodie originell und eingängig. Unverändert fresh sind auch die Texte. Sie besitzen dabei den üblichen Flow und schräge Geschichten mit einfallsreichen Wortspielen. Bei den drei zusätzlichen Remixen auf der Scheibe hat man es sich dann auch nicht nehmen lassen soundtechnisch eine Menge rumzubasteln.
Wie bereits erwähnt gefällt nicht jedem die Musik von Deichkind. So konnten die Nordlichter, als sie sich im Februar 2005 nach längerer Abstinenz endlich beim „Bundesvision Songcontest“ wieder zurückmeldeten, auch bei diesem Publikum nicht so recht Punkten. Eine undankbare Platzierung auf den hinteren Rängen war fast eine Beleidigung für das verkannte Innovationstalent der Deichkinder. Da kann man nur hoffen, dass die Gören vom Deich dem Publikum auf der Mayday besser gefallen...
Zusätzliches kleines Schmankerl auf der Maxi, der Track „Silberweidenpark“ und der Wahlwerbespot „Meck-Pom Rulez“. Also „Willst du fresh sein, ich mein so richtig im Trend, dann engagier die Electric Super Dance Band“.

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