Therapy? - We're Here To The End (Doppel-CD)



Stil (Spielzeit): Alternative/Rock
Label/Vertrieb (VÖ): DR2 Music/H'Art (16.11.10)
Bewertung: 7/10

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Kaum eine andere Band war und ist so wandlungsfähig wie die Nordiren THERAPY?. Der Durchbruch mit "Troublegum" und den Hits "Nowhere" und "Die Laughing" Anfang der Neunziger führte viele vermeintliche Fans auf die falsche Fährte, denn in den nächsten Jahren sollte sich heraus kristallisieren, dass THERAPY? keineswegs die melodische, punkige Hit-Band von 1994 bleiben sollte, sondern mit verschiedenen Stilen experimentierte, ihre anfänglich raue Seite live erneut zeigt und trotzdem sich selbst treu bleiben sollte. Nach langer Wartezeit liegt nun endlich das das erste Livealbum der Bandgeschichte vor.

Mit 36 Songs auf zwei CDs ist "We're Here To The End" gut bestückt und mit allen wichtigen Songs vom Debüt "Babyteeth" bis hin zum letzten Album "Crooked Timber" aufwartet. Aufgenommen wurde die prall gefüllte Doppel-CD an drei Abenden im Londoner Club Water Rats, als THERAPY? ihre Tour zum 20-jährigen Bandjubiläum bestritten. Dass sowohl die Band als auch die Zuschauer Spaß hatten, merkt man den zahlreichen Mitsing-Spielchen und Gesängen an. Mit an Bord sind natürlich sämtliche Hits wie "Screamager", Nowhere", "Die Like A Mother Fucker", "Diane" und "If It Kills Me", und daneben noch eine Vielzahl an ausgewählten Songs aller Alben, mit der wohl jeder Fan glücklich werden sollte. Natürlich vermisst jeder den ein oder anderen Lieblingssong, aber sein wir doch mal ehrlich: 36 Songs auf einem Livealbum sind auch bei teilweise nur zweieinhalbminütigen Tracks schon eine ganz schöne Leistung. Die Band gibt sich hörbar Mühe und ist spielfreudig, auch wenn Fronter Andy Cairns das ein oder andere mal Probleme mit seiner Stimme hat.

Ich muss allerdings ehrlich gestehen, dass ich vom Sound zu Beginn alles andere als begeistert war. Der klingt zwar äußerst rau, unbearbeitet und tatsächlich so, als würde man in einem schwitzigen Club stehen, lässt es dafür aber ein Druck und Differenz vermissen, so dass ich teilweise das Gefühl hatte, eher einem besseren Booteg zu lauschen als einer professionell aufgenommenen Liveplatte. THERAPY? sind ja nun mal eine Band, die sich von Album zu Album weiter entwickelt und/oder verändert, und dementsprechend ändert sich auch immer wieder der Sound und die Produktion. Mein absoluter Fave "If It Kills Me" beispielsweise klingt in der Studioversion aber nun mal um ein Vielfaches brachialer und druckvoller, da hätte ein etwas mehr aufpolierter Sound vielleicht doch besser zu "We're Here To The End" gepasst.

Das ist aber definitiv Geschmackssache, und eins kann man den Nordiren nicht vorwerfen: Dass sie nämlich bei vorliegendem Livealbum mit Overdubs oder technischen Spielereien gearbeitet hatten. So ist "We're Here To The End" ein sehr ehrliches und rohes (mir vielleicht etwas zu rohes) Album geworden, dass den THERAPY?-Jüngern endlich den Livegenuss für zu Hause bringt. Und das wurde ja auch definitiv mal Zeit.