Winterfylleth - The Dark Hereafter Tipp

Winterfylleth - The Dark Hereafter
Die fünfte Scheibe von WINTERFYLLETH wirft Fragen auf. Wie bewertet man ein Album, das nur 24 Minuten wirklich neuen musikalischen Stoff bietet? Denn mit rund 40 Minuten Laufzeit ist "The Dark Hereafter" nicht nur deutlich kürzer als seine vier Vorgänger. Es bietet mit "Led Astray in the Forest Dark", einer englischsprachigen Coverversion des ULVER-Songs "I Troldskog Faren Vild", sowie mit "Pariah's Path", einem Bonus-Track des letzten Albums, auch reichlich recycelte Klänge. Geht den Schwarzmetallern aus Manchester, die seit 2008 fleißig im Zweijahresrhythmus ein neues Studioalbum veröffentlichen, vielleicht so langsam die Puste aus?

Glücklicherweise nicht! Denn trotz der fehlenden Quantität ist die musikalische Qualität von "The Dark Hereafter" über jeden Zweifel erhaben. Ob mit dem Titeltrack oder „Ensigns of Victory“ – die Briten treten selbstbewusst den Beweis an, dass sie zum Besten gehören, was Englands Black Metal Szene zu bieten hat. Doublebass-Gewitter und Raserei, melodisch-melancholische Verschnaufpausen, stets angeführt vom (an-)klagenden, harschen Geschrei von Sänger Chris Naughton – Kreativität, Vielschichtigkeit und Abwechslungsreichtum machen die Faszination dieser Songs aus. Auch das bereits veröffentlichte "Pariah's Path" fügt sich thematisch nahtlos in den Album-Kontext ein: WINTERFYLLETH besingen die beunruhigende, verunsichernde Entwicklung von Politik, Religion und Gesellschaft – mit all ihren negativen Folgen wie Furcht, Leid, Trauer und Tod.

Das rund 13-minütige "Green Cathedral" bildet das Herzstück der neuen Platte und ist so monumental wie die Natur, die es beschreibt. Der Song beginnt bedächtig und harmonisch, spannt anschließend einen epischen Melodiebogen und führt den Hörer (inklusive Backing Vocals und gesprochener Worte) auf eine Entdeckungsreise, die zu keinem Zeitpunkt erzwungen oder langatmig wirkt. Den Abschluss bildet die schon erwähnte Coverversion, die man nicht als Lückenfüller, sondern vielmehr als eine respektvolle Verneigung vor den Verdiensten ULVERs als Inspirationsquelle sehen sollte – und die englischsprachige WINTERFYLLETH-Interpretation dieses Songs ist in der Tat ein Gewinn.

"The Dark Hereafter" kombiniert Härte, Melodie und Atmosphäre gekonnt und zielstrebig. Dabei setzt die Band ihre Weiterentwicklung fort, ohne sich dabei auf allzu große Experimente einzulassen. Und weil auch die druckvoll und satte Produktion zu überzeugen weiß, hat WINTERFYLLETH trotz des wiederverwerteten Materials ein weiteres großartiges Black Metal Album abgeliefert.

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