Caspian - Live At Old South Church

coverorc

Stil (Spielzeit):
Postrock, Instrumental (34:36)
Label/Vertrieb (VÖ): Make My Day / Alive (27.01.12)
Bewertung: 7,5/10

Link: Facebook

Wow. Instrumentaler Postrock. Bin ich kein Experte drin, würd aber mal grob die Richtung EF vorgeben. Denn auch die Bostoner haben unglaubliche Klanggebilde, die sich extrem viel Zeit zum Atmen nehmen, sich aufschichten, dem einzelnen Ton nachspüren und dann irgendwann eruptiv und mäandernd nach vorne gehen. Aber im Gegensatz zu den Skandinaviern kommen sie hier komplett ohne Gesang aus.

Was die ganze Platte nahezu gespenstisch werden lässt, ist der Live-Faktor. Denn ganz im Ernst: wer hört denn hier bitte, dass es sich nicht um eine Studioaufnahme handelt? Der Klang, den die Bostoner Kathedrale erzeugt, passt so wunderbar zu den drei- bis zehnminütigen Songs des Sextetts, dass man es für absolut gewollt hält. Lediglich der frenetische Applaus am Ende der guten halben Stunde (bzw. der fünf Songs...) zeigt es deutlich.

Wer Musik mag, die sich Zeit nimmt, extrem gefühlvoll und zerbrechlich ist, dann aber auch gleichzeitig gewaltig über den Hörer drüberrollen kann, sollte sich CASPIAN mal geben (bei drei regulären Platten ist das auch durchaus machbar). Unglaublich, was man mit Hall und Delay aus Gitarren machen kann und wie sehr dies einen absoluten Sog erzeugen kann, der dann nach und nach kaum noch aufzuhalten ist, obwohl man sich immer noch in extrem geringen BPM-Zahlen bewegt.

Ab und zu kommen sie mal so gar nicht aus dem Quark, es wirkt dann eher wie der Übergang zwischen zwei Songs, aber im Allgemeinen nehmen sie den Hörer mit in eine Landschaft aus Sound (die von oben betrachtet wird) und lassen ihn nicht mehr los. Ähnlich wie auf einem EF-Konzert, würde ich vermutlich auch bei CASPIAN mein Handy ausschalten, wegen der Angst, mit einem eventuellen Klingeln die Atmosphäre zerstören zu können. Abgefahren!