Serj Tankian - Elect The Dead



Stil (Spielzeit): Metal (45:09)
Label/Vertrieb (VÖ): Reprise Records / Warner (19.10.07)
Bewertung: 7,5/10
Link: www.serjtankian.com

Serj Tankians Solo-Debüt: Eine Achterbahnfahrt, deren Rasanz, steile Kurven, erlösende Geraden an das komplexe Universum von SYSTEM Of A DOWN-Platten anschließen. Das wundert nicht, weil Tankian Sänger dieser Truppe war bzw. ist, und es wird die Fans freuen, welche eine Entwicklung in Richtung Elektro-Egotrip befürchtet haben mögen.

Nein, Serji stößt niemanden vor den Kopf, „Elect The Dead“ klingt sehr organisch, ungemein lebendig. Tankian setzt die Trademarks seiner auf Eis liegenden Band fort, bewegt sich als Weirdo inmitten eines sehr eigenen Soundkosmos’, erichtet aus fast gänzlich selbst eingespielten Stakkato-Takten, Arschtritt-Riffwechseln und erholsamen Interludes. Mit Streichern inklusive elegischem Dahinschmelzen, Chören, an Kinderlieder erinnernden Melodiewegen... kurz, wir kennen diese Mischung von SYSTEM OF A DOWN.
Und dennoch gibt es nur zwei Songs, die aus dem Stand auf 100 Grad Kochtemperatur hochsieden, bei denen das „Anti-Konzept“ komplett greift: Die Headbanger-Single „Empty Walls“ und der phantastische Titel „Lie Lie Lie“, der sich anhört und anfühlt, als würde er dazu gemacht sein, am Lagerfeuer inbrünstig von allen Umsitzenden aus voller Kehle gesungen zu werden. Sagenhaft, diese Mischung aus satten Riffs, Volkslied-Melodienbogen und dezentem Wahnsinn.

Der Rest will nicht so recht überraschen, klingt zum Großteil unvermutet zugänglich, wenn auch nie belanglos oder ideenarm. Keine Frage, „Elect The Dead“ hat viel zu bieten: Da knallen uns schwelgerische Refrains um die Ohren – hört „Feed Us“- , da bahnen sich die Akustikgitarre und Piano melancholisch ihren Weg, klingt armenische Folklore an und wirbelt doch noch auf zu einer amtlichen Erschütterung mit dickem Saiteneinsatz und lyrischem Pathos („Saving Us“). Es schmalzt hier ein wenig („Sky Is Over“) und bounct dort fett in der Magengegend („Beethoven’s C***“) . Bei „Praise The Lord And Pass The Ammunition“ lässt der Meister gänzlich die Zügel fahren, hier trifft der Hörer auf die erwartete Sound-Anarchie. Ein kurzes Abkommen vom Weg, hiervon hätte man mehr erwartet.

Das Debüt von Serj Tankian ist viel weniger abgedreht als gedacht, viel zugänglicher als erhofft. Zwei Spitzennummern, viele gute Songs und der ein oder andere nicht ganz so starke Titel – letztlich klingt „Elect The Dead“ doch ganz „normal“. Also, Platte kaufen und abgehen, denn abschließend bleibt mir nur noch ein Satz: Diese Scheibe ist verdammt gut.