A Traitor Like Judas / Maintain - Lifetimes SPLIT (Digital) Tipp

ATraitorLikeJudas_Cover

Stil(Spielzeit):
Metalcore (14:03)
Label/Vertrieb (V.Ö.): Acuity (17.06.11)
Bewertung: 8,5 / 10

Link: ATLJ @ MySpace
              MAINTAIN @ MySpace

Muss man sich eigentlich schon blöde anschauen lassen, wenn man mittlerweile noch keinen Deathcore macht, sondern nach wie vor Metalcore spielt? Naja, A TRAITOR LIKE JUDAS und MAINTAIN sollte das nicht im Geringsten stören, denn sie legen hier zusammen eine Split vor, die wieder mal ganz klar macht, warum diese Musik mal so unpeinlich war. Und verdammt, wie konnte es angesichts solch guter Songs dazu kommen, dass Metalcore ein Schimpfwort wurde?

Beide Bands sind einheimisch und ihre Namen dürften eigentlich allen Genre-Fans geläufig sein. Und beide zeigen hier wunderbar, dass sie auch auf internationalem Level mitspielen können. Die Produktionen klingen klasse, ohne so überproduziert zu sein, und die Songs machen einfach nur Spaß. A TRAITOR LIKE JUDAS bieten Metalcore vom feinsten, ohne aufgesetzte Cleanvocals – lieber mal ein paar Gangshouts – eine Rhythmik, die manchmal an AUGUST BURNS RED denken lässt und Songs, die ich mir so auf dem letzten PARKWAY DRIVE-Album gewünscht hätte. Hier wird sehr viel Rhythmus mit wunderbaren Gitarrenmelodien und -Harmonien verbunden und viele Songs haben einen leicht hymnischen Charakter. Die fünf Braunschweiger geben sich abwechslungsreich aber dennoch sehr stilbewusst und legen mit ihrem Teil eine der interessantesten Metalcore-Platten des Jahres ab. Einfach sehr stimmig – da war das Medium Split-Album vielleicht auch einfach die richtige Wahl!

Bei den Hamburgern von MAINTAIN geht es etwas heftiger zur Sache, als ich es noch von „With A Vengance" im Ohr habe. Aber ok, das letzte Lebenszeichen auf CD ist ja auch schließlich schon ca. vier Jahre her – da werden sich sowohl meine Erinnerungen als auch die Band verändert haben. Dennoch bin ich überrascht, wie kompromisslos sich der Fünfer gibt. Auch hier gibt es keine Cleanvocals, aber dafür eben die Liebe der Gitarristen, sehr rhythmusbetont zu spielen – ohne aber nur stumpf vor sich hinzumoshen. Im Gegensatz zu ATLJ sind MAINTAIN aber in bestimmten Parts ein kleines wenig progressiver, wenn es um die Moshparts und die darüber liegenden Soli geht, und der Härtegrad verschiebt sich hier klar stärker in Richtung Deathmetal. Dafür findet sich bei den Songs aber auch nicht ganz so viel Hymnenpotential. Dennoch stehen MAINTAIN ihren Kollegen in nichts nach und liefern hier erstklassigen Metalcore ab, der auch mal über den Tellerrand schauen kann.

Insgesamt gesehen ist „Lifetimes" eine Zusammenstellung von neun Songs (Intro nicht mitgerechnet), die ich in der Qualität auch erst mal aus den Staaten etc. hören möchte. Wer PARKWAY DRIVE, MISERY SIGNALS, AUGUST BURNS RED und Konsorten mag, kommt in 2011 kaum an dieser Split vorbei. Schönes Teil eines zu Unrecht totgeglaubten Genres!