Primordial - Redemption At The Puritan's Hand Tipp

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Stil (Spielzeit): Pagan Metal (63:55)
Label/Vertrieb (VÖ): Metal Blade (22.04.11)
Bewertung: 8,5/10
Link: http://www.primordialweb.com/

PRIMORDIAL sind eine der dienstältesten, bekanntesten und wichtigsten Pagan Metal-Bands der gesamten Szene. Dabei umschreibt der Begriff "Pagan Metal" die Musik auch auf dem neuen Werk "Redemption At The Puritan's Hand" nur rudimentär, denn PRIMORDIAL klingen einmal mehr absolut unverwechselbar und eigenständig, was nicht zuletzt an der großartigen Performance von Sänger Alan Averill liegt.

Acht Songs in etwas mehr als einer Stunde bedeuten, dass man das siebte Studioalbum des irischen Quartetts nicht mal eben nebenbei hören kann, sondern sich intensiv mit dem Werk und den Songs beschäftigen muss. Auch, wenn zu Beginn nicht alle Songs zünden oder sogar ein wenig langwierig erscheinen, lohnt es sich deshalb, allen Nummern seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Denn dann kann man mit jedem Track des Albums viel anfangen – seien es der treibende Opener "No Grave Deep Enough" mit seinem Doublebass-Gewitter, der monumentalen, epischen Stimmung und den leidenschaftlichen, sehr ausdrucksstarken Vocals, das mit einem ganz eigenen Rhythmus versehene, erzählerische "Lain With The Wolf" mit Melodien zum Niederknien oder das getragene "Bloodied Yet Unbound", das verhalten und traurig beginnt, für Friedhof-Atmosphäre sorgt und mit zunehmender Spielzeit dank Blastbeat-Raserei und Tempowechseln sehr abwechslungsreich wird. Und das waren gerade mal die ersten drei Songs, die in "Gods Old Snake" (nach einem treibenden Beginn die heftigste Nummer mit mächtigen Gitarren und düsteren Vocals), "The Mouth Of Judas" (zur Hälfte ruhig, balladesk und von tiefer Melancholie durchzogen) und dem galoppierenden, dunkel-bedrohlichen "The Black Hundred" ihre Fortsetzung finden. Den Abschluss markieren der Quasi-Titeltrack "The Puritan's Hand" und "Death Of The Gods" – letzterer mit fast zehn Minuten als längster und epischster Track des Albums.

Das Paradoxe an der überragenden Performance von Averill ist, dass Altfans mit dem Gesang vielleicht ihre Probleme haben könnten. In den wenigsten Momenten wird nämlich gegrowlt oder gekreischt, vorherrschend sind cleane, einzigartige Vocals, die sämtliche Emotionen durchspielen. Man leidet richtig mit, der Gesang erzählt ganze Geschichten. Gerade das macht 2011 zu einem großen Teil die Faszination von PRIMORDIAL aus. Über die Produktion hingegen dürfte sich nun wahrlich niemand beschweren: Von einem solch druckvollen, mächtigen Klang, der die Drums und den Bass ein wenig in den Vordergrund rückt, können 98 % ähnlicher Bands nur träumen.

Generell ist "Redemption At The Puritan's Hand" mit seinen majestätischen, erhabenen Melodien, der Dramatik, dem akzentuierten, präzisem Schlagzeugspiel von Simon O'Laoghaire, dem Gitarrengewitter, dem pumpenden Bass und den ausdrucksstarken, leidenden und variablen Vocals Averills ein tiefgreifendes Genre-Highlight, das nicht wirklich mit den Werken anderer Pagan-Bands verglichen werden kann. Dazu klingen PRIMORDIAL viel zu eigenständig und ursprünglich. Und so lange es solche Bands wie die Iren mit solch großartigen Alben gibt, muss man sich um die Zukunft des Metal wahrlich keine Sorgen machen.