Posthumanbigbang - Jungle Eyes Tipp

Posthumanbigbang - Jungle Eyes
    Post Metal / Progressive Metal

    Label: Czar Of Crickets Productions
    VÖ: 20.03.2020
    Bewertung:8/10

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Nach dem Release des selbstbetitelten Debütalbums von 2012 folgt nun der Nachfolger „Jungle Eyes“ des Schweizer Post-Metal-Kollektivs POSTHUMANBIGBANG, deren Gründungs-Urknall auf 2009 datiert. Der erste Output sorgte in der Schweiz für großes Aufsehen und wurde europaweit von der Kritik hochgelobt, die die Musik als Schmelztiegel aus fragilen Melodien, knallharten Grooves, raffinierten und ehrlichen Texten, vielseitigen Vocals und druckvollen Drums beschreibt.

Psychedelische nahöstliche Sitarklänge eröffnen in „Cycles“ das Album, bis eine indische Santur die klimpernde Melodie vorgibt, zu der sich das erste brachiale Riff gesellt, bis in Deathcore-Manier die ganze Band lospoltert, der die Santur weiterhin hüpfend im Rhythmus folgt. Aus diesen schweren Post-Metal-Attacken versucht sich immer wieder die schwebende, zerbrechliche Melodie zu befreien – wie der Mensch aus einem beklemmenden Teufelskreis –, die im späteren Verlauf von Piano, Akkordeon, cleanen Fusion-Gitarren und einem Mitsing-Chor begleitet wird, der im epischen Finale nachhallt.

Spiel ohne Grenzen

Die Kompositionen von Mastermind Remo Häberli überzeugen mit großem Variantenreichtum und der Absicht, aus gewohnten Mustern auszubrechen. Da lässt ein Groove-Metal auch einmal klassische Elemente zu, Flüster- und Harmoniegesänge begegnen bösen Growls, verschmitzte Rhythmik gipfelt in Blastbeat-Attacken, aparte World-Music geht über in sphärische Soundlandschaften.

„Bury“ beweist, dass der ehrgeizige Sound von POSTHUMANBIGBANG fast keine Grenzen kennt. Bedrohliche Riff-Salven rattern durch einen tiefen, mächtigen Groove, der von Dark-Ambient-Einsprengseln bereichert wird, dem wieder die zarten Melodien im Refrain gegenüberstehen. Hektische Keyboard-Eskapaden beschließen den Song, der vom Tiefpunkt einer Beziehung handelt, an dem ein Paar in seinen Verhaltensmustern gefangen ist, anstatt sich zu trennen.

Welcome to the jungle

In „Bitter Tears“ wechseln sich hallende Floydsche Vocals im Bassgebrummel mit Hardcore-Gebrüll im Riffgewitter ab, bis ein einsames Piano zusammen mit düsteren Keyboardflächen und leisen Trommelwirbeln in die schwarze Leere trauert.

Brasilianisch anmutende Roots-Rituale, Tribal-Drumming und exotische Dschungelgeräusche entführen in „Jungle Eyes“. Hier bahnt sich im Titelsong ein wahres Groove-Monster seinen Weg durch das Prog-Metal-Dickicht, das immer wieder geschickt die Richtung ändert. Spoken Words deuten einen höheren Spirit an, der zum Schluss in gebethaftem Gesang heraufbeschworen wird.

Bandkopf Remo setzt sich mit dem neuen Album autobiographisch mit einer überwundenen Persönlichkeitskrise auseinander und erinnert sich an den kräfteraubenden dornigen Weg, der ihn zurück zu all den Aufs und Abs und Hoffnungen führt – getrieben vom Willen, nicht aufzugeben.

In „Coals“ sorgen vocoderverzerrte Vocals, vibrierende, basslastige Keyboard-Sequenzen und streng klirrende Pianoklänge, die man erreicht, wenn man beim Spielen über den offenen Flügel in die Saiten greift, für Abwechslung. Zum Ende hin schlägt man versöhnlichere, hoffnungsvollere Töne an, bis „Off“ einen mit einem Hauch moderner Klassik alleine in die Unendlichkeit des Alls lässt, dort, wo alles begann … mit dem großen Knall.

POSTHUMANBIGBANG haben in einem intensiven und langen Entstehungsprozess ein Magnum Opus mit erstaunlicher Dichte und Tiefe erschaffen.

Posthumanbigbang Promo Picture

Line-up:

Remo Häberli (lead & backing vocals, lead & rhythm guitars, bass, synths, percussion, keys, programming)
Mike Liechti (drums) Patrick Häberli (backing vocals)
Lukas Bleuer (lead guitars)
Isabelle Ryser (bass)

Guests:
Rita Häberli (accordion)
Philipp Thöni (vocals)
Florian Haldimann (bass)
Bernhard König (lead guitar)
Adrian Lüthi (lead guitar)
Mischa Kästli (drums)
Michael Stucki (vocals)
Sebastian Schmid-Arenas (spoken voice)

Tracklist:

1. Cycles (6:54)
2. Homebound II (4:30)
3. Bury (6:06)
4. Bitter Tears (9:06)
5. Jungle Eyes (8:12)
6. Theme (2:20)
7. Coals (7:30)
8. Hate (2:41)
9. Driftwood (6:53)
10. Off (4:52)