Witherfall - Curse Of Autumn Tipp

Witherfall - Curse Of Autumn
    Power Metal mit Progressive-Einflüssen

    Label: Century Media
    VÖ: 05.03.2021
    Bewertung:8/10

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Wer sich der Subjektivität des Musikgenusses bewusst werden möchte, dem sei gleich zu Beginn dieses Artikels unser Review zur letzten WITHERFALL-Scheibe "A Prelude To Sorrow“ ans Herz gelegt. Während sich Kollege Andreas an einer Platte erfreute, welche „die Genre-Konkurrenz locker abhängt“, hörte Chefredakteur Chris nur „Vibrato-Screaming aus den Vorhöfen der Hölle“. Und auch auf "Curse Of Autumn“, dem dritten Album des amerikanischen Quintetts, dürfte der bandeigene Sound polarisieren – nicht zuletzt weil der im Promowisch enthaltene OPETH/DREAM THEATER-Vergleich enormes Selbstvertrauen suggeriert.

Völlig zurecht, denn unabhängig von Gefallen oder Nicht-Gefallen ist es wohl kaum zu bestreiten, dass WITHERFALL zu den momentan spannendsten Projekten an der Schnittstelle von Heavy, Progressive und Power Metal zählen. So ist auch "Curse Of Autumn“ geprägt von komplexen Songstrukturen, neoklassizistischer Melodieführung und teils ausufernden Gitarrensoli, deren Nutzen sich von Songdienlichkeit bis hin zu reiner Angeberei erstreckt.

Vielschichtig und theatralisch

Das mag nicht den Geschmack aller Hörenden treffen, funktioniert aber im Rahmen des neuen Albums hervorragend. Denn nicht nur verfügt "Curse Of Autumn“ mit "As I Lie Awake“ oder "… And They All Blew Away“ über hervorragende Einzelstücke, sondern schafft es auch, diese in ein kohärentes Gesamtwerk zu integrieren. Zwischen ausufernden Epen und den stellenweise unheimlich intensiven Zwischenspielen entwickelt sich auf diese Weise echte Theatralik, welche im positivsten aller Sinne an ein gut geschriebenes Musical erinnert.

Unter dem Strich wirkt "Curse Of Autumn“ dadurch tatsächlich kompletter als so manche Scheibe der Progressive-Götter von DREAM THEATER. Klar ist aber auch, dass WITHERFALL mit ihrem dritten Werk kein unanfechtbares Meisterwerk abgeliefert haben. So will "The Other Side Of Fear“ auch nach dem x-ten Durchlauf einfach nicht zünden, während sich der Longtrack "… And They All Blew Away“ ausgerechnet im so wichtigen Mittelteil verliert. Doch das sind Peanuts im Vergleich zu dem, was WITHERFALL richtig machen – "Curse of Autumn“ ist eine vielschichtige Gesamterfahrung, der Genrefans auf jeden Fall eine Chance geben sollten.

Tracklist

1. Deliver Us Into The Arms Of Eternal Silence (00:50)
2. The Last Scar (04:56)
3. As I Lie Awake (05:33)
4. Another Face (05:34)
5. Tempest (08:17)
6. Curse Of Autumn (01:26)
7. The Unyielding Grip Of Each Passing Day (02:44)
8. The Other Side Of Fear (04:38)
9. The River (03:11)
10. ... And They All Blew Away (15:24)
11. Long Time (Acoustic Version) (03:35)