Dream Theater - Octavarium


Dream Theater
Stil (Spielzeit): Prog Metal (75:48)
Label/Vertrieb (VÖ): Atlantic/Warner Music (06.06.05)
Bewertung: Die helle Freude, wenn auch kein Klassiker (8,5/10)


Link: www.dreamtheater.net
Dass eine progressive Band wie Dream Theater seit über 15 Jahren weltweit konstant hohen Erfolg trotz sich im Zweijahrestakt verändernder Trends haben kann, hat folgenden einfachen Grund: Diese New Yorker Musikverrückten schreiben stets fantastische Alben - eigenständig, unabhängig und auf technisch erhabenen Niveau der Extra-Klasse.

Aber es ist auch nicht zu verleugnen, dass man sich im Laufe der Zeit an die Brillanz von Dream Theater gewöhnt hat. Spätesten bei den letzten beiden Alben „Six Degrees Of Inner Turbulence“ und „Train Of Thought“ war der Überraschungseffekt schon nicht mehr derselbe wie bei den Meilensteinen „When Dream And Day Unite“ oder „Images And Words“. Gerade das pseudo-harte und wenig magische „Train Of Thought“ war alles andere als ein Höhepunkt in der Kariere von Mike Portnoy und Co..  Umso erfreulicher, dass „Octavarium“, das achte Studioalbum, wieder alle Schokoladenseiten von Dream Theater aufzeigt, sprich abwechslungsreicher und melodischer klingt.
Das Album beginnt mit „The Root Of All Evil“ sehr heavy und groovy mit tiefen, modernen Gitarren in thematischer Tradition von „The Glass Prison“ und „This Dying Soul“.

Doch schon gleich darauf wird einem das Herz mit der atmosphärischen Ballade “The Answer Lies Within” in die butterweichen Melodien von James LaBrie gewickelt. Vielleicht etwas zu schmalzig, aber Balladen der New Yorker tendierten bisher immer in diese Richtung.

Die Stärksten Nummern sind jedoch nicht die harten oder weichen, sondern die alles umfassenden Werke wie das wunderschöne, beinahe bombastische „These Walls“, das sowohl fette Riffs, coole Melodien, flirrende Keyboards als auch klassische Instrumente beinhaltet. 

„I Walk Beside You“ könnte mit seinem optimistischen Refrain fast schon als U2-Radionummer durchgehen, wenn nicht diese genialen, feinen Details wären, die Dream Theater von allen anderen Bands dieser Welt abheben. Sehr gut! „Panic Attack“ beginnt extrem aggressiv und progressiv, entwickelt sich später zu einem der wildesten und verrücktesten Songs des Traum Theaters.  „Never Enough“ pendelt gekonnt zwischen erdigem Heavy-Rock und dramatischen Opus-Musikus hin und her, strange Effekte auf LaBries Stimme machen den Track interessant.  „Sacrified Sons“ hingegen lehnt sich an die langen, düster-orchestralen Stücke der „Six Degrees Of Inner Turbulence“ an. Ein echter Gourmethappen mit Soundtrack-Atmosphäre. Der Titeltrack zum Abschluss mit seinen 24 Minuten ist eine unglaubliche Reise von soft bis heavy durch das riesige Dream-Theater-Universum inklusive einiger Zitate von Pink Floyd und Rush plus Instrumental-Gefrickel der abartigsten Sorte. Ein genialer Abschluss und einer der stärksten Kompositionen der ehemaligen Musikstudenten. Dream Theater vereinen auf "Octavarium" alle Elemente, die sie bisher ausprobiert haben und gewinnen ihrem Sound trotzdem noch neue Facetten ab. Und zwar dahingehend, dass das Werk wesentlich offener, positiver und teilweise auch poppiger wirkt als zuletzt. Im Gegenzug haben Dream Theater es wieder nicht geschafft, echte Klassiker zu schreiben. „These Walls“ und „Walk Beside You“ werden sich wohl am ehesten in das Live-Set quetschen, doch die Zeiten von Heldentaten á la „Metropolis“, „Learning To Live“, „Pull Me Under“ oder „Caught In A Web“ scheinen vorbei zu sein. Dream Theater haben im Prog-Bereich vielleicht schon alles erreicht. Es bleibt abzuwarten, wo diese Supergroup noch hin will. „Octavarium“ ist auf jeden Fall ein klasse Resümee der letzten zehn Jahre. Again, Hut ab!