Pink Floyd - Ummagumma (2LP, Reissue)

Pink Floyd - Ummagumma (2LP, Reissue)
    Psychedelic/Progressive Rock

    Label: Pink Floyd Records
    VÖ: 03.06.2016
    Bewertung:7/10

    PINK FLOYD im Web


Nur wenige Monate nach der Veröffentlichung des Soundtracks zu "More" stand bereits die nächste PINK FLOYD-Veröffentlichung in den Plattenregalen. "Ummagumma" (ein von Bandfreund und Teilzeit-Roadie Iain "Emo" Moore erfundener Slang-Begriff für Sex) erschien im Oktober 1969. Käufer erhielten erstmals nicht eine, sondern gleich zwei LPs mit einer Spielzeit von 86 Minuten.

Auf der ersten LP befindet sich das allererste Livealbum von PINK FLOYD, das ein typisches Liveset der damaligen Auftritte enthält ("Interstellar Overdrive" wurde zwar ebenfalls live aufgenommen, aber nie veröffentlicht). Vier Songs wurden am 27.04.1969 im Mothers Club in Birmingham und am 02.05.1969 im Manchester College Of Commerce in Manchester aufgenommen und auf diese Platte gepresst: Das fantastische "Astronomy Domine" vom Debüt, "Careful With That Axe, Eugene" (B-Seite der Single "Point Me At The Sky" mit markerschütterndem Roger Waters-Schrei), "Set The Controls For The Heart Of The Sun" und "A Saucerful Of Secrets" (beide vom gleichnamigen Album).

Der Hang zu Improvisationen auf der Bühne macht sich schon darin bemerkbar, dass alle Liveaufnahmen bis auf "A Saucerful Of Secrets" ein ganzes Stück länger dauern, als die Studiofassungen. Lauscht man der eingespielten Truppe bei ihren Klangeskapaden, wünscht man sich gar, sie würden noch viel länger dauern. Die Intensität, mit der PINK FLOYD die Stücke auf der Bühne zelebrierten, ist fast schon spürbar. Die Liveaufnahmen sind kraftvoll, detailreich und klingen rauer als die Originalaufnahmen. Wer die ersten beiden Alben der Briten auf das Wichtigste reduzieren möchte, kommt an diesem frühen Live-Kunstwerk definitiv nicht vorbei!

Das kann man von der zweiten LP mit Studioaufnahmen leider nicht behaupten. Keyboarder Richard Wright hatte die Idee, jedem der vier Bandmitglieder eine halbe Plattenseite für eigene Musik zur Verfügung zu stellen. So ist die Platte streng genommen kein PINK FLOYD-Album, sondern ein viergeteiltes Soloalbum aller Komponisten. Das Experiment sahen sämtliche Bandmitglieder Jahre später als gescheitert an: Gilmour bezeichnete "Ummagumma" als "furchtbar", Waters nannte es "ein Desaster", und Mason äußerte den legendären Satz: "Ich denke immer noch, dass es ein sehr gutes Beispiel dafür ist, dass die Summe besser als ihre Teile ist...". (Zufall oder nicht: Gilmour nutzte die "The sum of our parts"-Floskel im Gänsehaut-Refrain von "Louder Than Words".)

Pink Floyd Ummagumma LP

Tatsächlich muss man den Bandmitgliedern Recht geben, denn egal, ob Wrights 13-minütige Keyboard-/Orgel-Orgie "Sysyphus" ohne wirklichen Fixpunkt, Waters' völlig bescheuerte Tierversammlung "Several Species Of Small Furry Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict", Gilmours wirres Instrumental "The Narrow Way" oder Masons viel zu langes, von Effekten zerstückeltes Drumsolo "The Grand Vizier's Garden Party": Keines der Solo-Werke hat es verdient, mehr als einmal auf dem Plattenteller zu drehen. Ausnahmen: Der hörenswerte, melancholische dritte Teil von "The Narrow Way" und mit Abstrichen Waters' Folk-Stück "Grantchester Meadows", dessen nerviges Vogelgezwitscher den ganzen Song über aber schon wieder zu viel des Guten ist.

Bei "Ummagumma" macht sich die Neuauflage auf Vinyl erstmals richtig bezahlt: Zwar fehlen auch hier die Songtexte, die im hübschen Booklet der CD-Version enthalten sind, doch gibt es immerhin die berühmte schwarz-weiß bedruckte Innenseite mit dem nicht (!) abgeschnittenen Foto von Waters' damaliger Freundin zu sehen. Und selbstverständlich lehnt auch das "Gigi"-Cover auf dem Frontcover an der Wand, das seinerzeit auf anderen Editionen außer der britischen LP entfremdet wurde. Es handelt sich hier übrigens um eines der berühmtesten FLOYD-Cover: Ein "Mise en abyme" (oder auf Englisch "Droste effect"), also ein Bild im Bild. Die zwei 180 Gramm schweren Vinyl-Scheiben befinden sich in einem schönen, schweren Gatefold-Cover zum Aufklappen. Erneut fehlt ein Downloadcode für die digitale Version des Albums.

Die Live-LP von "Ummagumma" ist ein wundervolles Livedokument der PINK FLOYD-Anfänge, das man einfach haben muss. Die Studio-LP hingegen kann man selbst als Hardcore-Fan getrost vergessen. So muss man sich die beeindruckenden Liveaufnahmen mit Studio-Schund teuer erkaufen...

LP 1 (Live-Album)

Seite A:
1. Astronomy Domine
2. Careful with That Axe, Eugene

Seite B:
1. Set The Controls For The Heart Of The Sun
2. A Saucerful Of Secrets
           
LP 2 (Studio-Album)

Seite A:
1. Sysyphus
2. Several Species Of Small Furry Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict

Seite B:
1. The Narrow Way
2. The Grand Vizier's Garden Party